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Die Union kann in den Umfragen wieder zulegen - doch das ändert nichts an ihrem größten Problem

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Die Union kann in den Umfragen wieder zulegen - doch das ändert nichts an ihrem größten Problem | Ralph Orlowski / Reuters
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  • Die Union kann sich in Umfragen zur Bundestagswahl wieder von der SPD absetzen
  • Das ändert jedoch nichts an ihrem größten Problem

Die Saarland-Wahl hat dem Aufwärtstrend der SPD einen Dämpfer versetzt. Die letzten Umfragen zur Bundestagswahl zeigen: Die Union wird wieder stärker, der Abstand zwischen CDU/CSU und den Sozialdemokraten vergrößert sich.

Im Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die "Bild am Sonntag" liegt die Union mit 35 Prozent wieder deutlicher vor der SPD mit 33 Prozent. Zuletzt lieferten sich beide ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem mal der eine, dann der andere die Nase vorne hatte.

Die aktuellen Umfragewerte sind erfreuliche Nachricht für die Union, sollte man meinen. Trotzdem hat sie ein großes Problem.

Mit wem will die Union regieren?

Denn die CDU/CSU hat außer der SPD keinen realistischen Koalitionspartner. Im Sonntagstrend kommen die Grünen auf 7 Prozent. Auch wenn viele CDU-Politiker - wie zuletzt Partei-Vize Thomas Strobl – mit einem Bündnis mit den Grünen liebäugeln: Es scheint unwahrscheinlich, dass sich die Partei um ihre Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckartd schnell aus ihrem Umfragetief befreien kann.

Die FDP muss mit 5 Prozent laut Sonntagstrend um den Einzug in den Bundestag bangen. Auch eine Jamaika-Koalition mit den Liberalen und den Grünen ist für die Union keine zuverlässige, und schon rechnerisch keine wahrscheinliche Option.

Was bleibt da übrig? Einzig mögliche Machtoption für CDU und CSU ist eine Fortsetzung der so ungeliebten großen Koalition. Wenn die SPD will. Laut dem Sonntagstrend könnte es nämlich auch für eine rot-rot-grüne Koalition reichen.

Publizist Hugo Müller-Vogg kommentiert daher die eigentlich erfreulichen Umfragewerte der Union vom Sonntag auch mit den Worten: "Was nützt es der CDU/CSU, wenn R2G auf 48 Prozent kommt?"

An der Großen Koalition führt kein Weg vorbei

Dennoch: Derzeit deutet alles daraufhin, dass auch die SPD wieder im Bündnis mit der Union landen wird.

Seit dem rot-roten Flirt in der Saarland-Wahl und dem darauffolgenden Debakel an den Wahlurnen äußern sich die Sozialdemokraten vorsichtiger zu einem Bündnis mit der Linken im Bund. In der vergangenen Woche spekulierten die Medien, ob sich hinter den Kulissen nicht eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen anbahne.

In einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für die "Welt"-Zeitung erfuhr kein Bündnis mehr Ablehnung als ein rot-rot-grünes Bündnis. 62 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus, gerade einmal 24 Prozent waren dafür.

Die beliebteste Koalition der Umfrage: GroKo.

Wie soll sich die Union also gegen Schulz verhalten?

Ein Wiederaufleben einer Großen Koalition scheint also sehr wahrscheinlich. Das bringt die Union in eine verzwickte Lage. Denn ihre erhöhten Umfragewerte liegen mitunter auch daran, dass die Politiker von CDU und CSU scharf gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz schießen - also gegen den wahrscheinlichsten Bündnispartner.

CDU-Vize Thomas Strobl etwa warf Schulz am Sonntag vor, bislang zu wenig inhaltlich Stellung zu beziehen. "Die schulzsche Melodie erinnert mich an Hintergrundmusik im Kaufhaus. Sie klingt ganz nett, aber man weiß gar nicht, was eigentlich
gespielt wird."

Die verbalen Attacken mögen der Union kurzfristig helfen. Sollten sich aber an den Mehrheitsverhältnissen bis zu Bundestagswahl nichts ändern, müssen die Politiker von CDU und CSU hinterher mit dem Mann reden, den sie vorher heftig attackiert hatten.

Das dürfte die Koalitionsverhandlungen noch schwieriger machen. Zumal die SPD selbstbewusst mit einem starken Ergebnis aus der Bundestagswahl gehen könnte. Da dürften sich mancher Unions-Politiker nun schon überlegen: Wie scharf ziehen wir über unseren Konkurrenten her?

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(lp)