Während alle Welt nach Syrien schaute: 5 Erkenntnisse aus Trumps Treffen mit dem chinesischen Staatschef

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TRUMP XI
Während alle Welt nach Syrien schaute: 5 Erkenntnisse aus Trumps Treffen mit dem chinesischen Staatschef | Carlos Barria / Reuters
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Eine Stunde, nachdem US-Präsident Donald Trump mit Chinas Staatschef Xi Jinping zu Abend isst, schlagen die ersten US-Marschflugkörper auf einem Flugfeld in Syrien ein.

Das erste Zusammentreffen von Trump mit seinem chinesischen Kollegen war mit Spannung erwartet worden. Trump hatte im Vorfeld des Treffens immer wieder scharf gegen China geschossen.

Doch es kam alles anders als erwartet: Der erste direkte Angriff der USA auf Syrien seit Beginn des Bürgerkriegs überschattete den USA-Besuch Xis.

Was bleibt übrig von der ersten Begegnung der beiden Staatschef, deren Beziehung die internationale Politik maßgeblich beeinflussen wird?

1. Nordkorea-Konflikt scheint gebannt

Der Umgang mit Nordkorea birgt wohl das derzeit größte Konfliktpotenzial in der Beziehung zwischen China und den USA. Trump hatte noch diese Woche betont, im Falle Nordkorea würden alle Optionen auf den Tisch liegen. Heißt: Provoziert Nordkorea weiter mit Raketentests, könnten die USA militärisch eingreifen - notfalls im Alleingang.

China ist der wichtigste Handelspartner des kommunistischen Regimes in Pjöngjang. Natürlich will die chinesische Regierung daher einen Eskalation verhindern.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte vor Journalisten, die USA und China wollten im Nordkorea-Konflikt künftig stärker kooperieren. Zwar gibt es kein konkretes Maßnahmen-Paket. Aber auch China gab der Sicht Washingtons Recht, dass das Atomprogramm von Nordkorea eine kritische Phase erreicht habe.

Das ist zumindest einmal eine vorläufige Einigung - und besser, als Säbelrasseln und dumpfe Drohungen.

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2. Auch sonst scheinen sich die USA und China anzunähern

Zweiter Knackpunkt: die Handelsbeziehungen. Trump und manche seiner Mitstreiter haben sich in der Vergangenheit nicht zurückgehalten, wenn es darum ging, China anzugreifen. Die Regierung von Peking würde die USA wirtschaftlich ausbeuten, Strafzölle waren im Gespräch.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sprach am Freitag in Florida von “enormen Fortschritten” in den schwierigen Beziehungen beider Länder. Trump triumphierte zum Abschluss der Gespräche gar, es habe sich eine “herausragende Beziehung” entwickelt. Er erwarte, dass sehr viele Probleme verschwinden könnten.

Das sind die üblichen Floskeln von Politikern. Unerwartet kommen die optimistischen Äußerungen von Trump dennoch. Die Strafzölle sind offenbar erst einmal vom Tisch.

Und auch von Taiwan war nicht die Rede. Trump hatte bereits vor Amtsantritt China provoziert, weil er das Gespräch zur taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing-wen gesucht hatte. China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz, nicht als eigenen Staat.

3. Trump versucht, Stärke zu demonstrieren

Also alles gut zwischen den beiden Großmächten? Vordergründig ja.

Aber dann ließ Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) ein Flugfeld in Syrien bombardieren. Viele Beobachter sahen darin auch eine Botschaft an die chinesischen Gäste. In der Art: “Mein Haus, meine Marschflugkörper”, wie die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” das Treffen kommentiert.

Die vermutete Botschaft für China: Schaut her, wir zögern nicht, militärisch einzugreifen. Ein Fingerzeig in der Causa Nordkorea?

Das war auch die Lesart der Londoner Tageszeitung “The Times”: “Trump hat einen bedeutenden Schachzug gemacht, der sicher nicht allein in Russland analysiert wird, sondern auch in China und Nordkorea, deren Führer nun einen US-Präsidenten erlebt haben, der zu schnellen Strafangriffen entschlossen ist. Die Lektion für sie ist einfach: Die Ära Obama ist ganz und gar vorbei.”

Trump könnte damit versucht haben, sich von seinem Vorgänger Barack Obama abzusetzen. Der galt in militärischen Fragen eher als zögerlich, als Gegner eines ausgeprägten Interventionismus .

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4. Damit könnte sich Trump aber auch ein Eigentor geschossen haben

Ist Trumps Botschaft aber wirklich beim chinesischen Staatschef Xi angekommen? Am Ende könnte Trump mit seinem Bombardement das Gegenteil erreicht haben: Die chinesische Regierung sah einen weiteren US-Präsidenten, der sich im Nahen Osten verzettelt.

Was für Trump wie Stärke aussehe, halte China für Dummheit, heißt es im US-Politmagazin “Foreign Policy”. “Für Xi könnten der Angriff ein Zeichen von Unhöflichkeit gewesen sein - aber er war auch eine Erinnerung an die fundamentale Dummheit (...) der außenpolitischen Entscheidungen der USA”, analysiert "Foreign Policy".

Denn während die USA zum Beispiel im Irak einmarschierte, habe sich China darauf konzentriert, die eigene Wirtschaft und die Handelsbeziehungen zu stärken. Der Irak-Einsatz sei ein Geschenk für China gewesen, das sich als Weltmacht neben den USA in Position brachte.

Mit der Trump-Administration bahnt sich für chinesische Politiker abermals eine Regierung an, die sich kopflos ins Gefecht stürzt. Und China die politische Bühne überlässt, so die Analyse von "Foreign Policy".

5. Glaubt China, es sei nun an der Reihe?

Trumps vorsichtiger Kurs in Sachen China könnte für Staatschef Xi aber auch ein Zeichen sein, dass sein Land nun endgültig in die Reihe der Supermächte gehöre. Xi betonte nach dem Treffen mehrmals die Wichtigkeit für “einen neuen Anfangspunkt” der Beziehungen.

Es könnte der Anfang einer Beziehung auf Augenhöhe sein. China könnte versuchen, seinen Einfluss international auszubauen.

Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” wollte dann auch einen versteckten Seitenhieb auf den unberechenbaren US-Präsidenten in Xis Äußerungen finden. “Ich glaube, dass wir uns auf stabile Weise weiterentwickeln werden, um freundschaftliche Beziehungen zu schaffen“, sagte Xi. Gemeinsam sollten China und die USA für Frieden in der Welt sorgen.

Könnte bedeuten: China wird seinen neuen amerikanischen Partner auch mal zur Vernunft rufen.

Mit Material der dpa

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(lp)

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