Trumps Baby-Problem: Wie seine Aussagen über den Syrien-Luftschlag den US-Präsidenten in Bedrängnis bringen

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  • Donald Trump hat seine Angriffe in Syrien mit den schockierenden Bildern aus Khan Sheikhoun gerechtfertigt
  • Seine Flüchtlingspolitik widerspricht jedoch jeder humanitären Verantwortung
  • Das Paradox könnte für Trump zum Problem werden, wenn die Gewalt anhält

Es war der vielleicht emotionalste Moment seiner bisherigen Präsidentschaft. Donald Trump hat in der Nacht auf Freitag Luftschläge gegen das syrische Regime angeordnet. Er erklärte, die Bilder der toten Kinder von Khan Sheikhoun hätten auf ihn "einen großen Einfluss gehabt“.

In seiner Rede verurteilte Trump den syrischen Diktator Assad, der mit seiner "barbarischen Attacke sogar wunderschöne Babys brutal ermordet habe". Kein Kind Gottes sollte einen solchen Horror erleiden.

So eindringlich die Botschaft Trumps klingt, so paradox ist sie. Denn die Wahrheit ist: Der US-Präsident versucht mit seiner Politik seit Amtsbeginn, die "wunderschönen Babys“ aus Syrien aus den USA fernzuhalten.

Noch im vergangenen August erklärte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung, er könne syrischen Kindern ins Gesicht schauen und ihnen sagen, dass sie in den USA nicht willkommen sein.

"Trump sollte seine Aussagen überdenken"

Das von Trump erlassene Einreiseverbot soll Flüchtlinge, unter anderem aus Syrien, ausnahmslos daran hindern, in die USA einzureisen.

Jennifer Sime, Vize-Präsidentin des US-Programms der Hilfsorganisation International Rescue Committee, sagte jetzt gegenüber dem US-Magazin "Mother Jones“: "Für den Präsident wäre es eine gute Gelegenheit, seine Aussagen der Vergangenheit zu überdenken und einzusehen, dass die Flüchtlinge in Syrien genau vor dieser Gewalt fliehen, die wir diese Woche sehen.“

Ebendas könnte für Trump zum Problem werden. Denn eine Abkehr von seiner harten Flüchtlingspolitik würden wohl viele seiner Unterstützer als Verrat betrachten. Doch je mehr schreckliche Bilder aus Syrien die USA erreichen, desto größer wird der Widerstand gegen Trumps Travel-Ban werden. Bereits jetzt protestierten tausende in den USA gegen den US-Luftangriff.

Doch die Gewalt in Syrien droht, sich zu verschärfen. Bilder wie am vergangenen Dienstag werden tragischerweise wohl kein Einzelfall bleiben. Der syrische Diktator Baschar al-Assad kündigte bereits an, seine Angriffe in Rebellengebieten auszuweiten. Syrische Kampfjets sind noch in der Nacht auf Samstag offenbar erneut zu Einsätzen gestartet.

Russland wird zurückschlagen

Und auch Russland könnte seine Angriffe intensivieren, glaubt Außenpolitikexperte Vasily Kashin von der Moskauer Higher School of Economics. Dem Politik-Fachmagazin "The National Interest“ erklärte er die mögliche neue Strategie des Kremls.

"Besonders Pro-US-Gruppen werden sie ins Visier nehmen und zerstören, sie werden mehr Einsatzkräfte verlegen, vielleicht eine größere Übung in Europa starten“, sagte Kashin dem Magazin.

Die Grausamkeit wird so wohl ungebrochen weitergehen.

Im syrischen Bürgerkrieg sind laut Unicef im vergangenen Jahr bereits 652 Kinder ums Leben gekommen. 255 von ihnen seien in oder in der Nähe von Schulen getötet worden, teilte das Kinderhilfswerk am Montag mit.

Wie aus dem neuen Bericht hervorgeht, sind insgesamt 1,7 Millionen Kinder wegen des Konflikts nicht in der Schule. Außerdem seien 2,3 Millionen als Flüchtlinge in Syriens Nachbarländern.

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(ll)