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Chirurg schläft nach 28-Stunden-Schicht am Boden ein - jetzt diskutiert die ganze Welt darüber

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Er liegt in seiner Arbeitskleidung zusammengerollt im Krankenhausflur und schläft auf dem Boden: Dieser chinesische Chirurg hat nach einer 28-Stunden-Schicht, in der er fünf Operationen ausführte, seine wohlverdiente Pause eingelegt.

Das Bild geht nun um die Welt - denn es sorgt nicht nur in China für eine heftige Debatte.

chirurg

"Ich bin beeindruckt, aber ich unterstütze das nicht"

Der Arzt Luo Heng musste an jenem Abend in einem Krankenhaus in der chinesischen Provinz Anhui zwei Notoperationen durchführen, denen drei weitere Operationen folgten. Danach schlief der junge Mann auf dem Krankenhausflur ein, wie unter anderem der britische "Independent" berichtete.

Das Bild des schlafenden Chirurgen wurde in dem chinesischen sozialen Netzwerk Weibo ausgiebig geteilt und kommentiert. Viele Nutzer drückten ihre Bewunderung für die Ausdauer und Hingabe des Arztes aus. Andere übten hingegen Kritik: "Ich bin beeindruckt von seinem Engagement, aber ich unterstütze das nicht. Ich sehe das so: Eine Pause ist wichtig, damit man besser arbeiten kann."

Auch andere Nutzer befürchten, dass jemand, der so lange durcharbeitet, unter Umständen nicht mehr beste Leistungen vollbringen kann - und machen sich Sorgen. Denn von der Leistungsfähigkeit eines Arztes können Leben abhängen.

Deutsche Ärzte leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen - und schieben 24-Stunden-Schichten

Wer jetzt mit den Finger auf die chinesischen Arbeitsverhältnisse zeigt, dem sei gesagt: In Deutschland ist es nicht so viel besser. Auch hier leiden Ärzte unter schlechten Arbeitsbedingungen: Neben 24-Stunden-Diensten sind Überstunden an deutschen Krankenhäusern leider keine Seltenheit.

Mehr zum Thema: Mit diesem Foto prangert ein Rettungsassistent eines der größten Probleme in deutschen Krankenhäusern an

Laut einer Umfrage des Marburger Bunds sind drei Viertel der Ärzte der Meinung, dass ihre Arbeitszeiten ihre Gesundheit beeinträchtigen würden. Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich psychisch belastet fühlen.

Dass Ärzte und Krankenpfleger unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden, ist keine Neuigkeit, geändert hat sich trotzdem nicht viel. "Die Patientenzahl und der Verwaltungsaufwand sind stark gestiegen", sagte Hans-Jörg Freese vom Marburger Bund der "Zeit".

Das macht Angst, wenn man bedenkt, dass wir alle im Notfall dringend auf ausgeruhte, leistungsfähige Ärzte angewiesen sind.

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(jg)