"Sonst droht der Zivilisationsbruch": Spitzenpolitiker verteidigen Trumps Syrien-Angriff

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FDP-Chef Christian Lindner verteidigt Donald Trumps Luftangriff | getty
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  • Donald Trump bekommt für seinen Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis viel Zuspruch von deutschen Politikern
  • FDP-Chef Christian Lindner bezeichnete den Luftschlag als "nachvollziehbar und richtig"
  • SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz warnt hingegen vor einer militärischen Eskalation

Dutzende Marschflugkörper feuert die US-Armee auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt ab. Es ist eine Vergeltungsaktion für einen mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz, befohlen von US-Präsident Trump.

Während Syriens Verbündeter Russland mit scharfer Kritik reagierte, kommt von deutscher Seite viel Zuspruch - und die Warnung vor einer militärischen Eskalation.

FDP-Chef Christian Lindner etwa verteidigte den Syrien-Angriff der USA vehement. "Nach dem Giftgas-Terror war diese Reaktion nicht nur nachvollziehbar, sondern in meinen Augen richtig", sagte Lindner der Huffington Post.

"Gabriel sollte seine Flugrouten über Moskau und Teheran legen"

"Die Weltgemeinschaft hat nach dem Völkerrecht eine Schutzverantwortung für Unschuldige. Der muss man gerecht werden. Sonst droht ein Zivilisationsbruch, weil alle Regime glauben, es gäbe keine Grenzen für Menschenfeindlichkeit mehr", sagte er.

Lindner forderte die Bundesregierung außerdem dazu auf, sich diplomatisch noch stärker in den Konflikt einzumischen.

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"Sigmar Gabriel sollte alle seine Flugrouten unter anderem über Moskau und Teheran legen, um auf alle Beteiligten ständig einzuwirken", sagte er. "Militärisch haben nur die USA die notwendigen Mittel."

Sorgen vor einer Konfrontation mit Russland teilte Lindner nicht. "Die Reaktionen in Moskau sind zwar laut, aber in der Substanz vergleichsweise zurückhaltend", sagte er. "Das könnte ein Indiz sein, dass eine neue Einigkeit des Westens in diesen Fragen auch Russland zum Nachdenken bringen könnte."

"Militärisch wird es am Ende nur Verlierer geben"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz warnte hingegen vor einer militärischen Eskalation. "Militärisch wird es am Ende nur Verlierer geben", sagte Schulz am Freitag in Düsseldorf. Die militärische Lösung führe nur dazu, "dass Gewalt weitere Gewalt erzeugt".

Deshalb dürfe der Vorrang für eine diplomatische Lösung nicht aufgegeben werden. "Was an Maßnahmen jetzt erfolgt, muss unter dem Dach der Vereinten Nationen erfolgen", sagte er. Die EU müsse versuchen, die Konfliktparteien zusammenzubringen.

Schulz sieht Anzeichen dafür, dass der US-Luftangriff eine Einzelaktion bleiben wird. "So weit ich das sehe, hat es vorher Kontakte zwischen den unterschiedlichen Konfliktparteien gegeben. Das spricht dafür, dass es tatsächlich eine einmalige militärische Aktion ist", sagte er.

"Die Ablösung Assads muss im Vordergrund stehen"

Der CDU-Außenexperte Roderich Kieswetter warb hingegen dafür, mit weiteren Militärschlägen zu drohen. "Die Drohung mit weiteren gezielten Schlägen wäre ein Hebel, um Russland dazu zu bewegen, die Verhandlungen in Genf konstruktiv fortzusetzen", sagte Kieswetter der Huffington Post. "Hierzu müssen die EU und die USA durch Konditionen für einen inklusiven Prozess diplomatisch massiv investieren.“

Der US-Schlag sei ein eindeutiges Signal an Russland, dass entscheidend dafür sei, mehr Druck auf Assad auszuüben. "Die Ablösung Assads muss im Vordergrund stehen", sagte er - was auch durch einen abgestimmten Prozess des Westens vorangetrieben werden könne.

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Der außenpolitische Sprecher der Union im Bundestag, Jürgen Hardt, warnte hingegen Russland davor, weiterhin Assad zu decken. "Klar ist, dass Assad seine Macht nur noch auf den Gewehrläufen Irans und Russlands aufrecht halten kann", sagte er der Huffington Post. "Beide Länder machen sich der Mittäterschaft schuldig, wenn sie weiter ihre schützende Hand über Assad halten", sagte er.

Gerade Russland sollte deshalb seine Blockadehaltung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgeben und damit die notwendigen Voraussetzungen für einen Friedensprozess schaffen.

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(ll)