Mutmaßlicher Terroranschlag in Schweden: Was wir wissen - und was nicht

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STOCKHOLM
Mutmaßlicher Terroranschlag in Schweden: Was wir wissen - und was nicht | JONATHAN NACKSTRAND via Getty Images
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  • Am Freitagnachmittag ist ein Lastwagen in Stockholm in eine Menschenmenge und ein Kaufhaus gerast
  • Dabei kam es zu mehreren Toten und Verletzen
  • Was wir bisher über die Tat wissen - und was nicht

Am Freitagnachmittag rast ein Lastwagen durch eine zentrale Einkaufsstraße der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Mehrere Menschen werden erfasst. Anschließend steuert der Fahrer das Fahrzeug in ein Kaufhaus. Bilder zeigen Rauch und Flammen, die aus dem Gebäude kommen.

Schwedens Premierminister Stefan Löfven spricht bald von einer Terrortat. Noch sind die Hintergründe des Vorfalls allerdings unklar.

Hier ein Überblick: Was wir bisher wissen - und was nicht.

1. Was ist passiert?

Kurz vor 15 Uhr rast der Laster durch die Einkaufsstraße. Er soll den Berichten zufolge an zwei Kreuzungen in Menschenmengen gefahren sein.

Anschließend habe er seine Fahrt fortgesetzt und sei in das Kaufhaus Åhléns gerast. Reporter des schwedischen Fernsehsenders SVT berichteten von einem Brand auf der Einkaufsstraße und völligem Chaos.

Mehr zum Thema: Aufnahmen eines Augenzeugen zeigen die Todesfahrt des LKW in Stockholm

2. Wie viele Menschen wurden getötet oder verletzt?

Die Zahl der Toten ist noch unklar. Die Nachrichtenagentur TT spricht von mindestens vier Todesopfern. Außerdem sind mindestens 15 Menschen verletzt worden, neun davon schwer. Unter den Verletzten seien auch zwei Kinder, eines davon wurde schwer verletzt. Das bestätigte der Chefarzt des Karolinska-Instituts bei Stockholm dem Sender Radio Schweden. Ein Mann sei im Krankenhaus gestorben.

3. Wer ist der Täter?

Entgegen frühere Bericht lässt sich das am Freitagabend immer noch nicht sagen. Was wir wissen, ist: Die Polizei hat einen Mann festgenommen. Sie konnte aber - entgegen anders lautender Medienberichte - nicht bestätigen, dass es sich dabei um den Fahrer des Lkw handelt.

Bei dem Mann soll es sich um die Person handeln, die die Polizei seit Freitagnachmittag mit Fotos gesucht hat.

Bereits am Nachmittag hatte es Berichte gegeben, wonach die Beamten einen Verdächtigen festgenommen hätten. Die Polizei widersprach diesen jedoch.

4. War es ein Terroranschlag?

Mit völliger Sicherheit lässt sich das noch nicht sagen. Allerdings gehen die schwedischen Behörden von einem terroristischen Akt aus.

Offensichtlich ähnelt die Tat vom Freitagnachmittag vergangenen Anschlägen in Europa. Ob in Nizza, Berlin oder zuletzt in London: Immer wurde ein Fahrzeug zur Tatwaffe umfunktioniert. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte hinterher die Taten für sich.

5. Wie reagierte Stockholm auf die Tat?

Nach dem Angriff herrschte Chaos und Panik in der Innenstadt. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen panisch aus dem Shopping-Center und von der Straße flüchten. "Es war fürchterlich. Unmengen von Blut auf der Straße, Menschen lagen überall", sagt ein Augenzeuge dem schwedischen Fernsehen.

"Viele um mich herum waren hysterisch", erzählte eine andere im Fernsehen. Kunden eines Modegeschäfts mussten aus Sicherheitsgründen in dem Laden bleiben.

Es gab verschiedene Berichte über Schießereien an zwei verschiedenen Orten. Diese wurden von der Polizei nicht bestätigt.

Die schwedischen Sicherheitsbehörden riegelten wichtige Gebäude in der Innenstadt ab.Auch die Züge im Stockholmer Zentrum standen still. Polizeihubschrauber kreisten über dem Zentrum, schwerbewaffnete Polizisten bezogen Stellung. Der Hauptbahnhof wurde geräumt.

Die Polizei bat die Bevölkerung, in geschlossenen Räumen zu bleiben und sich vom Zentrum fernzuhalten. Diese Anordnung gilt weiterhin.

Die Sicherheitskräfte zeigten erhöhte Präsenz und bewachten besonders gefährdete Plätze im ganzen Land. "Es ist wichtig für uns, eventuelle weitere Angriffe zu verhindern", sagte ein Sprecher der Stockholmer Polizei.

Mehr zum Thema: NEWS-BLOG: LKW rast in Stockholm in Menschenmenge, mindestens 3 Tote

6. Was wissen wir sonst noch?

Laut einem Medienbericht stammt der Lkw von einer schwedischen Brauerei. Die schwedische Tageszeitung "Aftonbladet" sprach mit einem Sprecher des Unternehmens. Laut seinen Aussagen sei das Fahrzeug unmittelbar vor der Tat entführt worden.

Der Fahrer des Lasters habe an einem Restaurant gehalten, um Getränke abzuliefern. Dann sei ein maskierter Mann ins Führerhaus gestiegen und losgefahren. Der Lieferant habe sich vor den Lkw gestellt, doch der Terrorist stoppte nicht.

Der Fahrer warf sich daraufhin auf den Boden und wurde überfahren, aber wie durch ein Wunder nur leicht verletzt, sagt der Sprecher. Zumindest für ihn ging dieser Tag glimpflich aus.

Mit Material der dpa

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(bp)

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