"Aggression gegen einen souveränen Staat": Putin bezeichnet US-Luftschlag in Syrien als Bruch des Völkerrechts

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Gespenstische Ruhe: Russland hat auf den US-Luftschlag bislang nicht reagiert | POOL New / Reuters
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  • Russland hat sich Zeit mit einer Reaktion auf den US-Militärschlag in Syrien gelassen
  • Jetzt verurteilt der Kreml den Angriff
  • Er sei "unter einem Vorwand" verübt worden

Es ist fast gespenstisch ruhig gewesen. Der Kreml hatte eine ganze Weile gewartet, bis er auf den US-Angriff in Syrien reagierte. Gegen acht Uhr dann verurteilte er den Angriff.

"Präsident Putin hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt.

Russland steht hinter Assad

Nun, diese Einschätzung ist höchst umstritten. Es gibt schon lange Zweifel, dass Syriens Machthaber Baschar al-Assad wirklich alle Chemiewaffen vernichtet hat. Der Giftgas-Angriff diese Woche, bei dem mehr als 70 Menschen umkamen, hat dem Verdacht neue Nahrung gegeben.

Die USA halten Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad für diejenigen, die Kriegsrecht gebrochen haben. Der Kreml behauptet, bei dem Anschlag hätten syrische Bomber ein Giftwaffenlabor der Rebellen getroffen.

Ein Affront gegen Russland

Sicher ist dagegen, dass Russland den US-Luftschlag gegen die Militärbasis, von der aus US-Sicht der Gasanangriff verübt wurde, als Affront wertet. Russland gilt als Verbündeter Assads.

Und nach neuesten Meldungen sollen sogar russische Soldaten auf der attackierten US-Luftwaffenbasis gewesen sein.

Russland will offenbar Sondersitzung des UN-Sicherheitrats

Noch vor dem offiziellen Statement des Kreml hatte es einen Hinweis gegeben, wie die russische Reaktion aussehen könnte. Die staatliche Agentur RIA hatte am frühen Morgen laut dem britischen "Guardian" Viktor Ozerov zitiert, Chef des Verteidigungsauschusses im Oberhaus des russischen Parlaments. Ozerov sagte, Angriff könne als Aggression gegen ein UN-Mitglied gewertet werden und Russland werde eine dringende Sitzung des UN-Sicherheitsrats beantragen. Diese Argumentationslinie setzt der Kreml nun offenbar fort.

Noch kurz vor den Angriffen hatte Alexei Pushkov, Chef des Ausschusses für Informationspolitik im Oberhaus des russischen Parlaments, getwittert: Ein Militärschlag der USA in Syrien würde Präsident Donald Trump "auf eine Stufe stellen mit Bush und Obama".

Russland soll informiert gewesen sein

Die USA hatten aber Vorkehrungen getroffen, um zumindest die schlimmste Eskalation zu verhindern. Pentagon-Sprecher Jeff Davis sagte, man habe die Russen in mehreren Gesprächen am Donnerstag informiert. Die Kommunikation soll über den Kanal gelaufen sein, über den die beiden Länder Absprachen treffen, damit sich ihre Flugzeuge über Syrien nicht in die Quere kommen.

Wie Wladimir Safronkow, stellvertretender russischer Botschafter bei den UN, sagte, hatten die Russen die USA gewarnt " sich zu überlegen, wozu militärische Aktionen im Irak, in Libyen und anderen Ländern" geführt haben.

Mit Material von AP und dpa

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