Trump greift Syrien nach dem Giftgasanschlag an - so eskalierte der Konflikt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
U.S. President Donald Trump delivers a statement about missile strikes on a Syrian airfield, at his Mar-a-Lago estate in West Palm Beach, Florida, U.S., April 6, 2017. REUTERS/Carlos Barria | Carlos Barria / Reuters
Drucken
  • Die USA haben einen Gegenschlag gegen Syrien gestartet
  • Der Angriff ist eine Vergeltung für den Giftgasanschlag von Dienstag
  • Nachdem eine UN-Resolution gescheitert war, entschloss sich Trump zum Alleingang - das war abzusehen

Die Raketen fielen mitten in der Nacht. 59 Marschflugkörper sollen es gewesen sein, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf einem Flughafen der syrischen Luftwaffe einschlugen - abgeschossen von zwei US-Zerstörern im Mittelmeer.

US-Präsident Donald Trump sieht den Angriff als Vergeltung für einen vorangegangenen Giftgasangriff mit Dutzenden unschuldigen Opfern, für den er den syrischen Machthaber Baschar Al-Assad verantwortlich macht.

Doch wie konnte der Konflikt so schnell eskalieren? Sechs Fakten.

1. Was passierte am Dienstag?

Die Bilder der Erstickten gingen um die Welt. Laut Aktivisten kamen mindestens 86 Menschen in der Stadt Chan Scheichun ums Leben, darunter viele Kinder.

Fakt ist: Die Symptome der Opfer lassen nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen auf einen Chemiewaffen-Einsatz schließen.

Die Berichte der Experten aus dem Land würden nahelegen, dass die Zivilisten mindestens zwei verschiedenen Arten von Nervengas ausgesetzt gewesen seien. Bei dem jüngsten Angriff sei vermutlich ein Wirkstoff wie das Nervengas Sarin sowie Chlor eingesetzt worden.

2. Wer ist für die Toten verantwortlich?

Diese Frage ist immer noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums hätte ein Angriff syrischer Kampfjets eine Werkstatt getroffen, in der die Opposition Giftgasmunition herstellt. Assad-Gegner nannten dies eine Lüge.

Auch der die USA, Frankreich und Großbritannien glauben, dass die syrische Regierung die von Rebellen kontrollierte Stadt mit Giftgas angegriffen hat.

3. Wie reagierte der Westen?

Am deutlichsten wurde Trump. Die Attacke sei ein "barbarischer Akt" gewesen. Die Schuld am Giftgasangriff trage die Assad-Regierung. "Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen", sagte Trump. Das Blutvergießen in Syrien müsse beendet werden - notfalls auch im Alleingang.

Auch Frankreich und Großbritannien kritisierten Assad scharf. Nur aus Deutschland gab es keine klare Reaktion. Am Donnerstag vermied es Kanzlerin Angela Merkel einen klaren Verantwortlichen zu nennen – genauso wie Außenminister Sigmar Gabriel. Der sagte nur: "Noch wissen wir nicht, wer letztlich für den Giftgasangriff verantwortlich ist".

Mehr zum Thema: Die Welt rätselt, wie Donald Trump auf den Giftgas-Angriff in Syrien reagieren wird. Ein altes Twitter-Post könnte die Antwort liefern

4. Wie reagierte Syrien und seine Verbündeten?

Der syrische Staatschef Baschar al-Assad hatte jegliche Verantwortung für den Angriff zurückgewiesen.

Das russische Außenministerium nannte die Vorwürfe gegen die syrische Luftwaffe einen Fake.Zugleich bekräftigte Russland, Assad ungeachtet der Vorwürfe weiter zu unterstützen.

Auch der Iran kritisierte politisch motivierte Schuldzuweisungen wegen der Giftgastoten.

5. Warum scheiterte ein gemeinsames Vorgehen der UN?

Die einfach Begründung: Zu einer Abstimmung über eine von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachten Resolution kam es nicht. Der UN-Sicherheitsrat ging damit am Mittwoch ergebnislos auseinander.

Mit einer zweiseitigen Resolution sollte der mutmaßliche Angriff scharf verurteilt und eine rasche Aufklärung gefordert werden. Doch Russlands stellvertretender UN-Botschafter Wladimir Safronkow griff seinen britischen Amtskollegen Matthew Rycroft direkt an: "Haben Sie überhaupt geprüft, was Sie geschrieben haben? Dieser Entwurf wurde hastig vorbereitet und überhaupt nicht gründlich."

Blockaden im Sicherheitsrat beim Thema Syrien sind nichts neues: Erst im Februar hatten Russland und China mit ihrem Veto Sanktionen gegen die syrische Regierung wegen dessen Chemiewaffeneinsätzen verhindert.

6. Warum entschloss sich Trump zum Gegenschlag?

Die USA sehen es als Erwiesen an, dass Syrien verbotene Chemiewaffen einsetzte. Damit verstößt das Land gegen seine Verpflichtungen gemäß der Chemiewaffenkonvention. Zugleich habe es alle Aufrufe des UN-Sicherheitsrates ignoriert.

"Es liegt im entscheidenden nationalen Sicherheitsinteresse der USA, die Verbreitung und den Einsatz tödlicher Chemiewaffen zu verhindern und davon abzuschrecken", erklärte Trump den Angriff. Alle früheren Versuchen, das Verhalten Assads zu ändern, seien gescheitert.

Von dem nun ins Visier genommenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen der Angriff mit Giftgas auf Chan Scheichun ausgegangen, erklärte Trump. Bereits am Mittwoch hatte er Assad gedroht und bereits militärische Schritte angedeutet.

Mehr zum Thema: Auch Donald Trump hat mal Recht: Der Raketenagriff auf Syrien war längst überfällig

Fazit

Die Lage in Syrien ist sehr kompliziert, die Mittel der USA und ihrer Verbündeten sind allerdings begrenzt. Das zeigt die eher symbolische und punktuelle Attacke von Trump.

Denn Washington kann kaum militärisch gegen Assad vorgehen, ohne sich damit unmittelbar gegen Moskau zu stellen, das wie der Iran die syrische Regierung unterstützt.

Wohl auch wegen der bereits weitgehend ausgeschöpften militärischen Optionen forderte Frankreichs Präsident François Hollande Sanktionen gegen die Assad-Regierung.

Auch CDU-Außenexperte Norbert Röttgen brachte gegenüber der Huffington Post, neue Wirtschaftssanktionen als Instrument ins Spiel - sowohl gegen Syrien als auch gegen Russland.

(Mit Material der dpa)

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen