"Eine Ohrfeige für Putin": Trump hat dem russischen Präsidenten in seiner Sprache geantwortet

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PUTIN
dpa
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  • Der US-Luftschlag in Syrien ist eine schwere Niederlage für Putin
  • Trump zeigt Moskau mit Aktion seine Grenzen auf
  • Der Kreml-Chef steht nun vor einem Drahtseilakt

Alles hatte so schön begonnen. Im US-Wahlkampf lobten Moskaus gesteuerte Medien den Kandidaten Donald Trump in den Himmel; sah man das Kreml-Fernsehen, glaubte man an den Start in eine neue Ära, sollte der Milliardär ins Weiße Haus einziehen.

Die Abkühlung begann rasch.

Schon direkt nach dem überraschenden Wahlsieg Trumps reagierte Moskau auffällig nüchtern – offenbar hatte man mit einem Erfolg des eigenen Favoriten nicht so recht gerechnet. Wenig später fuhren die russischen Medien, die bis auf wenige Ausnahmen stramm an der Linie des Kremls liegen, sogar schon erste Breitseiten gegen Trump – ohne ihn aber als Inkarnation des Bösen darzustellen wie zuvor Obama.

Trump hat getan, was sein Vorgänger nie wagte

Und jetzt das!

Mit seinem Luftschlag gegen Moskaus Verbündeten Assad hat Trump getan, was sein Vorgänger nie wagte: Er reagierte auf das Überschreiten einer roten Linie mit einer Militäraktion. Der Vergeltungsschlag für den Giftgaseinsatz durch Assads Truppen gegen Zivilisten ist genau die Art von Handeln, die Putin nach eigenem Bekunden versteht: Das Zeigen von Stärke.

Machte man sich im Kreml bis vor kurzem noch lustig, die Staatsmänner im Westen seien „Impotente“, so dürfte dieser Humor Putin und seinen Apparatschiks spätestens heute vergangen sein.

Trump hat ihnen in ihrer Sprache geantwortet – mit Gewalt.

Putin fühlt sich in Syrien als Hausherr

Für den Kreml-Chef ist das eine Ohrfeige, ja Demütigung – nicht zuletzt, weil auf dem bombardierten Flughafen auch Russen ihren Dienst taten. Lange hat er die Supermacht USA regelrecht vorführen können mit seinem massiven militärischen Eingreifen in Syrien.

Putin verdient prächtig an den massiven Waffenverkäufen nach Syrien, fühlte sich dort als heimlicher Hausherr, und als Schutzpatron, der dem Massenmörder im Präsidentenpalast in Damaskus Sicherheit bieten kann. Er ließ das von seinen Medien regelrecht zelebrieren.

Er ging gar so weit, die USA vor einem militärischen Eingreifen zu warnen, ja zu drohen. Seine Generäle ließ er lautstarke Drohungen, verhüllt in Spott, gen Washington verkünden: Sollte sich da jemand in Washington dilettantische Hoffnungen machen auf seine US-Luftwaffe in Syrien, würden ihn russische Luftabwehrraketen auf den Boden der Tatsachen zurückholen, feixte Generalmajor Igor Konaschenkow im Oktober 2016 – noch vor der Wahl Trumps.

Putin steht jetzt als Maulheld da

Jetzt war von diesen Raketen nichts zu sehen und zu hören.

Mit einem Mal wirkt Putins Imponiergehabe nicht mehr beeindruckend. Es wurde schlagartig deutlich, wie die realen Kräfteverhältnisse aussehen: Das russische Militär ist dem amerikanischen haushoch unterlegen, gar nicht zu reden von der chronischen Schwäche der russischen Wirtschaft.

Putin hat sich unter dem schwachen, entscheidungsfaulen Obama zum Scheinriesen auf der internationalen Bühne aufplustern können. Jetzt hat Trump angefangen, den Stöpsel zu ziehen, ihm die Luft abzulassen und ihn auf Normalmaß zurecht zu stutzen.

Er steht jetzt als Maulheld da: Er konnte seinem Verbündeten Assad nicht helfen, musste allem früheren Gebell zum Trotz den Schwanz einziehen. Dass eines der Motive des US-Präsidenten für diese Härte wohl war, den zahlreichen Enthüllungen über die Verbindungen seines Teams nach Moskau etwas die Schärfe zu nehmen, wirkt wie ein Treppenwitz der Zeitgeschichte.

So sehr der Luftschlag Putin schmerzt – er ist auch eine Chance

Das Schweigen Moskaus nach der Attacke war fast gespenstisch lang.

Offenbar musste man sich im Kreml erst mal sortieren Als die Reaktion dann doch kam, fiel sie umso heftiger aus: Es handle sich um eine "Aggression gegen einen souveränen Staat", um einen Bruch des Völkerrechts, so Putin – der parallel mit seinem Veto im Sicherheitsrat eine Resolution verhinderte, die eine Untersuchung der Giftgasangriffe forderte.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Oder sich wundert, dass eine Giftgas-Attacke auf Zivilisten bei Putin und seinen Unterstützern, auch hierzulande, weniger Empörung hervorruft als ein Luftangriff auf einen Militärflughafen.

So sehr der Luftschlag Putin schmerzt – er ist auch eine Chance. Der Westen als Feindbild – das ist der Zement, der das System Putin zusammenhält, aller Korruption, Willkür und Armut zum Trotz. Mit einem Schmusekurs Trumps wäre dieses Feindbild schwerer aufrecht zu erhalten gewesen – oder hätte sich gegen andere Länder richten müssen, etwa Deutschland – was in Ansätzen auch schon zu erkennen war.

Putin muss aufpassen, dass er sich nicht verzockt

Mit dem Bombenschlag kann Trump jetzt wieder in die Rolle schlüpfen für die russischen Medien, die er für viele westliche bereits hat: Der Bösewicht vom Dienst, der Gottseibeiuns der Weltbühne.

Putin steht nun vor einem Drahtseilakt: Sein Image als starker Mann ist ein großer Teil seines Erfolgsrezepts im Kreml. Er wird deshalb eine Reaktion finden müssen, mit der er einerseits vor dem eigenen Publikum die Scharte auswetzen und sich wieder als starker Mann präsentieren kann, der es denn Amerikanern auch unter Trump zeigen kann.

Andererseits weiß er sehr genau um die eigene Schwäche – und hat jetzt in Washington einen Gegenspieler, der im Zweifelsfall, wie wir gerade gesehen haben, auch zurückschlagen kann. Mit Trump am Tisch muss Putin, der Meister des Machtpokers, höllisch aufpassen, dass er mit dem nächsten Bluff nicht überreizt.

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