POLITIK
07/04/2017 09:31 CEST | Aktualisiert 07/04/2017 09:33 CEST

Auch Donald Trump hat mal Recht: Der Raketenagriff auf Syrien war längst überfällig

Carlos Barria / Reuters
Auch Donald Trump hat mal Recht: Der Raketenagriff auf Syrien war längst überfällig

Der Tag ist gekommen: Endlich tut auch Donald Trump etwas prinzipiell Richtiges.

Der Raketenangriff auf einen Militär-Flugplatz in Syrien war ein längst überfälliges Signal an das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, das seit Jahren sämtliche Lehren aus dem 20. Jahrhundert mit Füßen tritt. Wer vor den Augen der Welt unschuldige Zivilisten vergasen lässt, darf damit nicht einfach so davon kommen.

Und dass es so war, daran gibt es kaum ernstzunehmende Zweifel: Allein schon, dass der von Medizinern und internationalen Organisationen bestätigte Gas-Angriff mit Kampfjets ausgeführt wurde, deutet zwingend auf die syrische Luftwaffe hin.

Eigentlich hätte schon US-Präsident Barack Obama gegen Assad aktiv werden müssen. Mit großen Worten hatte er vor vier Jahren eine "rote Linie“ definiert: Der Einsatz von Massenvernichtungswaffen führe zu einer Intervention der USA. Passiert ist nichts. Und so wurde das Massaker von Aleppo erst möglich.

Falscher Pazifismus

In den sozialen Netzwerken ist das Entsetzen unter vielen Deutschen groß. Aber, mal ehrlich: Was ist das für ein Pazifismus, der erst den Tod von vergasten Kindern beweint, dann aber die Zerstörung jener Fliegerbasis beklagt, von der die Gasbomber vermutlich aufgestiegen waren?

Leicht erkennbar ist dahinter eine sehr gefährliche Haltung. Mit Gewalt wollen so manche Deutsche nichts zu tun haben, selbst wenn sie faktisch und jeden Tag geschieht. So ist es uns sehr erfolgreich gelungen, die Kriege im Irak, in Afghanistan und in Syrien jahrelang zu verdrängen. Aber damit ändert sich nichts an den Toten und dem Leid. Und, nebenbei, auch an den Fluchtursachen.

Wir müssen uns den Tatsachen stellen. Auch wenn das manchmal bedeutet, dass wir oder verbündete Nationen dafür selbst Gewalt einsetzen müssen.

Taktisch hat die Trump-Regierung nun vieles richtig gemacht: Der Vergeltungsschlag hatte ein klares Ziel, er war punktuell und außerdem wurde die mit dem Assad-Regime verbündete russische Regierung vorgewarnt. Die russische Luftabwehr löste nicht aus. Auch wenn am Freitagmorgen die Empörung im Kreml groß war.

Hoffentlich hat Trump einen Plan

Wichtig ist, was nun daraus folgt. Die amerikanische TV-Legende, selbst ein erbitterter Gegner von Donald Trump, postete am Freitag einige bemerkenswerte Worte auf Facebook.

„Raketen zu starten ist nicht schwer. Was jedoch darauf folgt, das wird der wahre Test für die Führungsqualitäten sein. Die mörderischen Taten von Syriens Präsident Assad verlangten eine Antwort. Aber es bleibt zu hoffen, dass die militärische Eskalation durch die US-Streitkräfte in einer Region mit heiklen religiösen und geopolitischen Konflikten gut durchdacht war – mit einem Begriff davon, was uns Tag zwei und Tag drei bringen werden, und alle Tage danach.“

Genau das ist das Problem derzeit. Donald Trump mag für den Moment etwas Richtiges getan haben. Ob er es jedoch auch richtig geplant hat, steht auf einem anderen Blatt.

Sollte Trump eine weitergehende Militäraktion planen, muss er die Dinge unbedingt vom Ende her denken. Das ist die Lehre aus dem Irakkrieg im Jahr 2003. Es steht zu befürchten, dass Trump dazu nicht in der Lage ist. Hoffentlich wird er derzeit gut beraten.

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(sk)

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