POLITIK
07/04/2017 15:48 CEST

"Wer hat meinen Präsidenten gestohlen?" - Mit dem Syrien-Angriff vergrätzt Trump seine größten Fans

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"Wer hat meinen Präsidenten gestohlen?" - Mit dem Syrien-Angriff vergrätzt Trump seine größten Fans

  • US-Präsident Trump hat nach dem Giftgasanschlag einen syrischen Flughafen bombardiert

  • Zahlreiche der engsten Unterstützer wenden sich deshalb nun von ihm ab

Mit seinem Einschreiten in Syrien hat Donald Trump eine rote Linie überschritten - die seiner eigenen Fans. Zu Scharen attackieren sie den US-Präsidenten für den Vergeltungsschlag auf einen syrischen Militärflugplatz. Von dort sollen Kampfflugzeuge der syrischen Luftwaffe zum verheerenden Giftgasangriff am Dienstag gestartet sein.

Trumps Angriff auf das syrische Regime bedeutet einen dramatischen Sinneswandel - und das weniger als 100 Tage nach seinem Amtsantritt.

Denn nach einem Chemiewaffenangriff des syrischen Regimes im Jahr 2013 hatte Trump seinen Amtsvorgänger Barack Obama noch aufgefordert, Syrien nicht anzugreifen. Das Land zu bombardieren, würde nur mehr Staatsschulden und jahrelangen militärischen Konflikt bedeuten, erklärte er damals.

Was interessiert Trump die Tweets von gestern

Dass sich Trump nicht sonderlich um zurückliegende Aussagen schert, wurde nun auch seinen Fans deutlich. So wirft ihm Laura Ingraham, Chefredakteurin der konservativen Nachrichtenseite "Lifezette", einen "kompletten Politikwechsel innerhalb von 48 Stunden" vor.

Damit gehörte Ingraham noch zu den gemäßigteren Stimmen. Viele Trump-Anhänger, vor allem aus der Alt-Right-Bewegung, gehen derweil auf die Barrikaden.

So wie Paul Joseph Watson, der öfters für die ultra-rechte und zu Verschwörungstheorien neigende Webseite "Infowars" schreibt. Trumps Vergeltungsschlag würde zeigen, dass auch er eine Puppe des "tiefen Staates" und der Neokonservativen sei. "Ich bin offiziell runter vom Trump-Zug", twitterte Watson.

Auch die britische Kolumnistin Katie Hopkins hatte Trump in der Vergangenheit immer wieder verteidigt, beispielsweise beim Einreiseverbot für Muslime. Nun wendet auch sie sich von ihm ab: "Wer hat meinen Präsidenten gestohlen?", fragt sie.

Auffällig: Hopkins verwendet wie viele (ehemalige) Trump-Fans den Hashtag #Syriahoax. Dahinter steckt die Verschwörungstheorie, dass der Giftgasanschlag auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Chan Scheichun durch einen "tiefen Staat" verübt wurde - ohne dafür Beweise zu liefern.

"Ich hätte niemals gedacht, dass mich der US-Präsident enttäuschen würde. Aber niemand ist immun gegen die Kritik, vor allem wenn die Welt durch Lügen gefährdet wird", schreibt dieser Twitterer.

Eine andere Anhängerin wirft Trump vor, mit dem jüngsten Angriff "seine Anhänger und seine nicht-interventionistische Kampagne verraten" zu haben. Das sei "einfach beschämend".

Insbesondere wird dem US-Präsidenten verübelt, die syrische Armee und nicht die Terrormiliz IS angegriffen zu haben.

Sinnbild für die massenhafte Abkehr ist die Kommentarspalte der rechten US-Nachrichtenseite "Breitbart". Die Webseite liefert den ideologischen Unterbau nicht nur für Trump-Anhänger, sondern auch für die Alt-Right-Bewegung.

Eigentlich wird der Kommentarbereich von glühenden Trump-Unterstützern dominiert, doch diese sind nun ausser sich. "I würde sagen, 90 Prozent von uns haben nicht für das gestimmt", erklärt ein Nutzer. Ein anderer schreibt offen, dass er sich von Trump abgewendet habe - "was für ein Idiot", schimpft er.

Immerhin: Republikanische Politiker reagierten ekstatisch. Und auch der parteinahe TV-Sender FoxNews hat bisher nicht offen den Angriff kritisiert.

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(poc)

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