Russland hat ein Foto von Putin verboten - jetzt wird es im Internet verbreitet

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  • Ein Bild des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist nun in Russland verboten worden, weil es den Staatschef als Homosexuellen zeige
  • Im Internet teilen seitdem viele Nutzer das Bild

Er blickt melancholisch drein. Eine Schicht Mascara bedeckt seine Wimpern, die Lider sind blau geschminkt, die Lippen leuchten kaminrot und im Hintergrund sind die Farben des Regenbogens zu sehen.

Dieses Bild des russischen Präsidenten Wladimir Putin stellt einen Affront für sein Regime und dessen "traditionelle" Werten dar. Die an Andy Warhol angelehnte Fotomontage wird vor allem von der russischen lesbisch-schwulen Gemeinschaft verwendet. Doch auch weltweit verwendeten LGBT-Aktivisten das Portrait, um sich mit verfolgten Schwulen und Lesben in Russland solidarisch zu zeigen.

Allerdings hat es nun das russische Justizministerium verboten.

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Quelle: A.V. Tsvetkov

Die Behörde fügte das Bild einer langen Liste von Materialien hinzu, die als "extremistisch gelten". Genau 4074 sind das mittlerweile. Die Liste geht zurück auf ein Urteil vom Mai 2016.

Das Gericht begründete die aktuelle Entscheidung damit, das Bild des geschminkten Putins "deutet auf eine nicht normgerechte sexuelle Orientierung des russischen Präsidenten hin", wie die russische Tageszeitung "Moscow Times" berichtet.

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Zwei Demonstranten auf einer Demonstration gegen Homophobie in Russland in Berlin im August 2013

"Teilt das Bild nicht"

Seit der Verkündung des Verbots teilen viele Menschen das Bild in den sozialen Netzwerken. "Der russische Staat betrachtet Bilder wie dieses als 'Internet-Extremismus', weil es unterstelle, Putin sei homosexuell (Schock). Also teilt sie nicht.", schreibt ein Twitter-Nutzer unter das Bild.

Ein weiterer Nutzer teilt einen Artikel der US-Tageszeitung "Washington Post " mit dem Titel "Es ist jetzt in Russland verboten, dieses Bild von Putin als schwulen Clown zu teilen" und schreibt dazu: "Also teilen wir es und vergessen auch nicht den Kreml zu adressieren."

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Homosexuelle werden in Russland unterdrückt

Das Bild geht zurück auf den Russen A.V. Tsvetkov. Zwischen Juni 2013 und Oktober 2014 hat er es und dutzende ähnliche Kreationen über das in Russland populäre soziale Netzwerk VKontakte verbreitet. Wie die "Washington Post" berichtet, sei Tsvetkov verurteilt und in eine psychiatrische Einrichtung gebracht worden.

Das Bild des geschminkten Putins ist seit 2013 beliebt und verbreitet. Damals hatte ein Gesetz verboten, "Propaganda für nicht traditionelle sexuelle Beziehungen vor Minderjährigen" zu betreiben. Die Bildmontage wurde zum Symbol gegen die Unterdrückung von Homosexuellen in Russland.

Ein Großteil der russischen Bevölkerung betrachtet Homosexualität als Krankheit oder als schlechte Angewohnheit.

Zuletzt berichteten Medien, dass in der autonomen Republik Tschetschenien im Süden Russlands Jagd auf Homosexuelle gemacht wird. Über 100 Menschen seien bisher verschleppt, etliche gefoltert und drei getötet worden.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Huffington Post Frankreich und wurde von Leonhard Landes ins Deutsche übersetzt.

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(mf)