Die russische Charm-Offensive: Russland gewinnt in Nordafrika an Einfluss - das könnte für Europa gefährlich werden

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PUTIN AFRICA
Die russische Charm-Offensive: Russland gewinnt in Nordafrika an Einfluss - das könnte Europas gefährlich werden | AFP via Getty Images
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  • Russland bemüht sich verstärkt um gute Beziehungen zu den Ländern Nordafrikas
  • Dabei geht es um wirtschaftlichen, aber auch militärischen Einfluss auf die Region
  • Ein Land könnte dabei zum strategischen Mittel Russlands gegen Europa werden

Der russische Präsident Wladimir Putin ist zurück auf der politischen Weltbühne. Noch vor zwei Jahren schien sein Land international isoliert.

Vor allem im Nahen Osten ist Russland nun zum Schlüsselspieler avanciert, seit Putin den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt.

Eher unbemerkt hat der russische Präsident allerdings noch in einer weiteren Region den Einfluss seines Landes ausgeweitet: in Nordafrika.

Das russische Engagement in der Region ging in den Medien in den vergangenen Monaten unter. Die Frage, ob Russland die US-Wahl beeinflusst hatte, beherrschte die Schlagzeilen.

Dabei traf sich Putin mit Staatschefs von Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko - und hat einige strategisch wichtige Bündnisse geschaffen. Das US-Magazin “Foreign Affairs” spricht gar von einer stillen “Charme-Offensive” in Nordafrika.

In Ägypten bot sich eine Chance für Putin

Ägypten ist etwa ein strategisch wichtiger Partner für die USA. Außer Israel erhält kein Land mehr amerikanische Militärhilfe. Aber die Beziehung beider Länder kühlte in den vergangenen Jahren ab.

Der aktuelle Staatschef Fattah al-Sisi putschte 2013 gegen die erste demokratisch gewählte Regierung Ägyptens. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama ging daraufhin auf Abstand. Eine Chance für Putin.

Tatsächlich soll Russland etwa helfen, ein ägyptisches Atomkraftwerk zu betreiben. Beide Länder stünden kurz vor einer Einigung, berichtete kürzlich die ägyptische Zeitung “Daily News Egypt”.

Außerdem will Russland Helikopter und Flugzeuge an Ägypten liefern - es sei der größte Deal beider Länder seit ihrer Allianz im Kalten Krieg, berichtet “Foreign Affairs”.

Russische Touristen in Tunesien

Auch Algerien ist ein Abnehmer von russischen Rüstungsexporten. Mit Marokko hat Moskau eine “Deep Strategic Partnership” verkündet, also eine tiefe strategische Partnerschaft. Dabei geht es vor allem um eine gemeinsame Linie im Kampf gegen den Terror. In Tunesien habe sich die Zahl der russischen Touristen verzehnfacht, schreibt “Foreign Affairs”.

In allen fünf Ländern Nordafrikas am Mittelmeer hat Russland also wirtschaftliche oder auch militärische Interessen. Wichtigstes Ziel der russischen Bemühungen dürfte allerdings Libyen sein.

Russische Truppen sind offenbar in Libyen

Mehrere Milizen kämpfen in dem Bürgerkriegsland um die Macht, unter anderem auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Russland hat zuletzt unter anderem den libyschen General Chalifa Haftar unterstützt. Er soll Russland in einem Vertrag erlaubt haben, mit Truppen in Libyen operieren zu können.

Was sie offenbar bereits tun. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert den US-Marines-General Thomas Waldhauser laut dem russische Truppen in der Region sind. “Sie sind vor Ort, sie versuchen das Geschehen zu beeinflussen. Wir sehen das mit großer Besorgnis”, sagte Waldhauser.

Mehr zum Thema: Plant Erdogan eine neue Allianz mit dem Osten? Sein Treffen mit Putin könnte weitreichende Folgen haben

Libyen könnte Russland als Druckmittel dienen

Was bezweckt Russland damit? Zum einen könnte es Moskau auf die Ölvorkommen in Libyen abgesehen haben. Das Land sitzt auf den größten Ölvorkommen Afrikas.

Zum anderen könnte das Land eine wichtige Rolle bei einer künftigen Flüchtlingskrise spielen. Seit der Schließung der Balkanroute hat die Überfahrt von Libyen nach Italien als Weg für Flüchtlinge wieder an Bedeutung gewonnen.

Wie viele Flüchtlinge dieses Jahr kommen könnten, kann niemand genau einschätzen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini befürchtet in einem Bericht von "politico.eu" zufolge, dass sich mehr als 450.000 von dem Bürgerkriegsland aus auf den Weg machen könnten.

“Mit seinen immer engeren Verbindungen zu Libyen könnte Moskau die Massenimmigration als Druckmittel gegen Europa einsetzen”, schreibt “Foreign Affairs” dazu. Wie also die Türkei mit der Aufkündigung des Flüchtlingsdeals droht, so könnte bald Moskau damit drohen, Flüchtlinge nicht mehr in Libyen zu halten - sollte der Einfluss Russlands so weit wachsen.

Nicht umsonst bemüht sich auch Europa um eine Lösung für dieses Problem. Zuletzt reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Tunesien, um eine Zusammenarbeit bei der Flüchtlingsfrage voranzubringen.

Das Bemühen Moskaus um die Region zeigt: Nicht nur in Syrien werden sich der Westen und Russland gegenüber stehen. Auch in den Ländern der Mittelmeerküste Afrikas, die oft wenig im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, wird es zu einem Ringen um Einfluss kommen.

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(poc)