Mit diesem Foto prangert ein Rettungsassistent eines der größten Probleme in deutschen Krankenhäusern an

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(Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben)

Wer in Deutschland einen Termin beim Facharzt will, braucht vor allem eines: Geduld.

Für Patienten, die dringend auf eine Diagnose und entsprechende Behandlung angewiesen sind, stellen die teils immens langen Wartezeiten ein echtes Problem dar.

Also greifen viele Kranke - auch bei nicht lebensbedrohlichen Leiden - zu dem in ihren Augen letztem Mittel: einem Besuch in der Notaufnahme.

Ein Rettungsassistent aus Baden-Württemberg rechnet jetzt mit genau jenen Patienten ab, die ins Krankenhaus kommen und denken, ihre Wehwehchen seien wichtiger als ein echter Notfall.

"Ich würde gerne manchem dieses Bild zeigen"

In einem Facebook-Beitrag macht er seinem Ärger über die Ignoranz mancher Patienten Luft. "Wenn mich mal wieder ein wartender Patient vor der Notaufnahme fragt, warum er hier seit zwei Stunden warten muss (10 min) (und ja das wird man gefragt, auch wenn man vom Rettungsdienst ist und nicht vom Krankenhaus.) WÜRDE ich gerne manchem dieses Bild zeigen", schreibt Rettungsassistent Kay Müller aus Esslingen.

Mit einem blutigen Bild aus einem OP-Saal verleiht er seinen Worten noch mehr Gewicht:

"Die Faulheit der Menschen ist so erschreckend"

"Ich bin sicher, er hat Verständnis, dass sein eingerissener Zehennagel oder Schnupfen noch weitere 3 Stunden warten kann" (sic), schreibt Müller weiter - und bezieht sich damit auf alle Krankenhaus-Besucher, die ihre Wehwehchen wie einen eingerissenen Zehennagel als wichtiger erachten als echte Notfälle - und dem Klinikpersonal mit ständigen Nachfragen Ärger bereiten.

Zum Abschluss seines Beitrages weist er auf die Funktion eines Schockraums hin, wie er auf dem Bild gezeigt ist: "Das liebe Leute ist die Aufgabe einer Notaufnahme (Schockraum) nicht Euer seit 2 Tagen anhaltender verkackter Schnupfen, den schon längst der Hausarzt therapieren können."

Er endet mit den Worten: "Sorry für die Wortwahl aber die Faulheit und die fehlende Selbstständigkeit der Menschen ist so erschreckend, dass ich mich frage, wie finden solche Menschen die nächste Notaufnahme aber nicht den Weg zum eigenen Hausarzt." (sic)

"Habe die Schnauze voll"

Unter Müllers Beitrag meldet sich eine Pflegekraft zu Wort, die sich mit dem Rettungsassistenten solidarisiert. Sie hat nach 16 Jahren in ihrem Beruf "die Schnauze voll":

Harte Worte.

Mit denen nicht jeder einverstanden ist. Unter Müllers Beitrag tobt mittlerweile eine regelrechte Meinungsschlacht.

Nutzerin Manuela schildert ihre ganz eigene Erfahrung, die sie in einer deutschen Notaufnahme machen musste. Die Frau kritisiert das Klinikpersonal und behauptet, ihr sei nicht geholfen worden:

Auch Nutzerin Brit lässt kein gutes Haar an der Priorisierung mancher Klinikmitarbeiter - sie musste mit ihrem Baby in die Notaufnahme und laut eigenen Worten drei Stunden im Wartezimmer verbringen:

Der vielleicht beste Kommentar kommt von einer Nutzerin namens Nicole. Sie warnt davor, Menschen einfach so an den Pranger zu stellen - ohne ihre medizinische Vorgeschichte zu kennen:

Das blutige Bild, das Müller zu seinem Appell teilte, übernahm er von der Facebook-Seite "Meddy Bear". Der Betreiber der Seite erklärte gegenüber der Huffington Post, dass das Foto in Israel aufgenommen wurde.

"Leider kein Einzelfall"

Die deutsche Politik ist sich der Problematik offenbar bewusst. "Überlange Wartezeiten sind leider kein Einzelfall“, sagte der damalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bereits 2014 der "FAS". Er wollte damals so schnell wie möglich ein patientenfreundliches Gesetz einführen.

Tatsächlich ist besagtes Reformgesetz 2016 in Kraft getreten. Um lange Wartezeiten bei Fachärzten auszuschließen, haben die Kassenärztlichen Vereinigungen eine Service-Hotline eingerichtet. Sie vergibt die Termine und soll verhindern, dass Patienten länger als vier Wochen auf einen der begehrten Termine warten müssen.

Patienten werden zur Kasse gebeten

Bald dürften die Notaufnahmen jedenfalls nicht mehr so drastisch überfüllt sein. Dafür soll die sogenannte Abklärungspauschale, die seit dem 1. April gilt, sorgen.

Teil der Pauschale ist es, dass Ärzte in Kliniken einschätzen sollen, ob ein Patient die Notfallbehandlung braucht - oder ob eine ambulante Hilfe ausreicht. Für den Kurz-Check werden die Patienten dann an die Kasse gebeten. Die Pauschale beträgt 4,74 Euro am Tag und 8,42 Euro in der Nacht.

Ziel soll sein, dass der Patient genauer darüber nachdenkt, ob sich der Schritt in die Notaufnahme auch für ihn lohnt. Oder ob er nicht lieber doch den Hausarzt aufsucht - sofern dessen Praxis dann noch geöffnet hat.

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(lk)