Anwalt verknurrt Dunkin'-Donuts zu Gratis-Muffins - und zum Butterstreichen

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MUFFIN
Mit Butter schmecken die Muffins gleich noch besser. | John Gress / Reuters
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  • Ein Butter-Fan verklagt Dunkin'-Donuts
  • Ein Gericht zwingt Dunkin'-Donuts dazu, kostenlose Backwaren abzugeben
  • Für seine Klagelust soll der Butter-Fan belohnt werden

Irgendwann hatte Jan Polanik die Schnauze gestrichen voll. Vier Jahre lang habe man ihm bei Dunkin' Donuts trotz ausdrücklicher Forderung nach echter Butter "Margarine oder Butter-Ersatz" zu seinen Bagels verkauft. Im März reichte es dem Butter-Fan.

Er verklagte kurzerhand mehr als 20 Filialen der US-Fast-Food-Kette. Mit Erfolg: Bereits nach kurzen Verhandlungen mit Franchise-Partnern von Dunkin' Donuts wurde laut Polaniks Anwalt ein Vergleich zur Beilegung des Rechtsstreits vereinbart.

Der Kompromiss, der noch vom zuständigen Richter genehmigt werden muss, sieht eine fettige Entschädigung vor: Die 23 betroffenen Schnellrestaurants im US-Bundesstaat Massachusetts müssen als Wiedergutmachung jeweils bis zu drei gebutterte Muffins, Bagels oder andere Backwaren kostenlos an bis zu 1400 Kunden ausreichen, die zwischen Juni 2012 und Juni 2016 in den Filialen gespeist haben.

Harte Dollar und weiche Bagels als Entschädigung

Polanik, der gleich zwei Sammelklagen gegen Franchisenehmer eingereicht hatte, soll zudem 500 Dollar Belohnung erhalten.

Damit es nicht wieder zum Fauxpas kommt, ist in den Gerichtsdokumenten klar geregelt: Ein Jahr lang muss in den Restaurants ausschließlich echte Butter verwendet werden. Sollte danach wieder Ersatz eingesetzt werden, so müsste dies explizit in der Karte ausgewiesen werden.

Polaniks Anwalt will zwar nicht, dass die Sache zu hoch gehängt wird. Belanglos sei sie aber auch nicht. Es gehe zwar nur um Aufstrich im Wert von 25 Cent pro Portion, man habe bei der Klage gezögert.

Anwalt kämpft gegen Etikettenschwindel

Doch der Fall sei keine Albernheit, Etikettenschwindel müsse verhindert werden.

In der Anklageschrift ist zudem der Vorwurf der "unrechtmäßigen Bereicherung" aufgeführt. Was seinem Klienten letztlich serviert wurde, weiß der Anwalt Shapiro auch nicht. In einem Fall sei ein Bottich mit einer bekannten Billig-Aufstrichmarke gesichtet worden.

Bei Dunkin' Donuts gibt man sich auf Nachfrage wortkarg. In einem Statement erklärt der Konzern lediglich, mit dem Rechtsstreit vertraut zu sein.

Plfanzen-Aufstrich und Butter-Päckchen seien vorhanden

Zur hausinternen Butter-Politik heißt es: Die Mehrheit der Dunkin'-Donuts-Restaurants in Massachusetts führten sowohl individuelle Butter-Päckchen als auch einen Ersatzaufstrich auf pflanzlicher Basis.

Beim Thema Lebensmittel sind abstruse Sammelklagen in den USA keine Ausnahme. Das klagefreundliche Rechtssystem, in dem es bei Verbraucherklagen nur selten zum Prozess und häufig zu attraktiven Vergleichen kommt, stachelt die Anwälte zur Kreativität an.

Für Unternehmen kann es dadurch rasch unangenehm werden. Im vergangenen Sommer etwa sorgte ein Rechtsstreit um einen Eiskaffee der US-Kette Starbucks für Aufsehen, in dem angeblich viel zu wenig Kaffee und viel zu viel Eis enthalten war. Den Richter überzeugten die Argumente der Klägerin allerdings nicht - er wies die Klage ab.

Klagefreudige Amerikaner

Andere bizarre Fälle verliefen aus Klägersicht aber durchaus erfolgreich: So akzeptierte die Sandwich-Kette Subway 2016 einen Vergleich, nachdem Kunden geklagt hatten, die beliebten Footlong-Sandwiches seien in Wirklichkeit gar nicht einen Fuß (30,5 Zentimeter) lang.

Legendär ist auch die Klage einer Frau, die bei McDonald's heißen Kaffee bestellte, sich wegen eines (so der Vorwurf) losen Deckels verbrühte und klagte: Der heiße Kaffee, er sei zu heiß gewesen. Letztlich sind die rechtlichen Skurrilitäten vor allem für eine Gruppe lukrativ: Die Klägeranwälte.

So würde der Anwalt Shapiro beim "Fake Butter"-Vergleich 90.000 Dollar einstreichen. Bei der Subway-Klage wurden den Anwälten sogar über 500.000 Dollar zugesprochen.