Der Deutsche an Trumps Seite: Peter Thiel ist zu einem der mächtigsten Berater des US-Präsidenten geworden

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PETER THIEL
Donald Trump und Peter Thiel | Bloomberg via Getty Images
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Peter Thiel ist ein Außenseiter. Aus Prinzip.

Die Welt, so wie sie ist, gefällt ihm nicht. Er will die Demokratie abschaffen und am besten den Staat dahinter gleich mit.

Thiel, der in Frankfurt am Main geboren wurde, ist einer der reichsten Männer der USA. Er gründete den Bezahldienst Paypal und investierte schon früh in Facebook.

Und er ist in den vergangenen Monaten zu einem der einflussreichsten Berater von US-Präsident Donald Trump aufgestiegen.

Wer verstehen will, was hinter den Kulissen des Weißen Hauses passiert, muss sich mit Thiel beschäftigen. Und wer dies tut, erkennt: Thiel ist einer der radikalsten Denker, die sich um den US-Präsidenten geschart haben - das könnte Folgen für das Leben von Millionen Bürgern in den USA haben.

Der American Dream auf Speed

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Um seine Ideen in Trumps Administration zu verwirklichen, hat Thiel seine Vertrauten wie ein Schachspieler seine Figuren auf entscheidenden Positionen in der Regierung verteilt.

Sein Ziel: Eine völlig unregulierten Kapitalismus zu etablieren, in dem Unternehmen ihren Geschäften nachgehen können, ohne Einfluss der Politik. Den technischen Fortschritt sollen keine Gesetze und kein Parlament mehr aufhalten können.

Konkret beschrieben hat Thiel seine Ziele bisher nicht. Aber wer Interviews und Auftritte des Mannes verfolgt, bekommt eine Ahnung von der Welt, die sich der Tech-Milliardär wünscht: Eine Privatisierung von Straßen, Bahnen und dem öffentlichen Nahverkehr. Keine Preisregulierung mehr im Krankensystem. Keine öffentliche Polizei mehr, sondern privat finanzierte Sicherheitsdienste. Keine Krankenversorgung für die, die sie sich nicht leisten können. Medikamente sollen ohne vorherige Tests freigegeben werden.

Thiel predigt radikale Eigenverantwortung. Es ist der American Dream auf Speed.

Thiel war schon immer aus Prinzip dagegen

Thiel war schon immer ein Querdenker, ein konträrer Geist. Einer, der irritiert ist, wenn es zu viel Konsens gibt.

Diese Denken ließ ihn wohl als erstes technische Trends erkennen: So wurde er durch Paypal reich und durch das Facebook-Investment zum Milliardär - es machte ihn aber auch zu einem politischen Außenseiter.

Seine radikale Weltsicht zeigte Thiel, der schon in der Schule als Mathe- und Technikgenie auffiel und später Schachturniere spielte, in einem Essay für die libertäre Denkfabrik Cato Institute.

Frauenwahlrecht hat den Kapitalismus zerstört

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Dort schrieb er 2009: "Ich glaube nicht länger, dass sich Freiheit und Demokratie vereinbaren lassen.” Sich selbst bezeichnet er als “politischen Atheisten" - jemanden, der nicht an die Politik glaubt.

Schon lange sei der Kapitalismus wegen "der enormen Zunahme von Sozialhilfeempfängern und der Ausweitung des Wahlrechts auf Frauen" nicht mehr mehrheitsfähig, schreibt Thiel.

Denn Frauen würden immer in ihrer Mehrheit für einen größeren Sozialstaat stimmen, weniger für kapitalistische Ideen. Aber ein starker Sozialstaat, so glaubt Thiel, schränkt die Freiheit der Unternehmen ein. Und bremst damit auch den Fortschritt.

Der Fall “Gawker” zeigt Thiels Besessenheit

Normalerweise fristen Menschen wie Thiel, die Politik und Staat ablehnen, ein Dasein jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit - und sie kommen nie dazu, großen Einfluss in der Politik zu haben.

Bei Thiel, der neben der US-amerikanischen und deutschen seit neuestem auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft hat, ist das anders.

Der 49-Jährige hat nicht nur sehr eigenwillige Vorstellungen, wie eine Gesellschaft zu funktionieren hat. Thiel agiert nahezu besessen, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat.

Das zeigt exemplarisch der Fall des US-Klatschblogs “Gawker”, das durch Thiel in den Bankrott getrieben wurde.

Gawker hatte Thiel 2007 als schwul geoutet. Seine Rache war ihm Millionen wert. Er beschäftigte ein eigenes Anwaltsteam, das nur darauf angesetzt war, Gawker zu verklagen, wo es nur ging.

Thiel schlägt zu, wenn er kann

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Eine der zahlreichen Klagen wurde Gawker dann zum Verhängnis: Der Blog hatte ein Sexvideo vom ehemaligen Wrestling-Star Hulk Hogan veröffentlicht. Hogan verklagte Gawker, die Anwaltskosten von zehn Millionen Dollar übernahm Thiel. Gawker wurde zu 115 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt und war bankrott.

Der Fall zeigt: Thiel verfolgt seine Ziele beharrlich über lange Zeit - wenn sich dann die Chance ergibt zuzuschlagen, tut er es. So war es mit seinen erfolgreichen Investitionen, so ist es jetzt auch in der Politik.

Thiels Vertraute sitzen in wichtigen Positionen der Trump-Regierung

In der Öffentlichkeit sieht kaum jemand, was Thiel im Hintergrund der Trump-Administration treibt.

In der Übergangszeit, zwischen der Wahl Trumps und der Vereidigung, saß Thiel mit einem Team von sechs Leuten im Trump Tower und sorgte dafür, dass er Vertraute - vor allem ehemalige Mitarbeiter - mit wichtigen Positionen in der Trump-Administration versorgte.

Inzwischen sitzen Thiels Männer in Positionen vom Handelsministerium über das Pentagon bis zum Weißen Haus.

Zum Beispiel Kevin Harrington. Er ist einer der engsten Vertrauten Thiels und Chef einer seiner Hedgefonds. Harrington soll sich in Thiels Auftrag außerdem darum kümmern, dass das Wirtschaftsministerium mit den richtigen Personen besetzt wird.

Oder David Gelernter, der neue Wissenschaftsberater des Präsidenten: der Tech-Pionier und Yale-Professor ist ein enger Freund Thiels. Den früheren Paypal-Vizepräsidenten Mark Woolway lässt Thiel wiederum bei der Postenvergabe im Finanzministerium mitentscheiden.

Und Jim O’Neill, Manager einer seiner Investment-Unternehmen, ist jetzt im Gespräch, die Leitung der FDA, der Food and Drug Administration, zu übernehmen. Die FDA ist die Behörde, die in den USA für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassungen verantwortlich ist.

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Wenn er künftig die Behörde kontrolliert, könnte Thiel seinem Ziel, die Medikamentenzulassung von einem Großteil der Beschränkungen zu befreien, näher kommen.

Und das will er auch zu seinem eigenen Vorteil nutzen: Denn Thiel will sich später einmal einfrieren lassen. Wenn es wissenschaftlich möglich ist, will er sich wieder auftauen lassen - und dann ewig leben.

Einen Grund, warum das nicht möglich ist, sieht Thiel darin, dass die FDA zu restriktiv mit der Zulassung von Medikamenten ist - und damit den wissenschaftlichen Fortschritt bremst.

Die Trump Regierung sieht Thiel nach eigener Aussage "als politisches Startup".

Auch hier soll sich seine Investition lohnen.

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(mf)