Warum Roboter-Autos unsere Straßen schon viel früher erobern könnten, als wir denken - 5 Fakten

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Warum Roboter-Autos unsere Straßen schon viel früher erobern könnten, als wir denken - 5 Fakten | Getty/dpa/HuffPost
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Daimler-Chef Dieter Zetsche ist ein großer Fan von Roboter-Autos. “Ich würde meine 94-jährige Mutter in ein selbstfahrendes Auto setzen”, sagte er im Dezember der “Bild”-Zeitung.

Am Dienstag gab Daimler bekannt, mit Bosch schon in fünf Jahren fahrerlose Roboter-Taxis auf deutsche Straßen bringen zu wollen.

Die beiden Unternehmen sind nicht die einzigen, die auf die neue Technologie setzen. Weltweit basteln sowohl Tech-Firmen wie Google als auch klassische Autobauer wie Volvo an den Autos der Zukunft.

Einzelne Bestandteile der Technologie sind schon heute in Serienwagen verbaut - etwa die Spurhalteautomatik. Die ersten Roboter-Autos fahren sogar schon auf unseren Straßen. Sie könnten unseren Verkehr weit früher revolutionieren, als wir denken.

1. Welche Roboter-Autos gibt es schon?

Fast alle Autobauer der Welt tüfteln an der Technologie, auch Tech-Firmen machen Versuche. Einige Beispiele:

  • 2014 versuchte sich Google selbst als Autobauer und stellte das eiförmige Google Car vor. Ohne Pedale und Steuer, maximal 40 Stundenkilometer schnell. Seit 2015 fährt es autonom auf den Straßen um Googles Konzernzentrale im kalifornischen Mountain View.
  • In den USA prüft Ford gemeinsam mit dem Taxidienst Uber selbstfahrende Taxis in Pittsburgh.

self driving bmw

  • Daimler experimentiert in den USA mit selbstfahrenden Lkws.
  • Einige Mercedes fahren mit ihrem "Stauassistenten" auf Autobahnen selbstständig, allerdings nur bis zu 60 Kilometer pro Stunde und ohne Spurwechsel.
  • Anders Teslas Model S: Das kann seit Oktober 2016 auf Autobahnen auch in voller Geschwindigkeit fahren und dabei automatisch die Spur wechseln. Dubai, wo bis 2030 ein Viertel des Verkehrt automatisiert fahren soll, hat gerade 200 autonome Elektroautos von Tesla bestellt.

2. Wie funktioniert die Technologie?

self driving car

Selbstfahrende Autos erhalten Daten über die Umgebung über Sensoren wie Laser, Radar oder Videokameras. Computer im Wagen verarbeiten diese Signale anhand von selbstlernenden Algorithmen und steuern so etwa die Lenkung.

Je nach Grad der Automatisierung gibt es dann noch Lenkrad und Pedale, über die ein Mensch eingreifen kann – oder das Auto lässt sich ausschließlich per Computer steuern.

3. Was bringen autonome Autos?

  • Experten gehen davon aus, dass durch autonomes Fahren bis zu 90 Prozent aller Verkehrsunfälle verhindert werden könnten. Die Zahl der Verkehrstoten ließe sich auf bis zu Null reduzieren, heißt es von der Unternehmensberatung Ernst & Young.
  • Die autonom fahrenden Wagen halten sich anders als viele menschliche Fahrer an Verkehrsregeln, sie trinken keinen Alkohol, sind nicht müde, telefonieren nicht nebenbei mit der Freundin und werden nicht vom schreienden Baby abgelenkt.
  • Außerdem zeigen Fahrassistenzsysteme schon jetzt, dass Sensoren Gefahren früh erkennen können. So bleibt Zeit, darauf zu reagieren.

auto

  • Wenn autonome Fahrzeuge nicht als Privatautos sondern als Busse oder Taxis durch die Städte rollen, bräuchte man 20 Prozent weniger Autos als heute, schätzt Daniel Göhring von der FU Berlin. Das würde die Umwelt schonen und Platz in den Städten schaffen.
  • Roboter-Taxis und Busse könnten außerdem mit Strom statt Benzin oder Diesel fahren. Laut einer Studie der Lawrence Berkeley National Laboratory würde ein autonomes und elektrisches Robotertaxi im Jahr 2030 etwa 90 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als ein heutiges Auto mit Verbrennungsmotor.

Mehr zum Thema: So viel Geld könnten uns selbstfahrende Autos in Zukunft sparen

4. Was ist das Problem?


self driving car

  • Die Technik: Die Hersteller versprechen, dass die Technologie schon jetzt verkehrstüchtig ist. Fehlerlos ist sie nicht, kann sie nicht sein: Im Mai 2016 starb ein Tesla-Fahrer, weil sein Wagen gegen einen Sattelzug krachte. Das Auto hatte den Sattelaufleger wohl mit einem hoch hängenden Straßenschild verwechselt.
  • Das Recht: Im März hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, das den Einsatz von Autos erlaubt, die selbstständig fahren. Aber es muss immer ein Fahrer darin sitzen, der zur Not eingreifen kann. Ein autonomes Fahrzeug nur mit Passagieren ist also weiter verboten.
  • Die Ethik: Wenn ein Crash unvermeidbar ist, fährt das Auto dann in ein Ehepaar oder die Kindergartengruppe? Weicht es Passanten aus und riskiert dafür, seinen Fahrer beim Crash in eine Mauer zu töten? Laut Bundesverfassungsgericht können Menschenleben nicht gegeneinander aufgewogen werden. Genau das aber müssten die Programmierer der Autos wohl tun.

5. Wer hat's eigentlich erfunden?

Die ersten Tests mit selbstfahrenden Autos hat kein cooler Tech-Gigant durchgeführt - sondern die Bundeswehr. Schon in den 90er-Jahren ließ die Münchner Universität Fahrzeuge der Armee ohne Fahrer über die Autobahn rollen.

Fazit

Wie bald Roboterautos wirklich durch unsere Städte fahren, lässt sich schwer sagen. Die Hersteller müssen beweisen, wie sicher die Fahrzeuge sind. Nur dann wird der Gesetzgeber nachziehen und komplett autonome Autos auf deutschen Straßen erlauben. Dafür gilt auch, die ethischen Probleme zu klären - oder zumindest auf einen Nenner zu kommen.

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(sk/mf)