Der Schattenpräsident wird abgesetzt: Trump-Berater Stephen Bannon fliegt aus US-Sicherheitsrat

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Stephen Bannon gilt als wichtigster Berater von Donald Trump. | NICHOLAS KAMM via Getty Images
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  • Stephen Bannon ist nicht länger Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats der USA
  • Donald Trump berief ihn von seinem Posten ab
  • Die Degradierung könnte ein Signal dafür sein, dass Trump von Bannons polarisierendem Politikstil abrücken will

Der umstrittene Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Bannon, gehört nicht mehr dem Nationalen Sicherheitsrat der USA an. Trump habe das Gremium umorganisiert und Bannon abgezogen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf eine mit der Sache vertrauten Person.

Der Nationale Sicherheitsrat der USA berät den US-Präsidenten in wichtigen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. In einem Aufsehen erregenden Schritt hatte Trump Ende Januar seinen Chefstrategen Bannon in das "Principals Committee", eine Unterabteilung des Rates, berufen.

Noch nie zuvor hatte ein Präsident einen persönlichen Günstling derart prominent in der Sicherheitspolitik postiert - um ihn dann so unvermittelt wieder zu entmachten.

Trump-Berater Raymond McMaster übte seinen Einfluss aus

Es wird vermutet, dass Trumps Nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster maßgeblichen Einfluss auf die Umstrukturierung hatte. Der Drei-Sterne-General war im Februar als Nachfolger von Michael Flynn auf den Posten berufen worden, nachdem dieser wegen seiner Kontakte zum russischen Botschafter gehen musste.

Anders als Flynn oder Bannon hatte McMaster vorher keinerlei Verbindungen zu Trump. Er gilt im Unterschied zu beiden auch nicht als ideologischer Hardliner, sondern verkörpert traditionelle republikanische Standpunkte in der Außen- und Sicherheitspolitik.

Bannon verliert Trumps Vertrauen

Die Nachricht von Bannons Degradierung kommt überraschend. Der ehemalige Chef von "Breitbart-News" galt lange als wichtigster Trump-Berater. Die düstere Rede, die der Präsident nach seiner Amtseinführung hielt, trug angeblich maßgeblich Bannons Handschrift.

Für viele Beobachter galt er lange sogar als Schattenpräsident, als eigentlicher Strippenzieher in der Trump-Administration.

Mehr zum Thema: Der Schattenpräsident: Trump-Berater Stephen Bannon ist der mächtigste Mann der Welt - und er ist gefährlich

Diese Rolle scheint nun Trumps Schwiegersohn Jared Kushner übernommen zu haben. Womöglich, weil er pragmatischer und weit weniger ideologisch überfrachtet agiert als der rechtsnationale Bannon.

Für diesen ist seine Entlassung eine heftige Demütigung. Sie könnte zudem ein Zeichen dafür sein, dass der neue US-Präsident sich nun um einen ruhigeren, weniger polarisierenden Politikstil bemüht.

Allgemein verdichteten sich in letzter Zeit die Anzeichen, dass die Washingtoner Politikelite mehr und mehr Einfluss auf Donald Trump gewinnt. So sind die Mehrheitsführer der Republikaner in den beiden Parlamentskammern der USA, Paul Ryan und Mitch McConnel, darum bemüht, den Präsidenten auf Parteilinie zu bringen.

Ein radikaler Anti-Politiker wie Stephen Bannon ist da nur im Weg.

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(bp)

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