POLITIK
05/04/2017 07:56 CEST | Aktualisiert 05/04/2017 07:57 CEST

"Markus Lanz": Imam berichtet, wie banalste Erlebnisse Menschen zu Terroristen machen

ZDF

  • Bei Markus Lanz sprach ein Imam über die Radikalisierung von Muslimen

  • Er sagte, es seien oft banale Vorfälle, die zu einer Trotzreaktion führten

  • Auch Journalist Constantin Schreiber berichtete von seinen Erfahrungen mit dem radikalen Islam

Deutschland diskutiert über den Islam. Die Veröffentlichung des Buchs "Inside Islam“ von Tagesschau-Journalist Constantin Schreiber befeuert Sorgen vor muslimischen Parallelgesellschaften in Deutschland.

Schreiber hatte in dem Buch in Berliner Moscheen recherchiert und festgestellt, dass in vielen Gebetshäusern die Abschottung von der demokratischen Gesellschaft gepredigt wird.

Am Dienstagabend sprach der Journalist in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz“ über sein Buch. Neben ihm war auch der Imam Husamuddin Meyer aus Wiesbaden geladen, der als Gefängnisseelsorger mit jungen Salafisten arbeitet.

Meyer konnte aus erster Hand berichten, was in vielen muslimischen Gemeinden derzeit schief läuft. Der Imam, der im Alter von 25 Jahren zum Islam konvertierte, sagte: "Manchmal machen sich die Prediger gar keine Gedanken, was sie da anrichten, mit dem, was sie sagen.“

Menschen mit kriminellem Hintergrund radikalisieren sich

Es gebe ja auch kein Zertifikat für einen Imam. Viele seien daher auch theologisch sehr schlecht ausgebildet. Seine Überzeugung: "Eine Predigt muss die Menschen von der Dunkelheit ins Licht führen und nicht andersrum.“

Dennoch würden sich in Deutschland viele junge Menschen radikalisieren. Vor allen Menschen, die bereits vorher Probleme gehabt hätten.

Zwei Drittel der Islamisten, die etwa nach Syrien gegangen seien, um sich terroristischen Vereinigungen anzuschließen, hätten eine kriminelle Vergangenheit gehabt, erklärte Meyer.

Frust, Unsicherheit und ein Hang zu Gesetzesbrüchen führten letztendlich dazu, dass sich die Menschen einen "ideologischen Unterbau“ suchten, um ihr Verhalten zu rechtfertigen.

Eine Anekdote, die zu Denken gibt

Meyer erzählte bei Lanz eine Geschichte, die nachdenklich machen sollte. Noch am Morgen des selben Tages sei er in einem Flüchtlingsheim gewesen. "Da war einer, der hat randaliert, der hatte Probleme, der wurde rausgeworfen“. Dann habe er angefangen, "Allahu Akbar“ - also "Gott ist das Größte“ - zu schreien.

Er habe gedroht, sich in die Luft zu sprengen. "Das geht dann in eine ganz andere Richtung“, sagt Meyer. "Dann hat er ein Auto und fährt dann mit dem irgendwo hin.“ Er spielte damit auf die Attacken in Nizza, Berlin und London an, bei denen PKW und Lastwagen als Tatwaffen verwendet worden waren.

Ruhig erklärte Meyer, dass man in solchen Situationen versuchen solle, die Menschen zu beruhigen und ihnen zu sagen, "dass sie mal ihren psychischen Zustand in den Griff zu bekommen“.

Die besonnene Reaktion des Imams verdutzt Moderator Lanz: "Was man mit einem Auto machen kann, haben wir ja gerade in London gesehen..“ Der Imam stimmt zu: "Eben. Deshalb haben wir dann auch die Polizei gerufen.“

Die Banalität des Bösen

Seine Geschichte zeigt, welche banalen Auslöser zu einem Terroranschlag führen können. Und welche Verantwortung Institutionen und Seelsorger tragen, Warnzeichen der Radikalisierung zu erkennen.

Meyer erzählte von jungen Salafisten im Gefängnis: Sie würden sich zunächst für ihre Taten schämen. "Wenn man dann aber den ideologischen Unterbau kriegt, gesagt bekommt, (…) wenn du einen Ungläubigen umbringst, dann tust du eine gute Tat, dann wird man sogar noch zum Helden dadurch."

Auch Schreiber konnte von Radikalisierung berichten. Was er in einer türkischen Moschee in Berlin erlebt hatte, machte Lanz stutzig. Am 23. Dezember, nach dem Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz, sei dort vor allem gegen die "Weihnachtsgefahr“ gepredigt worden. "Es gab keine Distanzierung vom Terror vom Breitscheidplatz“, so Schreiber.

Stattdessen habe der Imam die Menschen aufgefordert, nicht die Sitten des Wittens zu übernehmen. Denn es gebe keinen "Sohn Gottes“.

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(bp)

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