Ehemaliger US-Botschafter Kornblum: "Nordkorea könnte wie ein Kartenhaus zusammenfallen"

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KORNBLUM
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  • Die Angst vor der nordkoreanischen Bombe – sie ist mit voller Wucht auf die weltpolitische Bühne zurückgekehrt
  • Kurz vor Gesprächen der USA und China hat Pjöngjang trotz Verboten erneut eine ballistische Rakete getestet
  • Der ehemalige US-Botschafter John Kornblum spricht von einer neuen Qualität des Konflikts

Die Angst vor der nordkoreanischen Bombe – sie ist mit voller Wucht auf die weltpolitische Bühne zurückgekehrt.

Kurz vor Gesprächen der USA und China hat Pjöngjang trotz Verboten erneut eine ballistische Rakete getestet. Sie sei am Mittwoch an der Ostküste abgefeuert worden und etwa 60 Kilometer in Richtung offenes Meer geflogen, teilte das nordkoreanische Militär mit.

Der Raketentest ist der vorzeitige Höhepunkt einer seit Wochen andauernden Eskalationsspirale. Weil US-Präsident Donald Trump dem Land wegen seines Atomprogramms mit Sanktionen drohte, kündigte Nordkorea „Gegenmaßnahmen“ an. Man sehe die koreanische Halbinsel „am Rande eines Krieges“.

"Am Rande eines Kriegs"

Der ehemalige US-Botschafter John Kornblum spricht angesichts dessen von einer neuen Qualität, die der Konflikt erreicht habe.

Seit Jahren schon treibt das isolierte Land unbeeindruckt von allem internationalen Druck sein Atomprogramm voran. „Die haben Waffen entwickelt, die Südkorea und Japan erreichen können. Und es gibt Vermutungen, dass sie auch China und irgendwann die USA erreichen könnten“, sagte Kornblum im HuffPost-Live-Interview, das ihr hier nochmal anschauen könnt.

Und dass Diktator Kim Jong-un seine Waffen im Zweifel auch einsetzen könnte, kann Kornblum nicht ausschließen. Er bezeichnet Nordkorea als „total unberechenbar“. Sollten nordkoreanische Raketen tatsächlich einen der umliegenden Staaten treffen, „wäre das eine große Krise, auf die die man vermutlich militärisch antworten würden.“

Mit der Kraftmeierei wolle Nordkorea vor allem seine Schwäche überdecken.

"Nordkorea existiert in einer Blase"

„Das Land existiert in einer Blase, in der es angibt, so stark zu sein“, sagte Kornblum. Aber tatsächlich sei es so schwach, dass es seine eigene Bevölkerung nicht ernähren könne. „Man könnte die Führung dort wahrscheinlich innerhalb eines halben Tages beseitigen, wenn man das wollte.

Man brauche dafür nur ein paar Soldaten aus Südkorea hineinzuschicken. „Die Regierung hat überhaupt keine öffentliche Unterstützung. Sie würde wie ein Kartenhaus zusammenfallen“.

"Wenn China seine Subventionen streicht, würde Nordkorea ziemlich schnell in Schwierigkeiten geraten"

Bei dem Treffen Trumps mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping wird es deswegen vor allem um weitere Sanktionen gegen Nordkorea gehen, um sie vom Atomkurs abzubringen.

Das Thema hat für die USA „höchste Dringlichkeit“, wird aber ohne China nicht zu lösen sein.

„Trump hat recht wenn er sagt, dass die Chinesen dort das Sagen haben“, sagte Kornblum. „Wenn China seine Subventionen streicht, würde das Land ziemlich schnell in Schwierigkeiten geraten und vielleicht sogar zusammenbrechen."

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