POLITIK
06/04/2017 05:09 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 09:51 CEST

Die Welt rätselt, wie Donald Trump auf den Giftgas-Angriff in Syrien reagieren wird. Ein altes Twitter-Post könnte die Antwort liefern

Anadolu Agency via Getty Images
WASHINGTON, USA - April 5: U.S. President Donald Trump speaks during a joint press conference with King Abdullah II bin al-Hussein of Jordan (not seen) in the Rose Garden of the White House in Washington, USA on April 5, 2017. (Photo by Samuel Corum/Anadolu Agency/Getty Images)

Mit der Geschwindigkeit, mit der US-Präsident Donald Trump seine Meinungen ändert, kommt man nicht mehr mit.

Über Jahre hatte er den Standpunkt vertreten, dass die USA nicht in Syrien militärisch eingreifen und Diktator Baschar Al-Assad an der Macht lassen sollten.

Jetzt ist alles anders. Gestern stand Trump neben dem jordanischen König Abdullah im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington und verkündete, dass er seine Meinung überdacht habe. Trump sagte, dass die Bilder der toten Babys, "unschuldige Babys, kleine Babys, kleine Kinder" seine Sicht auf Assad verändert hätten.

"Viele Linien, rote Linien, viele, viele Linien"

"Es ist sehr, sehr möglich, und ich sage ihnen, es ist bereits passiert, dass sich meine Einstellung gegenüber Syrien und Assad, sie hat sich sehr geändert". Assad habe "viele Linien überschritten, über rote Linien, viele, viele Linien", so Trump.

Seine Worte machen den Zuhörern nicht nur aufgrund ihrer eigenwilligen Grammatik einen Knoten ins Gehirn. Trump wiederholt fast wortwörtlich jene Worte, die Obama während des Wahlkampfes 2012 gesagt hatte. Für die hatte Trump ihn heftig kritisiert.

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Der damalige US-Präsident nannte einen möglichen Giftgasangriff "eine rote Line“, der ein militärisches Eingreifen der USA zur Folge hätte. Im August 2013 war es dann so weit: Im von Rebellen gehaltenen Vorort Ghouta von Damaskus starben nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 281 und 1729 Menschen bei einem Angriff mit Sarin.

Doch Obama entschied sich, nicht anzugreifen, nachdem das Assad-Regime zugesichert hatte, seine Chemiewaffen zu vernichten. Und was sagte Trump damals? Er bezeichnete Obamas Drohung an Assad als "dumm“.

Deutlich forderte er Obama auf, nicht in Syrien einzugreifen.

Jetzt ist er in der gleichen Situation wie Obama 2013 – und wiederholt dessen Worte fast wörtlich. Den Giftgasangriff vom Dienstag nannte er eine "abscheuliche Tat des Regimes von Baschar al-Assad". Es sei eine Folge der "Schwäche und Unentschlossenheit" seines Amtsvorgängers.

Aber darüber, ob er diesmal anders reagieren und vielleicht sogar militärisch eingreifen wolle, gab Trump dann auch am Mittwoch keine Auskunft. Obama habe immer wieder den Fehler gemacht, militärische Operationen vorzeitig anzukündigen, erklärte Trump.

"Ich sage nicht, dass ich irgendetwas auf diese oder auf jene Art machen werde"

"Ich sage nicht, dass ich irgendetwas auf diese oder auf jene Art machen werde.“ Was hat er vor? Wenn Trump ein letztes Bisschen Glaubwürdigkeit behalten will, muss er in Syrien militärisch eingreifen. Den deutlichsten Hinweis darauf, dass diese neue Einstellung auch ein militärisches Eingreifen der USA nach sich ziehen könnte, lieferte Trumps UN-Botschafterin Nikki Haley.

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Auch die ist sehr flexibel, was ihre Standpunkte angeht. Noch am Donnerstag vergangener Woche sagte sie, dass die USA nicht vorhätten, Assad die Macht über Syrien wegzunehmen.

Geschenkt. In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats hielt sie gestern Fotos der Giftgas-Opfer hoch und wandte sich in emotionalen Worten an die Mitglieder. Syriens Verbündetem Russland, der eine gemeinsame Resolution blockierte, warf sie vor, die Augen vor der Barbarei zu verschließen.

"Erst schießen, dann reden!"

"Wenn die Vereinten Nationen immer wieder an ihrer Pflicht scheitern, kollektiv zu agieren, dann gibt es Zeiten im Leben von Staaten, in denen wir angehalten sind, selbst etwas zu unternehmen“, sagte Haley. Der UN-Sicherheitsrat ging nach einer Sitzung ergebnislos auseinander. Zu einer Abstimmung über eine von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachten Resolution kam es nicht.

Einen Hinweis, in welchem Stil ein militärisches Eingreifen der USA aussehen könnte, hat Trump in einem Twitter-Post gegeben. Wenn Obama so blöd wäre, Syrien anzugreifen, dann solle er es wie in den Filmen machen, schrieb Trump 2013: "Erst schießen, dann reden!“

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(poc)

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