Forscher entwickelt Verhütungsmittel für Männer - aber die Pharmaindustrie weigert sich, es herzustellen

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Forscher entwickelt Verhütungsmittel für Männer - aber die Pharmaindustrie weigert sich, sie herzustellen | Eric Gaillard / Reuters
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  • Der Bio-Ingenieur Sujoy Guha hat eine revolutionäre Verhütungsmethode für Männer entwickelt
  • Seine Gelinjektion ist kostengünstig und so sicher wie die Verwendung von Kondomen
  • Das Problem: Die Pharmaindustrie will das Verhütungsmittel nicht kaufen und massentauglich produzieren

"Wenn all diese Unternehmen von Frauen geleitet würden, sähe alles ganz anders aus", sagt Herjan Coelingh Bennink der britischen Zeitung "The Independent". Als Gynäkologie-Professor hat er für die Firma Organon International jahrelang Verhütungsmittel entwickelt.

Der "Independent" hat ihn zu einem in Indien entwickelten Mittel befragt: Einer Gelinjektion für den Mann, die dessen Spermien unfruchtbar macht. Der Effekt kann leicht wieder rückgängig gemacht werden.

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Das in die Spermienkanäle injizierte Gel hat bei Tests jahrelang mit 98-prozentiger Zuverlässigkeit Schwangerschaften verhindert - es ist damit so sicher, wie die regelmäßige Verwendung von Kondomen. Und die einmalige Injektion soll nicht mehr als 10 Dollar kosten. Das ist ein sensationeller medizinischer Durchbruch.

Von dem will die Pharmaindustrie allerdings nichts wissen. Denn "diese Unternehmen", von denen Bennink spricht, weigern sich bisher, das neue Verhütungsmittel für den Mann massentauglich herzustellen.

Erfinder Sujoy Guha findet keine Abnehmer

"Die Wahrheit ist einfach, dass die großen Unternehmen von weißen, älteren Männern betrieben werden", zitiert der "Independent" dazu den Experten Bennink. Und die hätten alle das gleiche Gefühl zu Verhütungsmitteln für den Mann: "Ich selbst würde das niemals tun."

Das sei ein Grund dafür, dass die neue Methode aus Indien, die vom 76-jährigen Bio-Inginieur Sujoy Guha erfunden wurde, keine Abnehmer in der Pharmaindustrie finde.

Dabei verspricht das Verhütungs-Gel sogar immensen Profit.

10 Milliarden Dollar sei der weltweite Markt für weibliche Verhüttungsmittel wert, schreibt der "Independent" - ein zuverlässiges Mittel für Männer hätte das Potential, die Hälfte dieses Marktes zu erobern. Zu diesem Ergebnis seien der niederländische Pharmakonzern Organon sowie das deutsche Unternehmen Schiering schon in den 1990ern gekommen.

Bayer, Pfizer und Co. wollen ihren Geschäfte nicht gefährden

Aber warum sollten Bayer, Pfizer und Co. das Mittel auch finanzieren? Sie verdienen bereits Milliarden mit Verhütungsmittel für Frauen - ein Mittel für Männer auf den Markt zu bringen, würde ihre Geschäfte nur unnötig stören.

Bayer hat deswegen seit 2006 keine Forschung mehr an Verhütungsmitteln für Männer betrieben, sagte eine Sprecherin des Unternehmens "The Independent". Auch Sprecher von Pfizer und Merck bestätigten der Zeitung, dass es keine aktive Forschung in dem Bereich gebe.

Bisher hat auch keines der großen Pharma-Unternehmen Erfinder Guha angeboten, sein Verhütungsgel zu produzieren. Für eine internationalen Verbreitung seines Mittels sei "eine ziemlich große Summe Geld vonnöten, und die kann nur aus der Pharmaindustrie kommen", sagte Guha dem "Independent".

Die Chancen auf den Erhalt dieser Summe stehen schlecht. Und damit auch die Chance, dass 225 Millionen Frauen, die laut der World Health Organization dringenden Bedarf an Verhütung haben, eine mögliche und bezahlbare Hilfe zuteil wird.

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(bp)