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Liebe Staatschefs, Ihnen dürfen diese Bilder nicht egal sein. Handeln Sie endlich!

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IDLIB
Liebe Staatschefs, Ihnen dürfen diese Bilder nicht egal sein. Handeln Sie endlich! | dpa
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Liebe Staatschefs,

Schauen Sie hin!

Die Bilder, die uns heute aus der Provinz Idlib im Norden Syriens erreichen, dürfen Sie nicht kaltlassen.

Leblose Körper, von einem Gasangriff verätzt und verwundet. Menschen, die am Boden liegen und nur noch unkontrolliert zucken. Helfer, die verzweifelt mit einfachen Wasserschläuchen versuchen, gegen die Verätzungen anzukämpfen. Und alle schnappen unablässig nach Luft.

Die kleine Stadt Khan Scheichun wurde am Dienstagvormittag zur Hölle.

Auch dutzende Kinder sind dem heimtückischen Chemiewaffen-Angriff zum Opfer gefallen, der allem Anschein nach vom syrischen Assad-Regime verübt wurde. Jenem Baschar al-Assad, den der Westen seit Jahren nur wie eine sekundäre Gefahr behandelt.

"Es reicht!" Eine Chronik des Scheiterns

Dabei ist Assad für die Menschen in Syrien längst tödlicher, als der IS es je war. An diesem tragischen Tag zeigt sich erneut: Der Westen hat das nicht verstanden. Seine Strategie ist gescheitert.

"Es reicht!“ Das hätte die Antwort sein sollen, als Assad im Herbst 2013 in Damaskus zum ersten Mal im großen Stil Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einsetzte.

Doch der damalige US-Präsident Barack Obama schreckte davor zurück, seiner Drohung von der "überschrittenen roten Linie“ Taten Folgen zu lassen. Er hatte versprochen militärisch in den Syrienkonflikt einzugreifen, wenn Assad Giftgas einsetzt.

"Es reicht!“ Das hätte die Antwort sein müssen, als Assad und Putin im Sommer 2015 Woche für Woche Zivilisten bombardierten und systematisch Krankenhäuser in Schutt und Asche legten. Auch heute wurde eine Klinik in Khan Scheichun Ziel eines Angriffs.

"Es reicht!“ Das hätte auch die Bundesregierung verkünden müssen, als die Rebellen-Hochburg Aleppo im Dezember nach monatelanger, völkerrechtswidriger Belagerung fiel.

Stattdessen kann man fast den Eindruck gewinnen, es machte sich in den letzten Monaten in Berlin sogar Erleichterung breit, dass das leidige Thema Syrien endlich aus dem Medienfokus verschwunden ist.

Dabei ist in Syrien gar nichts besser als damals. Im Gegenteil: Die Lage spitzt sich zu.

Und Idlib wird schon bald zum nächsten Aleppo werden. Wenn wir jetzt nicht endlich sagen: "Es reicht!“

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(poc)