Neue Studien: Warum es die Kinder älterer Mütter besser haben

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Frauen, die mit Mitte 30 Kinder bekommen, gelten in unserer Gesellschaft schon als alte Mütter. Nach wie vor besteht die gängige Meinung, Kinder solle man möglichst früh bekommen.

Nicht nur der biologische Standpunkt legt dies nahe. Vielmehr hält sich das Klischee, junge Mütter wären spontaner, aktiver und belastungsfähiger. Mehrere Studien belegen aber nun: Kinder älterer Mütter entwickeln sich besser.

Tatsächlich bekommen Frauen in westlich geprägten Ländern immer später Kinder. In den USA etwa waren die Geburtsraten im vergangenen Jahr bei Frauen zwischen 30 und 44 Jahren so hoch wie zuletzt die allgemeine Geburtenrate in der Babyboom Ära in den 1960er Jahren. So berichtet es der im Januar 2017 veröffentlichte National Vital Statistics Report.

Immer mehr Frauen werden erst mit Mitte 30 oder später Mutter

Der Trend entwickelt sich immer mehr zur “alten” Mutter. Eine weitere, Anfang dieses Jahres publizierte Studie, beweist nun: Kinder, die mit einer “alten” Mutter aufwachsen, haben ihren Altersgenossen mit jüngeren Müttern sogar einiges voraus.

Die Forscher verglichen drei britische Langzeitstudien von 1958, 1970 und 2000 bis 2002, die sich jeweils mit mehr als 10.000 Kindern befasst hatten.

Ihren Fokus legten sie dabei auf den Zusammenhang zwischen dem Alter der Mutter und den kognitiven Fähigkeiten der Kinder im Alter von 10 - 11 Jahren.

In den beiden älteren Studien schnitten die Kinder der älteren Mütter, die ihr Kind im Alter zwischen 35 und 39 Jahren bekommen hatten, schlechter ab als die Kinder von Müttern, die ihr Kind in ihren Zwanzigern bekommen hatten.

In der letzten Studie allerdings verkehrten sich diese Zahlen ins Gegenteil: Die Kinder der älteren Mütter schnitten nun bedeutend besser in den kognitiven Tests ab, als die Kinder der jüngeren Mütter.

Die Situation für ältere Mütter hat sich verbessert

Der Grund für diesen Wandel liegt in der verbesserten Situation von Müttern in sozialer und ökonomischer Hinsicht. Vor allem aber haben sich die Charakteristika älterer Mütter mittlerweile grundlegend gewandelt.

Mütter, die in den früheren Studien in einem fortgeschritteneren Alter Kinder bekamen, hatten zumeist schon mehrere Kinder. Finanziell waren sie damit schlechter aufgestellt und hatten auch weniger Zeit für ihre Zöglinge.

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Ältere Frauen achten mehr auf sich während der Schwangerschaft

Die Mütter der Studie von 2002 bekamen im Alter zwischen 35 und 39 Jahren ihr erstes Kind. Diese Frauen waren nicht nur besser ausgebildet sondern sie befanden sich allgemein in einer sozialökonomisch besseren Lage als die älteren Mütter der vorangegangenen Studien.

Dies sagte Alice Goisis, Leiterin der Studie, der "New York Times". Die Forscherin ist an der London School of Economic and Political Science sowie dem deutschen Max-Planck-Institut in Deutschland tätig.

“Die älteren Frauen waren nicht nur allgemein in einer besseren Lage, sie gaben auch während der Schwangerschaft besser auf sich Acht. Sie rauchten weniger und stillten ihre Kinder häufiger als die jungen Mütter,” sagt Goisis.

Doch nicht nur diese Faktoren nehmen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern. Eine im Dezember 2016 veröffentlichte Studie beschäftigt sich mit Erziehungsmethoden und dem Umgang von Eltern mit ihren Kindern. Dazu wurden 4741 Familien aus Dänemark mit Müttern in unterschiedlichen Altersspannen beobachtet.

Ältere Mütter können besser auf die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen

Dabei fiel besonders auf: Ältere Mütter hatten meist einen freundlicheren Umgangston mit ihren Kindern. Die Kinder der älteren Mütter neigten zudem zu weniger emotionalen und sozialen Problemen und legten generell ein besseres Benehmen an den Tag.

“Die Mütter sind psychologisch und kognitiv flexibler und zudem fähiger, auf die komplexen emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder zu reagieren,” erklärte Tea Trillingsgaard, Professor für Psychologie an der Universität Aarhus in Dänemark in der Studie.

Die Wissenschaftler befassten sich nicht mit dem Alter der Väter

Den Forschern zufolge zog sich diese Fähigkeit der älteren Mütter durch alle sozialen Schichten. Mehr Geld scheint daher keine Rolle zu spielen für den richtigen Umgang mit seinem Kind, sondern vielmehr emotionale Intelligenz. Diese nimmt mit dem Alter zu- Trillingsgaard sagte dazu: “Das Alter selbst ist möglicherweise ein Vorteil.”

Durch die zunehmende Lebenserfahrung wachsen Mütter intellektuell und emotional. Diese Fähigkeiten helfen, dem eigenen Kind besser gerecht werden können.

Einziger Wermutstropfen: In keiner der Studien gingen die Experten auf das Alter der Väter ein.

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(mm)

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