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Neue Studie: So bringt EZB-Chef Draghi Südeuropa an den Rand des Kollaps

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DRAGHI
Seine Strategie könnte nun gefährlich werden: EZB-Chef Mario Draghi | DANIEL ROLAND via Getty Images
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  • Eine neue Studie zeigt, dass die tiefen Zinsen in Europa zu immer höheren Staatsschulden führen
  • Gerade südeuropäische Staaten haben ihren Schuldenstand in den vergangenen Jahren stark erhöht
  • Zieht die EZB die Zinsen an, leiden diese Länder besonders

EZB-Chef Mario Draghi hat die Märkte jahrelang mit ultrabilligem Geld geflutet. Den Staaten Südeuropas ermöglichte er so, immer mehr Schulden aufzunehmen. Darauf weist die Bank of America in der Studie "The day after the Euro“ hin.

Die Konsequenzen für die Eurozone könnten dramatisch sein.

Staaten wie Italien, Spanien und Griechenland konnten sich in den vergangenen Jahren nur deshalb stark verschulden, weil die Zinsen in der Euro-Zone so tief waren.

Denn so vermochten sie, ihre Schuldenlast tief zu halten. In manchen Fällen läge die Zinslast heute gar niedriger als vor der Finanzkrise, schreibt "Focus Online". Mario Draghi sei Dank.

Die USA zwingen zum Handeln

Doch irgendwann muss die EZB die Zinsen wieder anziehen. Denn bereits in den USA hat sich die Zentralbank schweren Herzens von der Billig-Geld-Strategie verabschiedet und damit begonnen, die Zinsen vorsichtig wieder anzuheben.

Dadurch wird die Zinsdifferenz zur Euro-Zone wieder größer. Anleger entscheiden sich dafür, im US-Dollar statt im Euro zu investieren, was sich bereits am stärker werdenden US-Dollar zeigt. Will die EZB nicht, dass kräftig Geld nach Übersee abfließt, muss sie handeln. Und sich von den tiefen Zinsen abwenden.

Doch genau das könnte für die Euro-Zone zur großen Gefahr werden. Denn die Staaten Südeuropas vertrauten jahrelang darauf, dass sie immer mehr Schulden aufnehmen können, ohne groß dafür bezahlen zu müssen.

Gefahr bei steigenden Zinsen

Steigen die Zinsen in Europa wieder, wird es für die verschuldeten Staaten immer schwieriger, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Das könnte gerade Draghis Heimatland Italien hart treffen. Denn hier stieg der Schuldenstand innert nur neun Jahren von 1670 Milliarden auf heute 2270 Milliarden Euro, so die Studie der Bank of America. Dank den tiefen Zinsen zahle Rom heute dafür nur noch 66 Milliarden Euro Zinsen. Im Jahr 2008 – auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – waren es noch 80 Milliarden.

Die Staatsverschuldung ist gerade in Südeuropa seit 2007 stark angestiegen, wie Daten von Eurostat zeigen:

verschuldung

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(lp)