9 Dinge, die jeder tun kann, um Europa vor denen zu schützen, die es zerstören wollen

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LE PEN
Mit Marine Le Pen steht die nächste Populistin zur Wahl. | Chesnot via Getty Images
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Liebe Europäer,

Europa – das war jahrelang für viele Menschen etwas Abstraktes. Das hat sich mit dem Erstarken der populistischen Bewegungen und dem Wahlsieg von Donald Trump in Amerika geändert. Plötzlich erkennen viele, dass die Freiheiten innerhalb der EU längst nicht selbstverständlich sind. Und dass man für sie kämpfen muss, um sie zu schützen.

Es gibt große und kleine Dinge, die jeder Europäer tun kann, um die EU und ihre Werte gegen die Angriffe der Radikalen zu schützen und zu stärken. Neun Vorschläge.

1. „Dagegen sein“ reicht nicht mehr. Macht Euch klar, warum Ihr für Europa seid

Über Jahre sind Menschen in Deutschland nur auf die Straße gegangen, wenn es gegen etwas ging. Die größten Demos in der bundesdeutschen Geschichte fanden 1983 gegen den Nato-Doppelbeschluss und 2003 gegen den Irak-Krieg statt. Im Jahr 2010 protestierten Tausende Menschen gegen Stuttgart 21, ab 2014 gingen verschiedene elitenkritische Bewegungen mit zum Teil bemerkenswerten Erfolg demonstrieren.

Die pro-europäischen Proteste sind anders. Hier geht es um den Schutz einer bestehenden Institution gegen die Erfolge der Populisten. Deswegen gilt es, sich klar zu machen, warum das europäische Projekt so einmalig ist. Manchen hilft dabei der Blick auf die Geschichte: Seit 1945 hat es zwischen Staaten der EWG, EG und EU keinen Krieg mehr gegeben.

Andere mögen den Wohlstand, der durch das Zusammenwachsen des Kontinents entstanden ist, als etwas Besonderes empfinden. Und wieder anderen mag der Blick auf die eigene Biografie helfen: Viele persönliche Europa-Erlebnisse wären ohne die Aussöhnung zwischen den Staaten nicht möglich gewesen.

2. Schaut nach Osten

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Menschen im Osten Europas viel früher wussten, welche Folgen der neue Autoritarismus im Alltag haben kann. Als etwa in Amerika im Jahr 2016 die Diskussion über Fake-News aufkam, wussten die Ukrainer schon seit Jahren, was es heißt, wenn manipulierte Berichterstattung das gesellschaftliche Klima vergiftet.

In Ungarn oder Polen haben die Menschen in den vergangenen Jahren auch mit der Herrschaft von rechtsradikalen Bewegungen schon Erfahrungen sammeln können. Die Lehren daraus sind bisweilen erschreckend: Ungarn hat mit einer massiven Abwanderung von jungen Talenten zu kämpfen. Und in Polen hat die PiS unter ihrem Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski schon Wochen nach ihrem Wahlsieg im Herbst 2015 begonnen, die liberale Demokratie zu demontieren. Daraus müssen wir lernen.

3. Stärkt den pro-europäischen Kräften im Wahljahr 2017 den Rücken

In Frankreich findet Ende April der erste Durchgang der Präsidentenwahl statt. In Europa leben viele Franzosen, die wahlberechtigt sind. Sprechen wir mit ihnen und versuchen sie davon zu überzeugen, dass sie Kandidaten wählen, die verhindern wollen, dass Europa auseinander bricht.

Wer in der Nähe der französischen Grenze wohnt, kann sich auch erkundigen, ob die demokratischen Parteien im Nachbarland freiwillige Helfer suchen. Dieser Wahlkampf ist keine nationale Angelegenheit. Als Europäer sollten wir vereint für Europa kämpfen – egal, in welchem Land wir geboren sind.

4. Seid nett zu den Briten

Ja, eine knappe Mehrheit hat in Großbritannien für den Brexit gestimmt. Das heißt aber auch, dass sich eine knappe Minderheit für Europa ausgesprochen hat. Zeigen wir diesen Menschen, dass wir nach dem Referendum nicht wieder anfangen, in den alten nationalstaatlichen Grenzen zu denken. Wer sich als Europäer fühlt, dem gilt unsere Solidarität.

Das gilt übrigens, im politischen Sinn, natürlich auch für den Umgang mit Schottland: Sollten die Schotten eines Tages für eine Unabhängigkeit stimmen, sollten wir ihnen keine Steine auf dem Weg zurück in die EU legen.

5. Helft denen, die heute schon unter Unfreiheit in Europa leiden

In Polen in die Presse- und Kunstfreiheit in Gefahr. In Ungarn geht sie immer mehr verloren. Deswegen müssen wir jene unterstützen, die sich in diesen Ländern heute noch zu den europäischen Idealen bekennen.

Wer Polnisch spricht, kann der großartigen und von dem Kaczynski-Regime angefeindeten Zeitung „Gazeta Wyborcza“ mit einem Abo helfen. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ kämpft seit Jahren für die Arbeit der Journalisten in Ungarn. Wer möchte, kann hier spenden und der NGO bei ihrer Arbeit helfen.

6. Und helft jenen, die sich nach europäischen Werten sehnen

In Weißrussland demonstrieren derzeit Tausende Menschen gegen die so genannte „Schamrotzersteuer“ des Regimes von Diktator Viktor Lukaschenko für Menschen, die länger als fünf Monate im Jahr arbeitslos sind.

Erstmals seit Jahren bekommt die Opposition im Land eine Chance, für mehr Demokratie in ihrem Land zu kämpfen. Hunderte sind bereits verhaftet worden, ihnen stehen Gerichtsverfahren und empfindliche Geldstrafen bevor. Hier findet Ihr Spendenkonten der weißrussischen Opposition.

7. Engagiert Euch im Alltag für Europa: Fördert Austauschprogramme und internationale Projekte

Als im Jahr 1963 mit dem Èlyseé-Vertrag die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich besiegelt wurde, war nicht umsonst der kulturelle Austausch eine der wichtigsten Prioritäten von Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle und Deutschlands Kanzler Konrad Adenauer.

Das Deutsch-Französische Jugendwerk organisiert seit Jahrzehnten Austauschprogramme zwischen den Ländern und hat Millionen jungen Menschen aus beiden Ländern geholfen, echte Europäer zu werden. Auf der Website des Werks finden sich viele Angebote, wie man an dieser Arbeit teilhaben kann. Etwa durch die Weiterbildung zum interkulturellen Jugendleiter oder durch die Vermittlung von Schulklassen.

8. Reist und erlebt Europa

Eine Initiative fordert derzeit, jungen Europäern zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket zu schenken. So sollen junge EU-Bürger früh lernen, wie schön und schützenswert das grenzenlose Europa ist.

Wer bisher nicht selbst aus Interrail-Tour durch Europa unterwegs war, kann das nachholen: Seit einigen Jahren gibt es das Ticket auch für Menschen über 26. Wer keine Lust auf Rucksacktour hat, kann sich überlegen, seinen nächsten Urlaub statt im abgeschotteten Mittelmeerclub oder im überfüllten Touristenhotel einfach mal in einem der vielen wunderschönen, unentdeckten Flecken Europas zu verbringen und so ein wenig mehr über Land und Leute zu lernen.

Ein Wanderurlaub in den rumänischen Karpaten ist preiswert und bietet spannende Blicke auf das Erbe der siebenbürgischen Kultur. Der Bohinj-See in Slowenien bietet im Sommer auch zur Hochsaison glockenklares Wasser und einen atemberaubenden Blick auf die julischen Alpen. Die Feste von Carcassonne kennt in Frankreich jedes Kind, in Deutschland sollte sie bald jedes Kind kennen.

Wer einen Wochenendurlaub machen will, könnte in der fahrradfreundlichsten Metropole der Welt glücklich werden – in Kopenhagen. Und auch die belgische Universitätsstadt Leuven ist immer eine Reise wert.

9. Geht demonstrieren

Derzeit finden in ganz Europa Demonstrationen für die europäische Integration statt. Jeden Sonntag um 14 Uhr treffen sich Menschen in Dutzenden Städten. Wo, das lässt sich auf dieser Karte herausfinden.