WHO hat eine deutliche Warnung: Wir behandeln Menschen mit Depressionen falsch

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WHO hat eine deutliche Warnung: Wir behandeln Menschen mit Depressionen falsch. | Martin Dimitrov via Getty Images
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Wer an Depressionen leidet, bekommt schnell das Gefühl, ein Außenseiter zu sein. Obwohl die psychische Erkrankung in Deutschland mittlerweile als Volkskrankheit gilt, wird sie immer noch unterschätzt. Und die Betroffenen oft allein gelassen.

Menschen, die an Depressionen leiden, fühlen sich nicht ernst genommen, bekommen keine adäquate Behandlung - oder erhalten die Diagnose erst nach jahrelangem stillen Leiden.

50 Prozent der Betroffenen erhalten keine professionelle Hilfe

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass selbst in Ländern mit hohem Einkommen - wie Deutschland - 50 Prozent der an Depressionen Erkrankten keine professionelle Hilfe erhalten. Das ist alarmierend, denn mit Depressionen gehen oftmals auch schwere Folgeerkrankungen wie Krebs einher.

Deshalb fordert die WHO die Regierungen aller Länder auf, ihren Umgang mit Depressionen noch einmal grundsätzlich zu überdenken. Es muss noch viel getan werden: Die Organisation ermittelte zwischen 2005 und 2015 einen Anstieg um 18 Prozent bei Depressionserkrankungen.

Für die WHO Grund genug, die psychische Erkrankung in den Fokus des diesjährigen Weltgesundheitstages am siebten April zu stellen. Das Thema lautet "Depression – Let’s talk" - also: Lass uns darüber reden. Margaret Chan, Direktorin der WHO, sagte in einem Statement: “Diese neuen Zahlen sind ein Weckruf an alle Länder, ihren Umgang mit psychischen Erkrankungen noch einmal zu überdenken und sie mit der Dringlichkeit zu behandeln, die sie verdienen."

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An Depression Erkrankte fühlen sich allein gelassen - obwohl sie unbedingt Hilfe bräuchten

Viele Menschen mit Depressionen geben sich selbst die Schuld an ihrem Zustand - sie sind zu erschöpft und hoffnungslos, um sich Hilfe zu holen. Die Krankheit wird von den Betroffenen - aber auch von ihrem Umfeld - als Lappalie abgetan, als "schlechte Laune" oder "Stressreaktion". Symptome der Krankheit, wie generelle Erschöpfung und Lustlosigkeit, werden sogar von manchen Ärzten heruntergespielt. An Depression Erkrankte fühlen sich allein gelassen - obwohl sie unbedingt Hilfe bräuchten.

Ulrich Hegerl, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Leipzig, mahnt, Depressionen endlich als ernsthafte Erkrankung anzusehen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Bei einer schweren Depression kann sich auch der disziplinierteste Mensch nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen“, sagte Hegerl der "Märkischen Allgemeinen".

Mit professioneller Hilfe sei eine Depression aber oft gut behandelbar - mehr Aufklärung und Kommunikation sei deshalb laut WHO der Schlüssel zur Bekämpfung der Volkskrankheit. An diesen Faktoren mangele es aber weltweit.

Deshalb sollte die Bevölkerung besser über die Erkrankung informiert und mehr Gelder in die Behandlung investiert werden - die WHO hofft, so Vorurteile und Stigmatisierungen von Depressionen abzubauen, und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie den Betroffenen am besten geholfen werden kann.

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