Was Tunesien und Madonna gemeinsam haben

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MARSA
Tunesien
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Der Arabische Frühling startete 2010 in Tunesien: Das Land stürzte seinen Diktator, erhielt 2015 einen Friedensnobelpreis und baut gerade eine Demokratie auf. Es kann sich aber nur so viel tun, weil es Menschen gibt, die dafür kämpfen. Wir stellen die jungen Menschen vor, die ihre Heimat umkrempeln.

Tunesien ist ein bisschen wie Madonna – der Staat in Nordafrika hat sich immer wieder neu erfunden; die Überreste von Karthago beweisen es. Seit den 1970er Jahren avancierte das Land zum immer beliebteren Urlaubsziel – dank toller Strände und Sonnengarantie.

karthago

Kreative Energie ohne Tabus

tunesien

Der arabische Frühling hat jede Menge Veränderungen mit sich gebracht und kreative Energie freigesetzt. Heute - mehr als sechs Jahre später - überrascht Tunesien seine Besucher mit überwältigenden Aktionen für jeden Geschmack: Bei den Jazzfestivals von Tabarka und Karthago treten Musiker aus aller Welt auf und für "Les Dunes Electroniques", Nordafrikas größtes Elektromusik-Festival, das in den Star Wars Kulissen stattfgefunden hat, wird die Sahara zur sandigen Bühne. Verantwortlich für Events wie diese ist eine gebildete Jugend mit großen Träumen, die voller Elan auf allen Ebenen umgesetzt werden. Auch der tunesische Film, das Theater und der zeitgenössische Tanz profitieren vom Wegfall gewisser Tabus...

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Mutige Bloggerinnen und Fashionistas

hedis hochzeit

Es ist Zeit für einen Neuanfang! Tunesien macht auf sich aufmerksam – durch herausragende Talente. Schon 2015 erhielt ein tunesischer Film den Silbernen Bären auf der Berlinale: In „Hedis Hochzeit“ ging es um einen jungen Mann, der mit Traditionen bricht. Danach kam „As I Open My Eyes – Kaum öffne ich die Augen“ über den Arabischen Frühling in die Kinos. Das Drama von Drehbuchautorin und Regisseurin Leyla Bouzid, 32, ist auf Filmfestivals rund um den Globus vertreten. Es dreht sich um eine junge Heldin, die mit dem alten Frauenbild Tunesiens bricht.

hedi meryl streep

Keine rein fiktive Idee. Denn es gibt genug echte tunesische Frauen, die genau das tun. Sie sind mutiger, freizügiger und kreativer als ihre Mütter und Großmütter! Die waren früher nur für die Familie zuständig, durften keine eigene Karriere machen. Jetzt aber gibt es Vorbilder wie Lina Ben Mhenni, 33: Sie bloggte als „A Tunisian Girl“ und wurde zur Galionsfigur der Revolution. 2011 erhielt sie eine Nominierung für den Friedensnobelpreis. Bloggerinnen wie Fethia Sabrina Farhani und Lamiya Slimani äußern nicht ihre politische Meinung – sie schreiben über Lifestyle, Mode und Beauty. Online stehen sie damit für die neue Generation selbstbewusster Tunesierinnen. Sie sind stylisch, hübsch – und wissen genau, was sie wollen. Diese It-Girls orientieren sich längst nicht mehr nur an ausländischen Designern. Denn genau wie in Paris, London, New York oder Mailand findet inzwischen auch in Tunis jedes Jahr eine Fashion Week statt, auf der man die Entwürfe einheimischer Talente sehen kann - zum Beispiel die vom Designerduo "Mademoiselle Hecy" oder Braim Svenska.

Tattoos und Tapas in Tunis

Tunis ist die Zentrale der neuen Kulturbewegung: Hier trifft man sich im In-Café "El Ali" in der Altstadt und blickt von der Dachterrasse aus aufs Meer. Drum herum öffnen immer neue Restaurants und Clubs: Wer will, kann Salsa- oder Free-Jazz-Konzerten lauschen, dabei Sushi essen oder Mojitos trinken - Tradition und Moderne verschmelzen zu einer aufregenden Mischung. So wie bei der Biennale in Tunis mit Künstlern aus Afrika und Europa.

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Manel Mahdouani stammt ebenfalls aus Tunis. Sie ist eines der gefragtesten Tattoo-Talente Tunesiens. Die 28-Jährige zieht bereitwillig den Ärger konservativer Tunesier auf sich: Manel ist die einzige weibliche Tätowiererin des Landes. Der französische TV-Sender „Arte“ widmete ihr eine eigene Doku: Denn Manel wählt besondere Motive: Sie reist im ganzen Land herum und besucht betagte Berberinnen, um deren Tattoos abzuzeichnen. Diese Bilder lassen sich junge Tunesier dann von ihr. Sehen kann man die am besten auf Beach-Partys im Sommer, zum Beispiel im größten Open-Air-Club Tunesiens, dem "Bora Bora" in Sousse.

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Einzigartiges Streetart-Experiment

Aber natürlich gibt es auch Männer, die auf schöne Art die Revolution vorantreiben. So wie El Seed, 35,: Der gebürtige Franzose stammt aus einer tunesischen Familie. Seine Spezialität heißt „Kalligraffiti“ und ist eine Mischung aus verschnörkelter Kalligrafie und schrillen Graffiti. Kürzlich verzierte er das höchste Minarett Tunesiens in Gabès mit Suren aus dem Koran. Die handeln von Toleranz und Neugier gegenüber anderen – zwei wichtige Faktoren für einen Neuanfang.

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El Seed nahm auch an einem einzigartigen Kunstprojekt teil: "Djerbahood". Ein neuer Name für das Dorf Erriadh auf Djerba. Dort verzierten Künstler die Häuser und Mauern mit Street-Art. Eine Open-Air-Galerie, die es so wohl nur in Tunesien gibt. Bei einem Bummel durch die Gassen unbedingt die Kamera mitnehmen! Was in Erriadh ebenfalls auffällt: Die vielen kleinen Boutique-Hotels wie das "Dar Dhiafa" - auch im Künstlerdorf Sidi Bou Saïd locken tolle Unterkünfte, die alles andere als 0815 sind. Statt anonymer Bettenburgen sind individuelle Hotels gefragt, so wie das schick designte "Royal Kenz" in Sousse oder das "Radisson Blu" in Hammamet mit einem ausgezeichneten Thalasso-Zentrum.

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