Obamas Sicherheitsberaterin soll Geheimdienst-Informationen über Trump-Mitarbeiter angefragt haben

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SUSAN RICE OBAMA
Die ehemalige Sicherheitsberaterin Obamas, Susan Rice, hat versucht, die Identität von Mitarbeitern Trumps in Geheimdienst-Berichten zu enthüllen | JIM WATSON via Getty Images
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  • Donald Trump wirft Obama vor, ihn und Mitglieder seines Teams bespitzelt zu haben
  • Jetzt könnte sich dieser Verdacht teilweise bestätigen
  • Eine von Obamas Mitarbeiterinnen soll Informationen über Trump-Mitarbeiter bei Geheimdiensten abgefragt haben

Es waren ungeheuerliche Vorwürfe: Vor einigen Wochen beschuldigte US-Präsident Trump seinen Amtsvorgänger Obama ihn abgehört zu haben.

Viele politische Beobachter und Experten - inklusive der Chefs der wichtigsten US-Geheimdienste - hielten die Vorwürfe für abstrus. Doch jetzt könnten sie sich zumindest teilweise bestätigen.

Zufällig abgehört

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg soll die ehemalige Sicherheitsberaterin Barack Obamas, Susan Rice, von US-Geheimdiensten Informationen über Vertraute Donald Trumps angefragt haben.

Der Hintergrund: Trump und sein Team sollen zufällig von US-Geheimdiensten abgehört worden sein, als diese russische Geschäftsleute im Trump Tower in New York abhörten. Als das Übergangsteam von Trump vor dessen Amtsantritt mit ausländischen Vertretern Kontakt hatte, wurden die Gespräche vom Geheimdienst aufgezeichnet.

US-Geheimdienste dürfen ausländische Offizielle überwachen, nicht aber ihre eigenen Bürger. In den Berichten muss daher die Identität von amerikanischen Staatsbürgern verschleiert werden. In den Dokumenten sind die Namen der Mitarbeiter Trumps aus rechtlichen Gründen zensiert.

Mehrfache Anfragen

Wie Bloomberg am Montag berichtet, soll Rice allerdings mehrfach angefragt haben, dass die wahre Identität hinter Bezeichnungen wie "U.S. Person One" enthüllt wird.

Der Seniorchef des National Security Council, Ezra Cohen-Watnick, habe Rices Vorgehen im Februar entdeckt, heißt es bei Bloomberg unter Berufung auf zwei anonyme Quellen.

Weiteres Futter für Trump

Eine Quelle, die mit dem Inhalt der Berichte vertraut sei, sagte Bloomberg, die Geheimdienst-Berichte würden wertvolle politische Informationen enthalten. Etwa, wen das Trump-Team in der Übergangsphase getroffen habe, was die Mitarbeiter über Außenpolitik dachten und welche Pläne sie für die kommende Amtszeit von Donald Trump geschmiedet hätten.

Die Enthüllungen über Rices Vorgehen sind brisant. Sie dürften dafür sorgen, dass Trump an den Abhör-Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Obama festhält.

Der US-Präsident zitierte am Montag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter einen Bericht der Nachrichtensenders "Fox News": "Es gab eine elektronische Überwachung von Trump und von Personen, die ihm nahe stehen. Das ist noch nie dagewesen."

Was wollte Rice erreichen?

Im Bericht von Bloomberg heißt es aber, dass die neuen Enthüllungen um Rice Trumps Vorwürfe nicht bestätigen würden.

Immerhin wurde der jetzige US-Präsident nicht gezielt oder illegalerweise von der Obama-Regierung abgehört, wie Trump vor rund einem Monat - ebenfalls über Twitter - behauptet hatte.

Rice könne mit ihren Anfragen rechtmäßig gehandelt haben. Das Gesetz erlaube es hochrangigen Beamten, die Namen von zufällig abgehörten Personen aufzudecken - wenn das einen geheimdienstlichen Wert habe. Eine Formulierung, die viele mögliche Begründungen zulasse, so Bloomberg.

Allerdings wirft Rices Handeln eine unangenehme Frage auf: Was wollte sie erreichen? Auch als Sicherheitsberaterin war es eigentlich nicht ihre Aufgabe, nach Verbindungen Trumps zu Russland zu suchen. Das hätte das FBI übernehmen müssen - wie das derzeit auch der Fall ist.

Nunes warnte: Es könnte Demaskierung stattgefunden haben

Die neuen enthüllungen könnten aber zumindest erklären, warum Devin Nunes, der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Trump über Geheimakten informierte - bevor er an die Öffentlichkeit trat. Dabei könnte es sich nämlich um eben jene Akten gehandelt haben, die Rice nun in Bedrängnis bringen.

Mehr zum Thema: Eigentlich soll Devin Nunes gegen Donald Trump ermitteln - stattdessen versorgt er ihn mit geheimen Informationen

Am 22. März hatte Nunes berichtet, dass Gespräche von Trump und seine Mitarbeiter durch routinemäßige Abhöraktionen mitgeschnitten worden seien. "Das ist normales, zufälliges Sammeln", sagte Nunes damals.

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(bp)