Ein weiblicher Imam erklärt: Darum ist das Islamgesetz der CDU überflüssig

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MOSQUE GERMANY
Muslimas in einer Berliner Moschee (Symbolbild) | Andreas Rentz via Getty Images
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  • Mehrere CDU-Politiker wollen mit einem Islamgesetz Parallelgesellschaften bekämpfen
  • Doch was halten liberale Muslime von diesem Vorstoß?
  • Eine der wenigen weiblichen Imame in Deutschland berichtet

Dunkle Hinterhof-Moscheen, fanatische Prediger, rückwärtsgewandte Botschaften: So sieht das Bild des Islams aus, das viele Deutsche – nicht erst seit den neuen Enthüllungen von ARD-Journalist Constantin Schreiber über die gefährlichen Umtriebe in deutschen Moscheen – haben.

Doch es gibt in Deutschland noch einen ganz anderen Islam, den zu viele inmitten der Sensationsgeschichten nicht sehen oder sehen wollen: Den aufgeklärten Islam. Rabeya Müller etwa lebt ihn. Sie ist eine der ganz wenigen weiblichen Imame in Deutschland. In Bonn leitet sie eine muslimische Gemeinde.

In der Huffington Post nimmt Müller Stellung zum geplanten Islamgesetz, mit dem die CDU jetzt Wahlkampf machen will. Sie hält den Vorstoß zur stärkeren Kontrolle muslimischer Gemeinden für überflüssig.

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"Muslime wollen nur, dass Normalität einkehrt"

"Wir sind ein säkularer Staat, von dem alle Religionen gleich behandelt werden sollten. Die Gesetzeslage, die wir haben, halte ich deshalb für ausreichend“, sagt Müller. Sie glaubt, die Diskussion über schärfere Gesetze sei dem "Wahlkampfmodus“ der Parteien geschuldet.

Ohnehin herrsche in Deutschland eine falsche Vorstellung vom Islam. Die muslimische Theologin und Islamwissenschaftlerin sagt: "Meine Erfahrung zeigt mir, dass der durchschnittliche Muslim in Deutschland nichts mit den Vorstellungen zu tun hat, die viele von den Gläubigen haben.“

Die meisten Muslime würden sich nur wünschen, "dass dieser Fokus auf sie und ihre Religion endlich aufhört und Normalität einkehrt".

Imamin ist dafür, Finanzen offenzulegen

Die CDU will unter anderem die Auslandsfinanzierung von Moscheen verbieten. Einen großen Einfluss würde das jedoch nicht haben, glaubt die Imamin. Sie erklärt: "Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung finanzieren sich nur sehr wenige durch Auslandsspenden."

Doch auch Müller spricht sich dafür aus, dass muslimische Gemeinden ihre Finanzen offenlegen. Das könne dabei helfen, Misstrauen abzubauen: "Muslimische Gemeinden finanzieren sich ja durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die meisten Communities hätten kein Problem damit, ihre Finanzen öffentlich zu machen.“

"Deutschland hat noch einen weiten Weg"

Ihre Gemeinde stehe für einen "liberaleren Glauben, als er in vielen Gemeinden gepredigt wird". Als weibliche Imamin weiß Müller jedoch auch, dass viele Muslime in Deutschland noch an sehr konservativen Religionsvorstellungen hängen.

Aber generell seien Muslime in Deutschland konservativer, wie in vielen anderen Ländern. Hierzulande habe sich in den letzten Jahren wenig getan.

Müller sagt: "Das liegt eventuell auch daran, dass viele Muslime gewisse Ängste haben. Sie haben teilweise antiquierte Vorstellungen vom Glauben und Angst, dass ihnen etwas verlorengeht."

Doch diese Angst nehme man den Gläubigen nicht per Gesetz - sondern vielmehr durch Dialog und Aufklärung.

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(ben)