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"Hart aber fair": Krankenschwester klagt schlimme Zustände in Kliniken an – Gesundheitsminister Gröhe hat eine absurde Antwort

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KRANKENSCHWESTER LANGE
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Besser, man bleibt gesund: Bei "Hart aber fair" berichtet eine Krankenschwester von erschreckenden Zuständen in deutschen Krankenhäusern. Titel der Sendung: "Gefahr Krankenhaus – wenig Personal, aber reichlich Keime?"

OP-Schwester Jana Lange beschreibt, dass Krankenhäuser seit der Einführung der Fallpauschale "wie Fabriken" arbeiten. Seitdem werden die Leistungen der Krankenkassen nicht mehr nach der Zeit abgerechnet, die ein Patient auf der Station gelegen hat. Stattdessen bekommen sie für jeden Krankheitsfall einen pauschalen Betrag, der nach einem Schlüssel abgerechnet wird. Für die Krankenhäuser ist das ein Antrieb, Patienten so schnell wie möglich nach Hause zu schicken.

"Ich kann das nicht mehr."

"Der Patient ist eine Ware und muss Geld bringen. Die Patienten werden immer schneller durchgeschleust“, fast Lange die Situation zusammen. Druck, Überforderungen und unbezahlte Überstunden seien die Folge beim Pflegepersonal.

"Ich kann das nicht mehr. Wenn dieses System nicht geändert wird, weiß ich nicht, wie ich diesen Beruf noch guten Gewissens irgendjemandem empfehlen soll", sagt die Krankenschwester.

Unterstützung bekommt sie von "Sportschau"-Moderator Reinhold Beckmann. Der berichtet vom Tod seines sieben Jahre älteren Bruders Wilhelm. Dieser litt an einer Lungenfibrose. "Seine letzte Hoffnung war eine Lungentransplantation", berichtet Beckmann.

Zunächst sei die Operation gut verlaufen. Ein Foto in einem Einspieler zeigt Wilhelm, wie er nach der Operation das Victory-Zeichen macht.

"Dann war sein Körper mit multiresistenten Keimen infiziert"

Doch nachdem er von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt wird, verschlechtert sich sein Zustand. "Dann war sein Körper plötzlich mit multiresistenten Keimen infiziert" worden, so Beckmann. Multiresistent - das bedeutet, dass die Bakterien resistent gegen die meisten Antibiotika sind und somit schwer zu behandeln.

Beckmann macht weder den Ärzten noch dem Pflegepersonal Vorwürfe. Aber der Verdacht steht im Raum, dass sich Wilhelm durch eine Nachlässigkeit eines Arztes oder eines Pflegers infiziert hat.

Beckmann beklagt den miserablen Pflegeschlüssel und die Überlastung der Pfleger. "Das Pflegepersonal ist völlig überarbeitet! Es wird mehr operiert, aber auf der Pflegestation weiter abgebaut. Die Schwestern sind so unter Stress, dass sie natürlich Fehler machen!“ Studien sprechen von 15.000 Menschen, die auf diese Weise in Deutschland pro Jahr sterben, eher sogar 40.000 bis 50.000.

Beckmann weist darauf hin, dass ausgerechnet Ärzte in hygienischen Fragen schlecht geschult seien. Sie würden sich auf Patientenbetten setzen und selten die Hände desinfizieren.

Gesundheitsminister Herrmann Gröhe will für dieses Problem eine Lösung anbieten: "Selbstbewusste Patienten“ sollten den Arzt ermahnen, hygienisch zu arbeiten.

Tablets sollen die Krankenschwestern entlasten

Die Krankenschwester kann da nur den Kopf schütteln. "Stellen Sie sich mal einen selbstbewussten Patienten vor, der vielleicht kurz vor dem Tode steht“, ätzt Lange von Seite.

Auch viele Zuschauer empören sich bei Twitter über den Auftritt Gröhes.

Der will die Überforderung des Pflegepersonals mit Informationstechnologie bekämpfen: "Wir können durch Tablets statt Formulare die Schwestern, die Pfleger, die Ärztinnen und Ärzte entlasten."

Auch für die Überlastung des Personals will Gröhe eine Lösung anbieten. Derzeit werde eine Personaluntergrenze von einer Kommission diskutiert. Kann diese sich nicht einigen, tritt die Politik in Aktion. Verwundert fragt da der Chirurg und Chefarzt Prof. Ulrich Hildebrandt: "Warum entscheiden Sie das nicht selbst?"

Krankenschwester Lange hat selbst die Initiative ergriffen, um die Zustände zu ändern. Sie hat auf Facebook und per Post einen offenen Brief an das Kanzleramt und das Gesundheitsministerium geschrieben. Jeder Krankenhausaufenthalt könne "im Moment zur tödlichen Falle werden", schrieb sie darin.

"Was haben sie denn als Antwort bekommen?", fragt Moderator Frank Plasberg. Die Antwort ist ernüchternd. "Nichts!", sagt Lange. Immerhin habe ihr eine Studentin aus dem Kanzleramt geschrieben.

Ihr Brief würde bearbeitet, schrieb sie.

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(lp)