"Das deutsche Griechenland": "Bild"-Artikel über NRW löst Streit unter Politikern aus

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  • Die "Bild"-Zeitung vergleicht Nordrhein-Westfalen wenig freundlich mit Griechenland
  • Der Chef der Jungen Union findet seinen Gefallen daran - ein SPD-Politiker ganz und gar nicht

Die Redakteure der "Bild"-Zeitung können Griechenland nicht leiden. Wirklich überhaupt nicht.

Jetzt gehen sie sogar dazu über, deutsche Bundesländer mit den "Pleite-Griechen" (O-Ton der "Bild") zu vergleichen. Einen Artikel zum SPD-Wahlkampfauftakt in Nordrhein-Westfalen überschrieb das Blatt mit: "Nordrhein-Westfalen - Das deutsche Griechenland".

JU-Chef: "Das ist Realitätsverlust"

Für Paul Ziemiak, den Vorsitzenden der Jungen Union, offenbar ein gefundenes Fressen. Er fotografierte den Artikel ab und höhnte auf Twitter: "Das deutsche Griechenland .. .und was sagt Hannelore Kraft dazu? Alles richtig gemacht. Das ist Realitätsverlust!"

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Das "Alles richtig gemacht" hatte jedoch die "Bild"-Zeitung der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in den Mund gelegt - um klarzumachen, dass so wohl Krafts trotzige Devise laute - obwohl ihr Bundesland doch so schlecht dastehe - "ähnlich wie Griechenland in der EU".

Die "Bild" zählt auf: NRW ist mit 180 Milliarden Euro "Schuldenkönig" in Deutschland, mit 7,7 Prozent hat es die höchste Arbeitslosenrate im Westen, ein Drittel aller Wohnungseinbrüche geschehe in Nordrhein-Westfalen.

SPD-Bundestagsabgeordneter Kelber schlägt zurück

Das wollte Ulrich Kelber, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Bonn, nicht auf seinem Bundesland sitzen lassen. Er setzte auf Twitter zu einem Faktencheck in Richtung "Bild" und JU-Chef Ziemiak an. "1: NRW hatte 2016 einen Haushaltsüberschuss", schrieb Kelber. Und die Rekordverschuldung des Bundeslandes habe es mit 6 Milliarden Euro unter Schwarz-Gelb gegeben.

Zweitens sei Nordrhein-Westfalen das Land mit den meisten Direktinvestitionen aus dem Ausland in Deutschland. Zudem habe die rot-grüne Koalition mehr Polizisten eingestellt - und deshalb sei die Zahl der Einbrüche endlich zurückgegangen.

Zu guter Letzt sehe der aktuelle Armutsbericht NRW als eines der wenigen Bundesländer ohne steigende Armutsquote.

Ziemiak fiel dazu kein passender Tweet mehr ein, er antwortete Kelber nicht. Ebenso wenig wie die "Bild"-Zeitung. Die hatte ihre Abneigung gegen den Kurs von Nordrhein-Westfalens Landesregierung ja aber auch hinreichend belegt.

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(sk)

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