"Anne Will": Somuncu erklärt, warum er durch Erdogan-Anhänger zum Doppelpass-Gegner wurde

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Der türkischstämmige Satiriker Serdar Somuncu zeigte in der Talkshow "Anne Will" einen überraschenden Gesinnungswandel. Er hat sich von einem Befürworter der doppelten Staatsbürgerschaft zu deren Gegner gewandelt (auch im Video oben).

Den Doppelpass hält er für ein Integrationshindernis. Als Beispiel nannte er das Verhalten der Unterstützer des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan: "In Deutschland zu leben und sich dann auf die Straße zu stellen und zu demonstrieren, für die Todesstrafe in der Türkei und angebliche Demokratie und Menschenrechte, das ist ein Affront gegen die Gastgeber“, sagte er in der Sendung. "Die doppelte Staatsbürgerschaft war ein Fehler“, sagte Somuncu.

"Wissen Sie, ob Sie auf der Liste stehen?"

Somuncu forderte die in Deutschland lebenden Türken auf, sich für eine Staatsangehörigkeit zu entscheiden.

Im Mittelpunkt der Sendung standen auch die Spionage-Vorwürfe gegen den türkischen Geheimdienst MIT. Dieser hatte dem BND eine Liste mit über 300 Namen von Erdogan-Gegnern übergeben, über welche er Informationen haben wollte.

"Wissen Sie, ob Sie auf der Liste stehen?", fragte Moderatorin Will den Kabarettisten Somuncu. "Ich weiß nicht. Woher soll ich das wissen?", gab der zurück. Die Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ateş konnte versichern, dass sie nicht auf der Liste steht - sie habe extra beim BKA nachgefragt.

"Glauben Sie, wenn Erdogan die Schleusen aufmacht, gewinnt Merkel die Wahl?“

Mit seiner Kritik an der doppelten Staatsbürgerschaft fand Somuncu sich noch auf einer Linie mit dem Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak, wieder.

Später gerieten die beiden jedoch aneinander. Ziemiak lobte Merkels besonnenes Vorgehen im Konflikt mit der Türkei. Das habe dazu geführt, dass die AKP ihre Wahlkampfveranstaltungen in Deutschland abgesagt habe. Somuncu sieht es anders: Merkel habe sich durch den Flüchtlingsdeal erpressbar gemacht.

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"Glauben Sie, wenn Erdogan die Schleusen aufmacht, gewinnt Angela Merkel die Wahl?“, fragte er den Chef der Jungen Union. Der hielt dagegen: "Die Türkei ist von uns mindestens ebenso abhängig wie wir von ihr."

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(jg)