Eine interne Brand-Mail aus NRW zeigt, wie schlimm es derzeit um die Grünen steht

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  • Die Grünen in NRW haben eine vielsagende Mail an alle Mitglieder gesendet
  • "Die Lage ist ernst", konstatiert die Parteiführung
  • Auch auf Bundesebene steckt die Partei in einer tiefen Krise
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Sie galten lange als Stimme der Vernunft, als Partei einer gelassenen aber bestimmten Erneuerung. Doch auch die pathologisch ruhigen Grünen verlieren irgendwann die Nerven.

Denn die Öko-Partei droht, das Schicksalswahljahr 2017 völlig zu verschlafen. Keiner anderen politischen Größe in Deutschland gelingt es derzeit, so treffsicher an den Problemen der Menschen vorbeizureden wie den Grünen.

Wie ernst die Lage der Partei ist, zeigt nun eine Brandmail, die die Grünen-Führung in Nordrhein-Westfalen an alle Mitglieder verschickt haben soll.

"Die Lage ist ernst" steht im Betreff des Schreibens, das der "Bild am Sonntag“ vorliegt. Die Mail nimmt dabei nicht nur auf den Tiefflug in NRW Bezug, wo die Partei derzeit bei etwa sieben Prozent weit hinter den Erwartungen liegt.

Auf Bundesebene sieht die Lage kaum besser aus: Im neusten Sonntagstrend der "Bild am Sonntag“ verliert die Partei um das Führungsduo Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt erneut einen Zähler und fällt auf 7 Prozent.

In der "Panik-Mail“, wie die "Bild“ das Schreiben nennt, warnen die NRW-Grünen: "Der schillernde Kanzlerkandidat Martin Schulz verleiht der NRW-SPD Glamour. Christian Lindners Sympathiewerte spülen die FDP nach oben." Das eigene Umfragetief auf Landesebene sei "vom Bundestrend bestimmt“.

Mehr als nur ein Führungsproblem

Das klingt erst einmal so, als sei das Debakel der einstigen Reformpartei vor allem eine Charisma-Krise. Glaubt man dem Projektleiter des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, Thomas Petersen, geht das Problem der Grünen jedoch noch deutlich tiefer.

Mehr zum Thema: "Ihr Wahlkampf-Dilettanten!" - Die Abrechnung eines ehemaligen Grünen-Sympathisanten

Zwar denkt auch Petersen, der Partei fehle ein echter "Spitzenpolitiker“ – was jedoch weit schlimmer sei: Die Partei gelte heutzutage als uncool, vorlaut und unsympathisch.

Die erschütternden Zahlen: Vor sieben Jahren sagten noch 59 Prozent der Menschen, die Grünen seien "in". Die Partei entsprach dem Zeitgeist. Nun sind es nur noch 13 Prozent.

2010 glaubten 43 Prozent der Menschen, die meisten Deutschen mögen die Grünen. Jetzt glauben das nur noch zehn Prozent. Aber woran genau liegt das?

Die Befragten des Allensbach-Instituts, die zumindest teilweise Gefallen an den Grünen fanden, nennen vor allem einen Grund: Die Grünen wollten den Bürgern zu viele Vorschriften machen. 48 Prozent sagten das.

Grüne Realitätsverweigerung

Die Themen der Partei seien dabei nicht einmal das Hauptproblem. Fatal sei vor allem, dass die Partei es nicht schaffe, die angestammten "grünen" Themen glaubwürdig zu vertreten.

Höchste Zeit die grünen Alarmglocken ringen zu lassen – eigentlich. Doch auch in NRW, wo die Brandmail nun zumindest den Anschein von Aufbruchsstimmung erweckt, ist der Denkzettel der Wähler offenbar noch nicht überall in der Partei angekommen.

Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann sagte so noch kürzlich: "Wir glauben, dass wir eine große Chance haben, unser Potential auszuschöpfen, und lassen uns von derzeitigen Stimmungsschwankungen da gar nicht beunruhigen.“ 

(jz)

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