US-Forscher warnt vor der nächsten Finanzkrise: "Vieles läuft genauso wie vorher weiter"

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US-Forscher warnt vor der nächsten Finanzkrise: "Vieles läuft genauso wie vorher weiter" | Getty
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  • Vor zehn Jahren hat die Pleite eines riesigen US-Immobilienfinanzhauses die globale Finanzkrise ausgelöst
  • Zwar haben sowohl die USA als auch die EU seitdem zahlreiche Regulierungen eingeführt
  • Doch vieles würde genauso wie vorher weiterlaufen, warnt der US-Historiker Ferguson

Die letzte Finanzkrise hat am 2. April vor zehn Jahren begonnen. Damals musste New Century Financial Konkurs anmelden, das zweitgrößte US-Spezial-Immobilienfinanzhaus. Damit begann die Pleitewelle, die schließlich erst die Investmentbank Lehman Brothers und dann die halbe Welt in den finanziellen Abgrund stürzte.

Zwar hat die Welt seither viel über Finanzsysteme und ihre Regulierung gelernt - und noch mehr darüber gesprochen. Doch eine solche Pleitewelle könnte jederzeit wieder passieren.

"Niemand sollte so tun, als ob die Regulierung, die man seit 2008 auf beiden Seiten des Atlantik geschaffen hat, das Finanzsystem stabiler gemacht hätte", sagte Niall Ferguson, Historiker an der US-Eliteuniversität Harvard der "Welt am Sonntag".

Vieles läuft wie vorher weiter

Dabei versucht die Politik, genau diesen Eindruck zu erwecken.

Erst am Donnerstag hat der Bundestag die Umsetzung einer EU-Richtlinie beschlossen, die spekulative Exzesse an den Finanzmärkten verhindern und den Turbohandel an der Börse stärker überwachen soll.

Auch seien die Banken nach der Krise durch Gesetze und Verordnungen angehalten worden, größere Kapitalpuffer anzulegen. Doch vieles würde genauso wie vorher weiterlaufen, erklärt Ferguson. Im Blick haber er etwa "die Ratingagenturen, die Derivatemärkte und die überzogene Verschuldung".

Verschärfend kommt hinzu, dass US-Präsident Donald Trump die unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama regulierte Finanzbranche wieder von der Leine lassen will. Trumps Regierung umfasst mehrere Ex-Manager von Hedgefonds und Investmentbanken.

Wohl auch deshalb forderte Trump in einer Anfang Februar unterzeichneten Anordnung die zuständigen Behörden auf, die strengeren Regelungen für die US-Finanzindustrie aus der Zeit der Finanzkrise unter die Lupe zu nehmen.

Der Wille zur gemeinsamen strengeren Bankenaufsicht schwindet

"Auf beiden Seiten des Atlantiks schwindet der Wille zu einer gemeinsamen strengeren Bankenaufsicht", konstatierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") nur wenig später.

Und dann droht noch der Brexit. London - Europas wichtigstes Finanzzentrum - werde versuchen, durch großzügige Regeln die Banken im Land zu halten. Doch wenn die Festlegungen national bestimmt werden, steigt die Gefahr von Schlupflöchern, warnt die "FAZ". Strenge Eigenkapitalvorgaben könnten dann umgangen werden – so wie vor der Finanzkrise.

Mehr zum Thema: Ökonom erhebt schwere Vorwürfe gegen die Banken: "Wie die DDR im Endstadium"

Kredite als "Treibsatz" der nächsten Krise

Wie damals liegt die Hauptgefahr bei den überbordenden Krediten. Diese sind der "Treibsatz", schreibt die "Welt am Sonntag". Und genau wie 2007 seien die Zeichen auch 2017 wieder da: Die meisten Länder würden nur aufgrund riesiger Schuldenberge operieren. Außer in Deutschland steigen fast überall die Verbindlichkeiten.

Extrembeispiel ist die USA: Laut "Welt am Sonntag" sind die Amerikaner mit 3,8 Billionen Dollar verschuldet, allein die Wall-Street steht mit Aktien im Wert von 528 Milliarden Dollar in der Kreide.

Auch für Ferguson bleibt deshalb die entscheidende Frage, "was diesmal das Frühwarnzeichen für die nächste Finanzkrise ist".

Noch kennt er sie nicht. Doch aus der Geschichte weiß er, dass die nächste Krise kommen wird.

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(lp / bp)

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