Gemobbt und attackiert - nach antisemitischen Vorfällen verlässt jüdischer Junge Berliner Schule

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BERLIN JEW
Antisemitisches Mobbing in Berlin - jüdische Eltern nehmen ihren Sohn von der Schule | Reuters
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  • Ein jüdischer Junge ist auf einer Berliner Schule offenbar Opfer von antisemitischem Mobbing geworden
  • Über den Vorfall berichtete zuerst die britische Zeitung "Jewish Chronicle"
  • Mittlerweile haben die Eltern den Jungen von der Schule abgemeldet

Die Klassenkameraden haben sich von Freunden zu Feinden gewandelt. So beschreibt die in London erscheinende jüdische Wochenzeitung "The Jewish Chronicle" den Mobbingfall eines 14-Jährigen in Berlin-Friedenau.

Brisant: Die Gängeleien und Attacken gegen den Junge hätten erst begonnen, als seine Klassenkameraden herausbekamen, dass er jüdischer Herkunft ist. So habe ein Mitschüler gesagt, er sei zwar "ein cooler Typ", aber er könne nicht mehr mit ihm befreundet sein. Als Begründung sagte er: "Alle Juden sind Mörder".

Nach vier Monaten nehmen die Eltern ihren Sohn von der Schule


In der Folgezeit sah sich der 14-Jährige zunehmend antisemitischen Angriffen verbaler als auch körperlicher Art ausgesetzt.

Laut seiner Mutter wurde er von seinen Mitschülern an einer Bushaltestelle angegriffen und sei fast erdrosselt worden. "Ein Junge zielte mit einer Spielzeugpistole auf ihn, die wie eine echte Waffe aussah." Die umstehenden Kinder hätten dabei gelacht.

Nach dieser Attacke, vier Monate nach Beginn des Mobbings, habe die Familie ihren Sohn von der Schule abgemeldet, erklärte die Mutter der Zeitung.

Sie berichtet auch, dass sie ursprünglich von der Schule, der Friedenauer Gemeinschaftsschule, angetan gewesen sei.

Auf die Schule gehen viele Kinder mit arabischen oder türkischen Migrationshintergrund.

Die Mutter habe sich auch den Schuldirektor gewandt, um die Schüler über Antisemitismus, Islamophobie und anderen Formen von Fremdenfeindlichkeit aufzuklären. Der Direktor habe aber nichts unternommen.

Schule hat Strafanzeige erstattet

Nachdem der Fall öffentlich wurde, nahm die Schule auf ihrer Webseite Stellung: "Zunächst einmal möchten wir unser Bedauern und Entsetzen kundtun, dass ein Schüler in seinem Schulalltag an unserer Schule Antisemitismus erfahren musste."

Seit 2016 nehme die Schule am Programm "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" teil. "Der aktuelle Fall ist der erste, bei dem das Kollegium der Friedenauer Gemeinschaftsschule das Problem des Antisemitismus wahrgenommen hat", heißt es in dem Schreiben der Schulleitung.

Gegen die beteiligten Schüler habe man Strafanzeige erstattet. Zudem bemüht sich die Schule, dass die Täter die Schule verlassen müssen.

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(lp)

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