Münchner Kinderklinik will für nie stattgefundene Untersuchungen an mittlerweile toten Kindern abkassieren

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Hospital corridor and doctor as a blurred defocused background | sudok1 via Getty Images
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Für Eltern gibt es kein schrecklicheres Erlebnis, als ein Kind zu verlieren. Der Schmerz verschwindet mit den Jahren nicht, sondern wird höchstens ein bisschen leiser.

Umso größer muss der Schock für mehrere Familien gewesen sein, als sie horrende Rechnungen von einer Klinik erhielten: Für Untersuchungen, die niemals stattgefunden hatten - an ihren Kindern, die mittlerweile verstorben waren.

Die Kinderklinik des Schwabinger Krankenhauses in München hat in den letzten Monaten nach Informationen der "tz" mehreren Eltern Rechnungen wegen angeblich stattgefundener Untersuchungen an deren Kindern zugeschickt. Dabei sollen sich die Summen auf teilweise mehr als 10.000 Euro belaufen haben.

Teilweise liegt der Tod dieser Kinder schon viele Jahre zurück.

Als Begünstigter der Rechnungen war der Direktor des Krankenhauses, Professor Stefan Burdach, angegeben. Die Rechnungen sollen laut "tz" von einem Medizin-Abrechungs-Dienstleister verschickt worden sein,

Die Briefe rissen kaum verheilte Wunden wieder auf

Die unvermittelt auftauchenden Briefe haben laut "tz" bei den Eltern kaum verheilte Wunden wieder aufgerissen. Auch war wohl der Schrecken groß: Die Eltern wussten nicht, wie sie diese Rechnungen bezahlen sollten.

Einige von ihnen seien jedoch misstrauisch geworden und hätten deshalb überprüft, ob diese Untersuchungen tatsächlich stattgefunden hatten. So erzählte es auch Lucie S. der Zeitung: Die 63- jährige hat vor dreieinhalb Jahren ihren Sohn Ilja verloren. Der Junge war noch keine 17 Jahre alt, als er an Krebs starb.

Die Rechnungen sind ein grausamer Betrug

Wie sie der "tz" sagte, war ihr die Rechnung allerdings merkwürdig vorgekommen. 25 Tage vor dem Tod ihres Sohnes sollte angeblich eine kostspielige Untersuchung stattgefunden haben. Doch die 63-jährige erinnert sich noch genau an die letzten Wochen ihres Kindes und weiß, dass zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, dass Ilja nicht überleben würde.

Daher hätten die Eltern auch keine Behandlungen und Untersuchungen mehr vornehmen lassen, um dem Jungen weiteres Leid zu ersparen. Der Brief ist damit nicht nur ein grausames Versehen, sondern vielmehr Betrug.

Die Klinik spricht von einem "administrativen Versehen"

Auf eine Anfrage der “tz” an die Kinderklinik Schwabing und deren Direktor berief sich dieser auf ein “administratives Versehen”, denn die Behandlungen seien unentgeltlich vorgenommen worden. Ein betroffener Vater habe sich Mitte März bei Burdach gemeldet und von der Rechnung berichtet.

Burdach schreibt: „Ich ­habe mich am 15.03.2017 bei ihm ­persönlich fernmündlich und schriftlich entschuldigt, sowie unverzüglich eine Stornierung aller Rechnungen veranlasst. Es gibt derzeit also keine offenen Forderungen meinerseits.“

Noch ist unklar, wie viele falsche Rechnungen verschickt wurden

Allerdings ist der "tz" zufolge nach wie vor unklar, wie viele Rechnungen dieser Art überhaupt verschickt wurden und wieviele Menschen dadurch in Schrecken versetzt wurden.

Bei den bekannten Betroffenen gingen nach deren Angaben die Stornierungen der Rechnungen zudem erst vor wenigen Tagen ein. Dabei hätte der Abrechnungs-Dienstleister schon vor Wochen reagieren können.

Auch wenn die Familien wohl erleichtert sind, dass sich die Angelegenheit nun endlich geklärt hat, sind doch alte Wunden wieder aufgerissen. Es wird lange dauern, bis der Schrecken und der Schmerz weniger heftig zu spüren sind.

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