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01/04/2017 12:58 CEST | Aktualisiert 01/04/2017 15:54 CEST

US-Professor will die Demokratie revolutionieren - und Ungebildete nicht mehr wählen lassen

Teh Agenda with Steve Paikin/youtube
Der Philosoph Jason Brennan beschäfitgt sich mit Demokratietheorie

  • Der US Wissenschaftler Jason Brennan stellt die Funktionalität von Demokratie infrage

  • Uninformierten Wählern sollte das Wahlrecht entzogen werden

  • Die Politik braucht ihm zufolge eine neue Verteilung der Macht

“Tanz der Trottel” - so bezeichnet Jason Brennan, Professor für Philosophie an der Georgetown Universität in Washington den Wahlsieg von Donald Trump. Derzeit provoziert der Wissenschaftler mit seinem Buch “Gegen Demokratie”.

Im Interview mit dem Magazin “Der Spiegel” erläutert der Wissenschaftler eine steile These, die nicht jedem gefallen dürfte. Brennan hält die aktuelle Form der Demokratie in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr für zeitgemäß.

Er ist der Ansicht: Wähler, die nicht genug über Politik wissen, sollten von den Wahlen ausgeschlossen werden. Allerdings lässt Brennan offen, wie diese Einteilung geschehen oder soll.

Der Wähler hat meistens keine Ahnung von Politik

Ihm zufolge kann der durchschnittliche Wähler bereits einfache politische Fragen oft nicht beantworten. "Die Wähler wissen nicht, ob die Arbeitslosenquote zunimmt oder abnimmt und sie haben nicht ansatzweise einen Schimmer, wie hoch sie ist", schimpft Brennan.

Daher sei es besser, wenn sich Experten mit komplexen Problemen auseinandersetzen - ohne dass der unwissende Wähler ihnen hineinpfusche.

Das demokratische System bietet zu wenig Anreiz, sich zu informieren

Brennan bemängelt aber auch das demokratische System: Die Stimme des unwissenden Wählers bewirkt genauso viel wie die Stimme desjenigen, der sich eingehend informiert hat.

Daher fehlt gewissermaßen auch der Anreiz für den Einzelnen, sich politisch auf dem Laufenden zu halten. “So ist es auch in der Demokratie: Sie gibt mir den Anreiz, uninformiert zu sein.”

Der Politiker soll gemeinhin stellvertretend für die Meinung seiner Wähler stehen. Das System funktioniert Brennan zufolge deshalb, weil sich die Politiker meistens auf die Seite des informierten Wählers schlagen. Brennan nennt hier Obama und Kennedy als Beispiele.

Paradebeispiel eines amerikanischen Präsidenten, der sich wiederum eher nach der Meinung des uninformierten Wählers richtete, sei allerdings George W. Bush.

Die Wähler sind meistens "Hobbits" oder "Hooligans"

Brennan teilt die Wähler in drei verschiedene Kategorien. “50 Prozent der Wähler sind Hobbits, sie interessieren sich nicht groß für aktuelle Ereignisse, sie interessieren sich für ihr zweites Frühstück und wollen entspannen.”

Als weitere Kategorie nennt er die “Hooligans”. Diese sind zwar interessiert, aber eher wie Fußballfans "parteiisch eingefärbt".

Die dritte Wählerkategorie sind die von ihm als “Vulkanisten” bezeichneten Wähler. Diese entschieden komplett rational und leidenschaftslos. Der “Vulkanist” sei allerdings eher als Ideal zu verstehen, welches in der empirischen Wählerschaft kaum vertreten ist.

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Mehr Macht den "Wissenden"

Vielmehr prognostiziert Brennan: Je länger wir uns mit Politik beschäftigen, desto mehr werden wir zu Hooligans. Seine Idee für eine sinnvolle Politik ist deshalb, den “Wissenden” mehr Macht zukommen zu lassen.

Besser als die uninformierten Wähler komplett auszuschließen wäre es, die Stimmen der Informierten stärker zu gewichten.

Größter Kritikpunkt: Brennan bleibt bei seine Methode schuldig, wie er die Gebildeten von den Ungebildeten unterscheiden will.

Die Demokratie ist mehr ein Ideal als Realität

In den Köpfen vieler Menschen sei das Bild einer idealen Demokratie verankert, in der Menschen informiert miteinander argumentieren. Tatsächlich neigten Menschen in der Realität jedoch dazu, sich auf ihre eigene Position zu versteifen.

“Wenn man an Fairness interessiert ist, braucht man ein Zufallssystem, wie bei den alten Griechen. In der athenischen Demokratie wurde nicht viel gewählt, sondern Ämter wurden mit zufällig ausgewählten Bürgern besetzt.”

Umgesetzt in der Moderne könnte das bedeuten: Menschen Anreize geben, sich zu informieren und ihre Kompetenz zu schulen, um ihnen dann als Belohnung mehr Einfluss zu geben.

Dem "Spiegel" sagte Brennan abschließend: “Es würde sich lohnen, solche Werkzeuge zu nutzen. Die Demokratie ist kein heiliger Wert, sie ist ein Hammer, ein Werkzeug, das Ergebnisse bringt. Wenn wir ein besseres Werkzeug finden, sollten wir es nutzen.”

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(mf)

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