POLITIK
31/03/2017 08:26 CEST | Aktualisiert 31/03/2017 11:32 CEST

"Maybrit Illner": Erdogan-Anhänger präsentiert Postfaktisches - bis das Publikum nicht mehr kann

Der jüngste türkische Geheimdienst-Skandal bietet genug Gesprächsstoff. "Erdogans langer Arm – türkische Spione in Deutschland?", war der Titel der ZDF-Sendung.

Der türkische Geheimdienst MIT hatte dem deutschen BND eine ominöse Liste mit 300 Namen gegeben. Der MIT betrachtet diese als Gülen-Anhänger und wollte Informationen über sie von den deutschen Kollegen haben.

Doch die dachten gar nicht daran – stattdessen warnten sie die Betroffenen.

"Sie müssen mich nicht von allen Seiten anmachen!"

Haluk Yildiz nannte die Diskussion um türkische Spione in Deutschland eine "Scheindebatte". Er vertritt eine Bonner Kleinstpartei, die sich Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit nennt, kurz BIG.

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Yildiz ist erklärter Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Deutschen versuchten im Super-Wahljahr von innenpolitischen Problemen abzulenken, indem man die Türkei kriminalisiere, behauptete er.

Seine Taktik: Jeden Vorwurf, der von deutscher Seite gegen die Türkei gemacht wurde, gab er einfach wieder zurück. Postwendend. "Da werden einfach so Sachen in den Raum geschmissen", sagte er. Und überhaupt: "Sie müssen mich nicht von allen Seiten anmachen!"

Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom gab an, dass es sich bei dem Putsch in der Türkei nach einer Analyse der CIA um einen Pseudo-Coup gehandelt habe, den Erdogan veranstaltet habe, um einen echten Putsch zu verhindern. Eine Steilvorlage für Yildiz. Der konterte, um eine Antwort nicht verlegen: "Weil die CIA mitgemacht hat!" Zusammen mit den Gülen-Anhängern - natürlich.

"Deutschland sitzt im Glashaus!"

Und Deutschland sei sowieso ein Rückzugsort für PKK-Terroristen, das Land "sitzt im Glashaus!" Denn seit vielen Jahren spioniere Deutschland in Wahrheit die Türkei aus.

Als Moderatorin Illner vom Geheimdienstexperten wissen wollte, wie man mit einem Land, das immerhin Nato-Partner sei, auf diese Weise auf Geheimdienstebene zusammenarbeiten könne, warf Yildiz beleidigt ein: "Das müssen sich die Türken eigentlich fragen".

Denn auch die Türkei werde von den Deutschen ausspioniert, von 1974 bis heute. Das war zu viel des Postfaktischen für das Publikum. Es quittierte Yildiz Worte mit Johlen und Lachen. Die Szene seht ihr im Video oben.

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(mf)

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