"Erpressungsversuch": Petry droht den gleichen Fehler zu machen, der einst Lucke den AfD-Vorsitz kostete

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FRAUKE PETRY
Leader of the German right wing party AFD (Alternative for Germany) Frauke Petry speaks during a press conference to launch the party's election manifesto in Berlin on March 9, 2017. / AFP PHOTO / Odd ANDERSEN (Photo credit should read ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images) | ODD ANDERSEN via Getty Images
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In der AfD stoßen die Erwägungen der Vorsitzenden Frauke Petry, sich aus der Politik zurückzuziehen, auf Kritik.

In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" hatte Petry von einem möglichen Rückzug aus der Politik gesprochen. Sie hatte in dem Gespräch gesagt: "Weder die Politik noch die AfD sind für mich alternativlos."

Ihre Äußerungen wecken Erinnerungen an die letzten Wochen ihres Vorgängers Bernd Lucke als AfD-Vorsitzender. Der hatte versucht, mit Rücktrittsandrohungen die Partei hinter sich zu einen - was sich als Fehler herausstellte.

Die AfD-Kollegen reagieren gereizt. Partei-Vize Alexander Gauland nannte Petrys Äußerungen "nicht gut durchdacht". Er glaube nicht, dass Petry sich wirklich zurückziehen wolle, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel".

"Dazu sage ich nichts"

"Ich nehme das nicht ernst", so Gauland. Unterstützung erhält Petry vom Berliner Landesverband. AfD-Landeschef Georg Pazderski sagte dem Tagesspiegel: "Frauke Petry steht in der ersten Reihe der deutschen Politik und genau dort gehört sie auch hin."

Petrys Sprecher Oliver Lang sagte gegenüber der "FAZ": "Da ist nichts dran." Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen sagte der Zeitung nur vier Worte: "Dazu sage ich nichts."

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sprach von einer grotesken "Zerstrittenheit der AfD". Nun erwäge die Vorsitzende, als Erste das sinkende Schiff zu verlassen. Die SPD werde weiter dafür kämpfen, dass die AfD nicht in den Bundestag komme – "egal ob mit Frau Petry oder ohne", sagte Oppermann dem Tagesspiegel.

Ist es ein "Erpressungsversuch"?

Petry, die im Frühsommer ihr fünftes Kind erwartet, hatte dem Berliner "Tagesspiegel" gesagt, die vergangenen vier Jahre in der AfD hätten für sie persönlich einen "enormen Kraftaufwand" sowie den "Abschied von einem geregelten Leben" bedeutet.

In der Partei wird nun darüber spekuliert, was Petry mit dieser Aussage bezwecken wollte - immerhin war das Interview mit dem "Tagesspiegel" von ihr autorisiert worden. Es könnte sein, dass sie die Partei mit den Rückrittsgerüchten unter Druck setzen möchte. Ein ranghoher AfD-Vertreter sprach gegenüber dem "Tagesspiegel" von einem "Erpressungsversuch" Petrys.

Ein ähnliches Vorgehen wählte damals Bernd Lucke, als er unter Druck stand. Im Mai 2015 kamen Gerüchte auf, dass der damalige Vorsitzende zurücktreten wolle. Diese wurden bewusst gestreut.

Lucke war damals das bekannteste Gesicht der AfD und befand sich in ständigem Streit mit dem rechten Flügel der Partei um Frauke Petry. Die Andeutungen eines möglichen Rücktritts sollten die Partei wieder auf Linie bringen - eine AfD ohne Lucke konnte sich damals kaum jemand vorstellen.

Tatsächlich aber kosteten ihn die Drohungen das Amt des Parteivorsitzenden. Nur zwei Monate später trat er tatsächlich zurück. Und Frauke Petry übernahm. Nun ist Petry in der gleichen Lage wie früher Lucke - und macht vielleicht den gleichen Fehler.

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(ks)

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