Jeden Morgen schleicht sich der Vater ins Zimmer seiner Tochter - sie ahnt nicht, was er dort tut

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Die Australierin Gemma Walker hat einen langen und steinigen Weg hinter sich. 23 Jahre lang litt sie an extremer Magersucht. Nur durch den Rückhalt ihrer Familie, insbesondere ihres Vaters, konnte sie überleben. Heute wirkt die junge Frau wie verwandelt (die bewegenden Aufnahmen seht ihr im Video oben).

Bereits als Teenager entwickelte Gemma eine Magersucht. Als sie mit 14 Jahren nun noch circa 28 Kilogramm wog, kam sie umgehend ins Krankenhaus.

Die dortigen Ärzte warnten sie vor ihrem lebensbedrohlichen Zustand. Man müsse ihr umgehend helfen.

"Ich fühlte mich innerlich wie abgestorben"

Nach der ernsten Diagnose kam Gemma mehrmals ins Krankenhaus, einmal davon sogar direkt in die Notaufnahme, zweimal in die psychiatrische Abteilung.

Das Prozedere ging sieben ganze Jahre so. "Ich fühlte mich innerlich wie abgestorben. Ich verlor komplett das Zeitgefühl und hoffte jeden Tag, einfach friedlich im Schlaf zu sterben“, sagte sie gegenüber der britischen Zeitung "Daily Mail“.

Doch selbst in dieser lebensbedrohlichen Situation versuchte Gemma den Ärzten etwas vorzutäuschen. Sie aß nach wie vor nichts und legte heimlich Gewichte an ihre Knöchel, wenn sie gewogen wurde. Und es kam schlimmer.

Zusätzlich zu ihrer extremen Magersucht, entwickelte sie ein autoaggressives Verhalten: Sie begann sich selbst zu verletzen.

Ihr Vater erinnert sich noch gut, wie schmerzvoll diese Zeit für Gemma, aber auch für ihn selbst und sein Frau war: "Sieben Jahre ist eine verdammt lange Zeit, deine Tochter leiden zu sehen. Eine lange Zeit, in der sich dein Kind wie benommen fühlt, ohne Stimme, ohne Persönlichkeit. Gefangen in dieser tödlichen, besitzergreifenden Sucht.“

Ihr Vater Steve entwickelte mit der Zeit ein allmorgendliches Ritual: Nachdem er aufgestanden war, schlich er sich in ihr Zimmer und überprüfte, ob seine Tochter noch atmete.

"Manchmal saßen wir einfach nur auf dem Boden neben ihrem Bett, um bei ihr zu sein. Wir konnten nichts machen“, sagt er.

Doch wie durch ein Wunder, schien sich plötzlich alles zum Besseren zu wenden. Gemma fing wieder an zu essen.

Doch das Glück sollte nur von kurzer Dauer sein. Sie aß plötzlich riesige Mengen, teilweise bis zu 6500 Kalorien in weniger als 20 Minuten, um gleich danach sofort wieder alles zu erbrechen.

Gemma kam von einem Extrem ins andere: Ihre Magersucht avancierte zur Fresssucht.

"Mein Weg der Besserung war sehr traumatisch“, erzählt Gemma. "Die Menschen glaubten, nur weil ich gesünder aussah, sei ich es auch. Die chronische Fresssucht, die Bulimie, bekämpfte ich noch 18 lange Monate. Es hatte sich komplett ins Gegenteil verkehrt. Von meinen strengen, obsessiven Regeln hin zum totalen Kontrollverlust.“

In dieser Zeit verdreifachte Gemma ihr Körpergewicht.

Die Familie und ihr Freund retteten ihr Leben

Dann brachte ihr Vater sie auf eine Idee: Sie sollte einen Abschiedsbrief an ihre Magersucht schreiben. Das tat sie – und bewahrte den Brief sechs Jahre lang in einer Schublade auf. Immer wenn es ihr schlecht ging, holte sie den Brief aus der Schublade heraus.

Später erhielt sie auch Unterstützung von ihrem Freund. "Er ist der Grund warum ich noch am Leben bin“, sagt Gemma.

Mit Leidenschaft und Willensstärke zum Ziel

Schließlich schaffte es Gemma ihre schreckliche Krankheit hinter sich zu lassen. Inzwischen hat sie ein neues, gesundes Kapitel in ihrem Leben aufgeschlagen.

Um ihre unglaubliche Verwandlung zu feiern und mit anderen Menschen zu teilen, hat sie die Fotos von ihrem neuen "Ich“ online gestellt.

Mittlerweile hat sie sogar ihre eigene Kosmetikartikel-Produktlinie entwickelt. Dadurch hat sie entdeckt, welch eine Leidenschaft und Willensstärke in ihr schlummern.

Den Kampf gegen Magersucht und Bulimie hat sie erfolgreich gewonnen – auch wenn es ein langer und steiniger Weg für sie war.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(ks)