Bestechungs-Skandal: Chinesische Agenten kauften Informationen von hochrangiger US-Diplomatin

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CHINA
Ein Bestechungs-Skandal in China zeigt, mit welchen Methoden ausländische Agenten US-Diplomaten manipulieren | Getty
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  • Der US- und der chinesische Staatschef werden in der kommenden Woche zusammenkommen
  • Ein Bestechungsskandal könnte das Treffen überschatten: Eine US-Diplomatin soll jahrelang Geld und Wertgegenstände von chinesischen Agenten angenommen haben
  • Der Fall könnte Trumps Vertrauen in die eigenen Geheimdienste noch mehr belasten

Es geht um Zehntausende US-Dollar Bargeld und wertvolle Geschenke. Ein großer Bestechungsskandal erschüttert gerade das US-Außenministerium. Ausgerechnet kurz vor dem ersten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping wird eine US-Diplomatin schwer belastet.

Candace Marie Claiborne soll über fünf Jahre lang Bestechungsgelder von chinesischen Geheimdienstlern angenommen haben. Laut Strafanzeige des US-Justizministerium wird ihr vorgeworfen, regelmäßigen Kontakt mit zwei Chinesen gehabt zu haben, während sie für das US-Außenministerium in China und anderen Staaten arbeitete.

Claiborne soll gewusst haben, dass die zwei Männer chinesische Sicherheitsbeamte waren. Im Austausch für US-Geheimnisse soll sie Geld und andere Annehmlichkeiten erhalten haben. Vor US-Sicherheitsbehörden verschwieg sie die Kontakte.

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Diplomatin mit Top-Secret-Einstufung

Mindestens 3000 Dollar und zahlreiche Wertgegenstände, wie ein iPhone und ein MacBook, soll die 60-Jährige eingesteckt haben. Ein Großteil der Bestechungsgelder und Leistungen gingen zudem an einen etwa 30-jährigen Mann, mit dem Claiborne in Peking und Shanghai zusammengelebt hatte.

Die chinesischen Agenten sollen demnach die Gebühren für eine Modeschule, Mietkosten, Flugtickets, einen Thailand-Urlaub und sogar monatliche Aufwände bezahlt haben.

Pikant: Claiborne ist Angestellte des US-Außenministerium, sie ist in die höchste Geheimhaltungsstufe eingereiht, wie die mit dem Fall betraute Bundesstaatsanwältin Mary B. McCord mitteilte.

"Claiborne nutzte ihre Position und ihren Zugang zu sensiblen diplomatischen Daten für einen persönlichen Gewinn", erklärte McCord. Sie habe die nationale Sicherheit gefährdet. Allerdings geht aus der Strafanzeige kaum hervor, was genau Claiborne den Chinesen geliefert haben soll.

Das FBI nahm die Diplomatin am Dienstag fest. Sie soll finanzielle Probleme gehabt haben.

"China und die USA werden großartige Partner"

Das chinesische Außenministeriums teilte derweil mit, dass es bisher den Fall nicht kenne. Experten erwarten keine oder kaum negative Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen China und den USA unmittelbar vor dem Treffen zwischen Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping am 6. und 7. April.

Trump hatte besonders im Wahlkampf eine härtere Gangart gegenüber Peking signalisiert. Zuletzt hatte er sich versöhnlich gezeigt. Zuletzt schlug der US-Präsident aber wieder einen anderen Ton an.

Chinas Vizeaußenminister ließ sich aber nicht provozieren. In ihren beiden Telefonaten seien sich Trump und Xi Jinping einig gewesen, "dass China und die USA durch Kooperation großartige Partner werden könnten", sagte Zheng Zeguang. Sie sollten "sorgsam mit heiklen Themen umgehen".

Beide Präsidenten sehen die bevorstehende Begegnung in Florida als "einen neuen Ausgangspunkt" für die Beziehungen.

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"Der Fall ist zu klein, Claiborne war nur eine niederrangige Diplomatin. Alles was sie geleakt hatte, würde nur sehr begrenzt sein", glaubt Ren Xiao im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Der Professor für Internationale Beziehung an der Fudan Universität in Shanghai sagte aber auch, dass der Bestechungsskandal Trumps Verhältnis zu den eigenen Geheimdiensten weiter belasten könne.

Denn zur Zeit ermittelt das FBI, inwiefern Trumps Gefolgsleute während des US-Wahlkampf in Kontakt mit der russischen Regierung standen.

Trumps Ex-Berater Flynn zur Aussage bereit

Die Ermittlungen bekamen am Donnerstag zusätzliche Schärfe. Denn der frühere Nationale Sicherheitsberater der USA, Michael Flynn, soll zu einer Aussage über die angeblichen Verbindungen bereit sein.

Flynn war im Februar zum Rücktritt als Sicherheitsberater gezwungen worden, weil er noch vor Amtsantritt von US-Präsident Trump mit dem russischen Botschafter Gespräche über Sanktionen geführt und dies verheimlicht hatte.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" verlangt Flynn für sein Erscheinen vor den Geheimdienstausschüssen des Kongresses aber Immunität, also einen garantierten Schutz vor Strafverfolgung.

Für Claiborne war dieser Schritt bereits zu spät - auch deshalb, weil die Beweislast erdrückend ist.

Anders sieht es noch für die Beweise gegen Trumps Team aus. Doch womöglich könnte Flynn - im Falle einer Aussage - gänzlich neue Fakten schaffen - und damit den US-Präsidenten in Bedrängnis bringen.

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(Mit Material der dpa)

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(ks)

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