Weil er nicht befriedigt war: Vergewaltiger wird nicht zur Rechenschaft gezogen

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Ein Richter spricht einen mutmaßlichen Vergewaltiger frei - die Gründe empören die Bürger und sind skandalös | AndreyPopov via Getty Images
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  • Ein Richter in Mexiko wird suspendiert - er hatte in einem fragwürdigen Urteil einen Vergewaltiger freigesprochen
  • Der Freispruch hat in Mexiko heftige Proteste ausgelöst
  • Bis zur Überprüfung des Urteils sitzt der Angeklagte jetzt in Haft

In der Silvesternacht zum Jahr 2015 ist ein Mädchen in der mexikanischen Stadt Veracruz sexuell missbraucht worden. Ein 21-jähriger Mann und drei weitere Beteiligte zerrten das 17-jährige Mädchen mit Gewalt in ein Auto. Dem mutmaßlichen Täter und den drei Mittätern wurde im Gerichtsprozess vorgeworfen, das Mädchen in dem Auto wiederholt angefasst und sie dann in einem Haus vergewaltigt zu haben.

Im Prozess stritten die Männer jegliches Fehlverhalten hab, der zuständige Richter gab ihnen letztendlich Recht und sprach die Männer frei. Das Urteil begründete der Richter Anuar González damit, dass in dem vorliegenden Fall nicht von einer sexuellen Handlung gesprochen werden könne.

Es wäre lediglich ein “zufälliges Reiben” gewesen und die Männer hätten dabei nicht die Absicht gehabt, ihren sexuellen Drang zu befriedigen. Der Richter sagte auch, dass die 17-Jährige sich von den Männern leicht hätte befreien können.

Ein Aufsichtsgremium prüft den Richter und das Urteil

Das Urteil des Richters und seine Begründungen schockiert Mexiko. Ein juristisches Aufsichtsgremium hat Richter González mit sofortiger Wirkung suspendiert. Das Gremium sorgt laut dem Nachrichtenportal “Spiegel” in Mexiko dafür, dass die Unabhängigkeit der Gerichte bewahrt wird und die Richter neutral und fair urteilen.

In diesem Fall gab es bekannt, dass das berufliche Verhalten des Richters erst einmal geprüft werde. Auch das Urteil wird von einem anderen Gericht geprüft, der mutmaßliche Vergewaltiger bleibt bis dahin in Haft.

Der Richter Anuar González hat den Angeklagten mutmaßlich auch deshalb freigesprochen, weil dieser aus einer wohlhabenden Familien stammt. Die Aufsichtsbehörde befürchtet, dass der Richter den reichen Angeklagten anders behandelt habe als den Rest der Gesellschaft, berichtet der “Spiegel”.

Bürger und Frauenrechtler sehen in dem Urteil einen Skandal

Die mexikanische Frauenrechtlerin Estefanía Vela Barba ist besonders empört über den Freispruch: “Er hat sie sexuell berührt, aber weil er keinen Spaß hatte, ist es kein sexueller Missbrauch?”

Auch viele mexikanische Bürger empfinden das Urteil als Skandal. In der mexikanischen Küstenstadt Veracruz gibt es immer wieder öffentliche Demonstrationen, bei denen Menschen Gewalt gegen Frauen anprangern.

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(jg)

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