Warum diese Menschen im TV nackt über den Boden robben müssen, kann nur Sat1 erklären

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Beschämende Szene aus "Nacktes Überleben": Eine Frau robbt nackt über den Fußboden. | Sat1 / Screenshot
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Was manche Menschen in Kauf nehmen, um sich vor laufenden Kameras der Republik zu präsentieren, ist durchaus bemerkenswert. So zum Beispiel die Teilnehmer der Sat1-Sendung "Nacktes Überleben“.

Sie durften 30 Tage lang auf alles verzichten – sogar ihre Kleidung - um sich anschließend von der deutschen Fernsehlandschaft auslachen zu lassen.

Nackte Menschen als Verkaufskonzept

Sechs Kandidaten ziehen blank und "Sat1" hält die Kamera drauf – welch ein Konzept. Am ersten Tag der Sendung sackte "Sat1" zunächst sämtliche Gegenstände der Teilnehmer ein – inklusive ihrer Kleidung.

Peu à peu durften sich die Nackten dann täglich einen Gegenstand zurückholen. Der tiefere Sinn der voyeuristischen Maßnahme sollte laut dem TV-Sender ein "Konsum-Verzicht-Experiment“ sein.

Insgesamt fünf Teilnehmer entblößten sich mit teils errötetem Köpfen und ließen ihre Wäsche in den Umzugskartons verschwinden.

Fremdschäm-Momente sind dem Zuschauer garantiert

Besonders hart schien dieser Schritt für WG-Bewohnerin Claire zu sein. Am Tag des "Experiments“ klagt die 24-Jährige über Bauchschmerzen. Der Fernsehsender lässt Gnade walten und Claire muss sich erst am zweiten Tag ausziehen. Diesmal jedoch vor den Augen ihrer bereits nackten Mitbewohner.

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Szene aus der Sendung "Nacktes Überleben": "Ein gescheitertes Experiment"

Die Szene wirkt unangenehm und berührend – am liebsten möchte man umschalten. Während Claire verschüchtert im gähnend leeren Wohnraum steht, lehnen ihre Mitbewohner Marcel und Martin über einem Tresen und starren sie an.

"Umdrehen“, erbittet sich die 24-Jährige und zieht sich sichtlich peinlich berührt aus.

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Ein gescheitertes Experiment - auf Kosten der Teilnehmer

Doch der Höhepunkt der Erniedrigung folgt noch: Claire robbt splitternackt hinter einem Umzugskarton auf dem Po über den Boden. Nach einer gefühlten Ewigkeit hat der Fernsehsender Erbarmen und macht einen harten Schnitt.

Kurz darauf ist die Kamera jedoch wieder auf Claire gerichtet. Diesmal liegt sie in der Badewanne und bedeckt ihre Scham mit Toilettenpapier. Ihr Mitbewohner Martin, ebenfalls nackt, sitzt auf dem Klodeckel und redet seiner Leidensgenossin Mut zu.

Auch wenn der Ansatz des "Konsum-Verzicht-Experiment“ durchaus diskutabel klingen mag, so ist leider etwas vollkommen anderes dabei herausgekommen: ein Exkurs in die Abgründe des deutschen Fernsehens.

Das Format "Nacktes Überleben“ ist besonders auch deswegen inhaltlich gescheitert, weil es im Kern nicht um das Überleben selbst geht, sondern lediglich darum, einer geifernden Masse möglichst viel nackte Haut, unzählige Fremdschäm-Momente und unterschwellige Herabwürdigungen von Frauen in die heimischen Wohnzimmer zu strahlen.

Die Erkenntnis ist ernüchternd

Am Ende der Sendung ist die Erkenntnis von den Sat1-Moderatoren wenig überraschend: Alle Teilnehmer haben viel mehr Gegenstände als sie eigentlich brauchen. Holten sich in den ersten Tagen die Teilnehmer alle das gleich aus den Containern (also vornehmlich Kleidung um nicht weiter nackt zu sein), haben sie gegen Ende der 30 Tage Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, was sie überhaupt noch vermissen.

Die Teilnehmer blicken am Ende glücklich aber auch erleichtert in die Kamera. Die Sat1-Moderatoren wissen auch das altklug zu kommentieren: "Die Dinge, die das Paar glücklich machen, lagen nie im Container.“

Angesichts der vorangegangen Nackt-Szenen, ein durchaus sarkastischer Kommentar.

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(bah)