CDU-Mann Spahn fordert Deutschpflicht für Imame - doch das könnte gefährliche Folgen haben

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JENS SPAHN
CDU-Mann Spahn fordert Deutschpflicht für Imame - doch das könnte gefährliche Folgen haben | Joachim Herrmann / Reuters
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  • CDU-Politiker Jens Spahn fordert ein Islamgesetz
  • Darin soll unter anderem eine Deutsch-Pflicht für Imame verankert werden
  • Doch das kann gefährliche Folgen haben

Neu ist die Forderung nicht - aber es ist Wahlkampf. Und mit dem Enthüllungsbuch des Journalisten Constantin Schreiber “Inside Islam - was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird” gibt es auch einen aktuellen Anlass, die Forderung zu wiederholen: Imame sollten künftig verpflichtet werden, auch auf Deutsch zu predigen. Das fordert CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn.

"Wir brauchen ein Islamgesetz", sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Darin sollen Vorgaben für die Ausbildung von deutschsprechenden Imamen, von muslimischen Religionslehrern und Seelsorgern festgelegt werden. Außerdem fordert Spahn ein Moschee-Register.

Der CDU-Mann plädiert auch für eine Deutschprüfung für Imame. "Wir müssen wissen, was in den Moscheen passiert." Während man katholische Predigten verstehen könnte, sei das bei türkischen oder arabischen nicht der Fall, sagte Spahn. Wenn die Predigten auf Deutsch gehalten würden, würde das helfen, Vorurteile abzubauen. Und schließlich auch eine bessere Integration der muslimischen Gemeinde bewirken- so die Hoffnung.

Deutschpflicht wird schon seit Jahren gefordert

Schon seit Jahren fordern konservative Politiker immer mal wieder eine Deutschpflicht für Imame. Ex-Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) forderte schon 2004 eine Pflicht für Imame, auf Deutsch zu predigen.

Und viele Islam-Verbände stimmen dem zu. Manch einer begründet das allerdings nicht mit dem Integrationsgedanken. Sondern damit, dass immer weniger junge Muslime noch türkisch oder arabisch sprechen würden. Um die Jugend für die Religion zu begeistern, müssten die Predigten auf Deutsch gehalten werden.

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Im Gegensatz zu den jungen deutschen Muslimen können aber die meisten Imame kein Deutsch. Prediger für den größten Moscheeverband in Deutschland, Ditib, kommen in der Regel für fünf Jahre aus der Türkei. Noch bevor sie die Sprache richtig sprechen können, sind sie meistens schon wieder in der Heimat.

"Salafismus-Förderprogramm"

Dass auf Deutsch predigende Imame nicht zwingend förderlich für die Integration von Muslimen sind, zeigen Salafisten-Prediger wie Pierre Vogel und Sven Lau. Denn die Konvertiten predigen ihre Hetz-Inhalte schon lange auf Deutsch.

"Wenn ich heute höre, man soll den Moscheen vorschreiben, nur noch Deutsch zu predigen, das wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Salafismus-Förderprogramm“, sagt der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rode vergangenes Jahr in einem "Spiegel"-Interview. Salafisten seien bisher die einzigen, die in einer jugendgerechten Sprache konsequent auf Deutsch ihre Klientel ansprechen würden, sagt Rohe.

Eine Pflicht würde die Moscheen in ein Dilemma stürzen. Denn wenn sie Deutsch-Prediger suchen, würde sie letztendlich bei Salafisten enden.

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(sk)

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