Forschungsdurchbruch: Tierversuche in der Pharmaindustrie könnten bald Vergangenheit sein

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ANIMAL TESTING
Tierversuche könnten auch bald schon in Medikamententests der Vergangenheit angehören | Adam Gault via Getty Images
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  • Leipziger Wissenschaftlern ist ein Durchbruch gelungen - sie haben ein neues Verfahren für Medikamententests entwickelt
  • Dabei werden menschliche Zellen an ein Silikongitter geheftet, an dem Medikamente ähnlich wie im Menschen wirken
  • Versuche mit Tieren könnten damit schon bald nicht mehr nötig sein

Immer mehr Elektroautos fahren auf Deutschlands Straßen, Roboter werden schon bald Pizzen ausliefern. Doch Medikamententests katapultieren die Gesellschaft scheinbar noch immer ins Mittelalter zurück. Denn die Einführungsverfahren für neue Medizin kommen in der Regel noch immer nicht an Tests mit Tieren vorbei.

Nun haben Wissenschaftler von der Universität Leipzig ein Verfahren entwickelt, dass zukünftig Tierversuche in der Pharmaindustrie vermeiden könnte.

Bei dem Alternativverfahren heften die Forscher menschliche Stammzellen an ein 3D-Silikongitter an. Die Stammzellen sollen damit genauso auf medizinische Substanzen reagieren, wie es auch der menschliche Körper tun würde. Damit lässt sich die Wirkung von Substanzen auf den menschlichen Körper besser untersuchen.

Die genaue Struktur der Silikongitter haben die Wissenschaftler noch nicht festgelegt. Sie wollen diese aber in Zusammenarbeit mit einem Industrieunternehmen untersuchen.

Medikamententests funktionieren nur an dreidimensionalen Objekten

Bei ihren Versuchen, die noch zwei Jahre lang laufen, erforschen die Wissenschaftler die Wirkung der Dreidimensionalität der Gitter.

"Aufgrund ihrer Zweidimensionalität haben die bisherigen Modelle den wesentlichen Nachteil, dass sie das funktionierende Organsystem unseres Körpers nur ungenügend abbilden. Wir können so die Wirkung von Substanzen nur eingeschränkt erfassen", erklärte Peggy Stock dem Wirtschaftsmagazin "Enorm". Sie ist die Leiterin des Forschungsprojektes an der Uni Leipzig.

Da zweidimensionale Versuchsobjekte nicht für Tests verwendet werden können, musste die Pharmaindustrie deshalb bisher auf Tiere zurückgreifen.

Versuche mit menschlichen Stammzellen

Für das neue Verfahren verwenden die Stock und ihre Kollegen menschliche Stammzellen aus dem Fettgewebe. Zunächst isolieren sie diese Zellen und trennen sie im Labor soweit, dass sich diese wie eine organische Leberzelle im Körper verhalten. Nach der Ansiedlung auf dem Silikongitter wachsen die Zellen in dreidimensionaler Form und können weiterhin miteinander kommunizieren.

Die Wirkungsweise von Medikamenten auf diesen Zellverbund könnte man dann vollständig auf den Menschen übertragen. Momentan tüftelt das Team noch daran, wie die Silikonstruktur für die Zellverbände geometrisch angelegt sein muss.

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(mf)

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