Was der Journalist Constantin Schreiber in deutschen Moscheen gehört hat, ist niederschmetternd

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SCHREIBER
Was in den Moscheen gepredigt wird, ist eine Gefahr für die Integration | ARD
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  • Der Journalist Constantin Schreiber hat in deutschen Moscheen recherchiert
  • Das Ergebnis ist niederschmetternd
  • Die Imame, deren Ansprachen er hörte, predigten gegen die Integration, gegen Deutschland

Es begann mit einem Zufall. Es wurde ein Einblick in eine Welt, die Deutschland prägt, die aber kaum ein Deutscher kennt. Und vielleicht endet es damit, dass sich etwas ändert in Deutschland, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird:

Es ist Freitag, der 29. April 2016, als der Fernsehjournalist Constantin Schreiber in der Wilmersdorfer Moschee in Berlin ein paar nette Bemerkungen über den interreligiösen Dialog einfangen will.

Das Buch, mit dem alles anfängt

Während er der "eher belanglosen Predigt" lauscht, blättert er in den Büchern, die ausliegen. Darunter: "Verheißung Islam". Ein Buch des französischen Holocaust-Leugners Roger Garaudy. Darin steht unter anderem, dass Islam Demokratie ausschließe, dass die Idee einer Nation eine "westliche Krankheit" sei. Ein Moscheebesucher nennt sich selbst einen "Islamisten".

Was Schreiber da zufällig entdeckt, hört, erschreckt ihn. Er will mehr über das wissen, was in den muslimischen Gebetshäusern gepredigt und gelebt wird.

Ein niederschmetterndes Fazit

Er beginnt eine achtmonatige Recherche, besucht 13 willkürlich ausgewählte arabische und türkische Moscheen in Berlin, Hamburg und Karlsruhe. Hört sich 13 Freitagspredigten an, die eine ähnliche Funktion erfüllen wie die Sonntagspredigten der christlichen Kirche. Er bespricht jede einzelne mit Islamwissenschaftlern und mit dem predigenden Imam – falls dieser nicht mauert. Er fragt deutsche Behörden nach Fakten.

Das Ergebnis dieser Recherchen ist das Buch "Inside Islam". Und es ist niederschmetternd.

Schreiber, das darf man unterstellen, ist offen an die Recherche herangegangen. Der Journalist hat im Libanon und in den Vereinigten Arabischen Emiraten für renommierte Medien gearbeitet, hat für seine deutsch-arabische n-tv-Sendung "Marhaba – Ankommen in Deutschland" den Grimme-Preis bekommen, moderiert seit Anfang des Jahres die "Tagesschau", spricht exzellent arabisch. Schreiber - das ist kein Scharfmacher.

Umso schwerer wiegt sein Resümee:

"Bestenfalls waren die Predigten dichte, religiöse Texte, die die Zuhörer in einer anderen Welt halten, schlimmstenfalls wurde das Leben in Deutschland, Demokratie und unsere Gesellschaft abgelehnt. Ich würde gerne ein positives Beispiel anführen, eine Predigt, die Weltoffenheit ausstrahlt, eine Brücke baut zum Leben in Deutschland. Leider haben meine Moscheebesuche ein solches Beispiel nicht ergeben."

Was Schreiber erlebt

Es sind viele Beobachtungen und Experten-Gespräche, die Schreiber zu dem Schluss bringen. Beispiele wie diese:

Aufruf zur Abschottung

  • Umar-ibn-al-Khattab-Moschee Berlin. Der Imam bemüht schwer verständliche Gleichnisse, die von Kamelen und Datteln handeln. Susanne Schröter, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam, sagt: Die Zuhörer sollten in der fremden Welt gehalten werden, "weil man glaubt, dass von der deutschen Gesellschaft ein schädlicher Einfluss ausgeht, dass das Virus der Freiheit ansteckend ist".
  • Al-Furqan-Moschee Berlin. Der Imam mahnt zur Glaubensfestigkeit. "Wir leben in dieser Umgebung, die stark auf uns einwirkt, dich auslöscht", sagt er. Es sei wichtiger auf eine strenge Religiosität der Kinder zu achten, als die Sprache des Landes zu lernen. "Absolut ernüchternd" finde er so etwas, sagt Schreiber der Huffington Post.
  • Al-Farouq-Moschee Postsdam. Der Imam sagt: "Jede Neuerung in der Religion Gottes ist Ketzerei."
  • Risala-Moschee Berlin. Der Imam kann nur einfache Sätze auf Deutsch formulieren, macht viele Fehler. Und lebt seit elf Jahren in Deutschland. Im Zuge der Recherchen sprach Schreiber nur mit einem Imam, der ein Interview auf Deutsch führe konnte: in der Centrum-Moschee Hamburg.
  • Hagia-Sophia-Moschee Karlsruhe. "Einmal fragte ich einen Imam auf Türkisch, ob er Kontakt habe zu Deutschen. Er sagte, ja, er habe Kontakt zu ausländischen Mitbürgern. Das war in Karlsruhe und die Ausländer waren die Deutschen", sagt Schreiber der Huffington Post.
  • Hagia-Sophia-Moschee Karlsruhe. Der Imam warnt, selbst tote Frauen sollten nur von der engen Verwandschaft gesehen werden. Abdelhakim Ourghi, Professor für Islamwissenschaften aus Freiburg sagt: "Das ist diese absolute Paranoia, dass Frauen Männer in Unruhe versetzen, selbst noch als Leichen. (...) Das steht in völligem Widerspruch zu unserer Genderordnung."
  • Mehmed Zahid Kotku Tekkesi Berlin: Der Imam spricht am 23. Dezember "über die Gefahr von Weihnachten". Islamwissenschaftler Ralph Gadhban sagt: "Jedes Fest, das die Ungläubigen begehen, muss bekämpft werden. (...) Die Auswirkungen sind spürbar: In Gegenden mit einem hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund wird Weihnachten in Schulen etwa gar nicht mehr gefeiert."

Politischer Aktivismus und Aufruf zur Missionierung

  • Şehitlik-Moschee Berlin. Nach dem Putschversuch in der Türkei predigt der Imam des größten Moscheeverbandes in Deutschland, der türkischen Ditib, über Feinde der Religion und des Staates. Islamexperte Ourghi sagt, die Inhalte für die Predigten liefere Ankara. "Die Moscheen werden als Orte politischer Propaganda missbraucht." So entwickele sich in Deutschland ein "Staat im Staate". Die Öffentlichkeit solle davon nichts erfahren: "Die Ditib stellt als ein Täuschungsmanöver deutsche Ausgaben der Predigten auf ihre Website, die aber nur selektiv eine Zusammenfassung darstellen." Schreiber erlebt selbst, dass das, was Imame normalerweise predigen, nicht vergleichbar ist mit dem, was sie sagen, wenn ein TV-Team anwesend ist.
  • Mehmed Zahid Kotku Tekkesi Berlin. Der Imam spricht über den Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Schreiber notiert: "Der Imam setzt den Terror von Berlin mit der kurdischen Terrororganisation PKK gleich und legitimiert das harte Durchgreifen der türkischen Regierung." Mitgefühl mit den Opfern? Fehlanzeige.
  • Al-Farouq-Moschee Potsdam. Die Predigt enthält laut Schreiber einen deutlichen Aufruf zur Missionierung. Fast alle Menschen, die sie hören, seien Flüchtlinge. "Glauben sie wirklich, sie sollen in Potsdam Menschen ansprechen und sie zum Übertritt zum Islam überreden?"

Repräsentativ im statistischen Sinn sind Schreibers Recherchen nicht. Aber er geht davon aus, dass sie "mit einiger Wahrscheinlichkeit" auf andere Moscheen übertragbar sind.

Verheerende Wirkung auf die deutsche Gesellschaft

Das heißt: In einem gute Teil der deutschen Moscheen predigen Imame wöchentlich gegen die Integration, gegen das Leben in Deutschland, gegen die Demokratie.

Sehr viele junge Menschen unter 30 hören solche Aufrufe jede Woche. Jene Menschen also, auf deren Integration die deutsche Gesellschaft angewiesen ist. Sogar viele Kinder im schulpflichtigen Alter. Schreiber fragt sich, ob sie für die Predigten am Freitag um 12.30 Uhr die Schule schwänzen.

Ahnungslose Behörden

Die Behörden haben keine Ahnung, was ein Teil der schätzungsweise 4,4 bis 4,7 Millionen Muslime in Deutschland (Stand 2015) jede Woche in den Moscheen zu hören bekommt. Sie wissen nicht einmal, wie viele Gebetshäuser es gibt. Einige Beispiele Schreibers zeigen, wie absurd die Situation ist:

  • Das Bundesamt für Migration (Bamf) hat 2012 eine Schätzung herausgegeben, die de facto wertlos ist: weil Moscheen, deren Organisatoren nicht kooperieren wollten, schlicht nicht erfasst wurden.
  • Staatliche Stellen verweisen Schreiber auf die Seite "moscheesuche.de". Ihr Betreiber ist Max K. aus Köln, der einen Teil der Muslime pauschal als Ungläubige bezeichnet. Schreibers Stichproben ergeben, dass viele Gebetsräume und Moscheen dort nicht aufgelistet werden und dass viele der gelisteten nicht mehr existieren.
  • Der Bundesverfassungsschutz weiß es nicht, weil er Moscheen nur bei konkretem Extremismus-Verdacht erfassen darf. Ein Experte sagt Schreiber, wenn man ernst nehme, was in den muslimischen Milieus gedacht werde und sich in Flyern und Predigten zeige, müsste man alle Moscheen überwachen.
  • Sollte Schreiber etwas herausfinden, so sagt man ihm beim Bundesinnenministerium, solle er Bescheid geben. Denn die Zahlen würde man auch gerne kennen.

Was sich ändern muss

Was Schreiber da zusammengetragen hat, ist gesellschaftlicher Sprengstoff. Wenn Deutschland nicht aus Parallelwelten bestehen soll, wenn Flüchtlinge sich integrieren sollen, kurz: wenn Deutschland funktionieren soll, dann muss sich etwas ändern.

Schreiber betont, als Journalist erhebe er keine politischen Forderungen. Er hofft auf weitergehende wissenschaftliche Analysen.

Dafür werden nun öffentlich anderes Lösungen diskutiert, die Muslime nicht unter Generalverdacht stellen dürfen. Aber vielleicht mehr Transparenz schaffen und indirekt mehr Integration bewirken können:
  • ein öffentliches Register aller Moscheen und Gebetsräume
  • eine Offenlegung der Finanzierung der Moscheegemeinden
  • ein Deutschtest auf hohem Niveau für Imame, die in Deutschland arbeiten wollen

Es ist höchste Zeit, das Thema anzupacken. So schnell wie möglich, damit die deutsche Gesellschaft nicht auseinanderfällt. So differenziert, wie Schreiber es vorgemacht hat. Und so unaufgeregt. Das hilft allen am meisten.

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"Inside Islam" von Constantin Schreiber. Die ARD sendet zum Thema einen dreiteiligen Moschee-Report.

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(ks)

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