"Sie klauen ganze Straßenzüge leer": Journalist spricht bei "Lanz" Wahrheit über Bandenkriminalität aus

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SUNDERMEYER
"Sie klauen ganze Straßenzüge leer": Journalist deckt bei "Lanz" auf eine umbequeme Wahrheit auf | ZDF
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  • Journalist Olaf Sundermeyer präsentiert bei "Markus Lanz" sein Buch "Bandenland"
  • Darin beschreibt er die Ausmaße organisierter Kriminalität in Deutschland
  • Viele Täter kämen etwa aus Rumänien
  • Die Kriminellen fürchteten die laschen Strafen in Deutschland nicht

"Politischen Sprengstoff“ nannte ZDF-Moderator Markus Lanz das, was Journalist Olaf Sundermeyer in seiner Sendung berichtete.

Sundermeyer hatte jahrelang über organisierte Kriminalität recherchiert – und stellte bei Lanz nun sein Buch „Bandenland“ vor.

"Die Polizei hat jahrelang so getan, als ob man es nur mit Einzeltätern zu tun hätte“, erklärte Sundermeyer. Stattdessen stecken hinter der wachsenden Anzahl von Wohnungseinbrüchen in Deutschland gut organisierte Verbrecherringe.

Es handle sich um "Banden, die aus dem Ausland einreisen, (…) ganze Straßenzüge leerklauen, anschließend weiterreisen in andere europäische Metropolen“.

Die Politik habe diese Erkenntnis jahrelang verschwiegen. Der Staat habe Angst zuzugeben, dass die offenen Grenzen Europas zu einer "Machtlosigkeit“ führten, so Sundermeyer.

Kriminelle nehmen das Ruhrgebiet ins Visier

Besonders im Ruhrgebiet biete sich daher ein schlimmes Bild. Dort gebe es für die Täter eine "Top-Infrastruktur“. "Ich habe mit vielen Kriminellen gesprochen, die erzählen mir das selbst so“, antwortete Sundermeyer dem etwas ungläubigen Lanz auf die Frage, was er damit meine.

Über die A2 könnten die Täter schnell über die Grenzen fliehen, führte der Journalist aus. Dann sei "Ende für die deutsche Polizei“, die ohnehin stark unter Stellenstreichungen leide.

Sundermeyer sprach von einer "Politik, die den Staat auflöst“. Für einen soliden Haushalt verzichte die Bundesregierung auf weitere Ausgaben für die Sicherheitsbehörden, obwohl man – so glaubt der Journalist – Sicherheit ganz einfach kaufen könne.

Eine Ausnahme biete Bayern. "Mir haben Kriminelle aus Rumänien erzählt, dass sie nach Bayern gar nicht erst fahren“, berichtete der Experte. Dort sei die Chance erwischt zu werden und harte Strafen zu bekommen, schlicht und einfach zu hoch.

"Man klaut nicht aufgrund seiner kulturellen Herkunft"

Auch zur Herkunft der Täter äußerte sich Sundermeyer unverblümt. Diese seien in der organisierten Kriminalität überwiegend "nicht deutscher Herkunft“. Er schränkte jedoch klug ein: "Man klaut nicht aufgrund seiner kulturellen Herkunft, das zu behaupten, wäre blanker Rassismus.“

Die Täter aus Ländern wie Rumänien hätten jedoch "keinen kürzeren Weg, um an Wohlstand zu kommen“.

Ein Beispiel Sundermeyers sollte verdeutlichen, wie schwach der Staat derzeit im Kampf gegen die Banden sei. Denn Täter kämen meist mit einer Bewährungsstrafe davon.

Für Kriminelle in Deutschland sei das zwar abschreckend, für Täter aus Rumänien aber "völlig egal“. "Eine Bewährungsstrafe ist keine Strafe in den Augen eines rumänischen Wohnungseinbrechers", so der Autor.

Die Antwort – so glaubt der Experte – seien jedoch keine härteren Gesetze, sondern eine konsequentere Anwendung der bestehenden Regeln.

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(bp)

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