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Die 120-Milliarden-Euro-Rechnung: Schäuble warnt vor Zinsschnitt für Griechenland

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SCHUBLE LAGARDE
Die 120-Milliarden-Euro-Rechnung: Internes Papier des Finanzministeriums zeigt, wie teuer ein Schuldenerlass Athens wäre | Jonathan Ernst / Reuters
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  • Der Internationale Währungsfonds fordert Schuldenerleichterungen für Griechenland, Bundesfinanzminister Schäuble sträubt sich dagegen
  • Ein internes Papier aus seinem Ministerium zeigt, warum
  • Ein Aufschub der Zinszahlungen könnte extrem teuer werden

Die Griechenland-Krise wird wieder akut.

Ein Grund dafür ist nicht nur der Streit zwischen Athen und seinen Gläubigern. Sondern auch die Uneinigkeit zwischen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und dem Internationalen Währungsfond (IWF) über den richtigen Kurs in der Griechenrettung.

Schäuble fordert, dass Griechenland weiter Reformen durchführt und seine Schulden bezahlt. IWF-Chefin Christine Lagarde drängt dazu, die Schuldenlast des kriselnden Landes zu verringern. Ein möglicher Weg für sie wäre: Die Zinszahlungen Athens aufzuschieben.

Ein internes Papier aus dem deutschen Finanzministerium zeigt nun, warum Schäuble sich gegen diese Forderung des IWF sträubt: Ein Zinserlass würde die Gläubiger viele Milliarden Euro kosten. Das Papier liegt unter anderem der Tageszeitung "Handelsblatt" vor.

Die 120-Milliarden-Euro-Rechnung

Konkret geht es um rund 120 Milliarden Euro. Auf diesen Betrag würden sich die Zinszahlungen Griechenlands an die Gläubiger bis 2040 summieren, heißt es in dem Papier. Auf dieses Geld müssten die Gläubiger verzichten. "Bei solchen Zinsstundungen würde es sich faktisch um umfangreiche neue Kredite handeln", heißt es in dem Papier aus dem Finanzministerium.

Die Botschaft aus dem Papier des Bundesfinanzministeriums ist laut dem "Handelsblatt" eindeutig: Ein Aufweichen der Zinslast kommt nicht in Betracht.

Hinter den Kulissen schwelt der Streit

Zuletzt hatte Schäuble gesagt, der IWF sei nicht das Problem. Der Währungsfond würde sich natürlich am laufenden Rettungsprogramm beteiligen.

Laut "Handelsblatt" gibt es hinter den Kulissen ganz andere Signale. Der IWF fordere weiterhin, dass einerseits die Laufzeit der Kredite verlängert und andererseits extrem niedrige Zinssätze garantiert werden.

Das dritte Kreditprogramm des Euro-Rettungsfonds ESM läuft bis Sommer 2018. Zwei Tranchen daraus hat Griechenland bereits erhalten - ohne Beteiligung des IWF. Schäuble hat mehrfach betont, die dritte Kreditauszahlung komme nur, wenn sich der IWF beteilige.

Mehr zum Thema: Kampf um Athen: In der Griechenlandkrise kommt es zum Showdown zwischen Schäuble und Schulz

Schäuble trifft Lagarde im April

Mitte April fliegt der deutsche Finanzminister nach Washington zur Frühjahrstagung des IWF. Das Papier aus seinem Haus dürfte ihm als Argument bei den Verhandlungen dienen, um IWF-Chefin Lagarde zu überzeugen: Schuldenerleichterungen könne es erst nach Ende des dritten Hilfsprogramms 2018 geben - wenn überhaupt.

Derzeit prüfen die Gläubiger Griechenlands noch, inwieweit die griechische Regierung die geforderten Reformen und Sparauflagen erfüllt hat. Beim Abschluss des dritten Rettungspaketes hatte sich Griechenland zu deren Einhaltung verpflichtet.

Bis Juli müssen die Probleme ausgeräumt sein, dann muss Griechenland etwa sieben Milliarden Euro an Schulden begleichen.

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(ben)