"Maischberger": AfD-Frau von Storch liefert eine verblüffende Begründung für ihre Brexit-Begeisterung

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VON STORCH
AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch bei Maischberger | ARD Maischberger
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  • Sandra Maischberger hat mit ihren Gästen die kommenden Brexit-Verhandlungen diskutiert
  • AfD-Frau Beatrix von Storch gab an, dass sie angesichts des EU-Austrittes der Briten "vor Freude geweint" habe
  • Ihre Begründung verblüffte die anderen Gäste

Jetzt durfte sie mal wieder. Nachdem sich die AfD zuletzt bitter über ihre geringe Talkshow-Präsenz beklagt hatte, saß die Europaabgeordnete Beatrix von Storch nun bei "Maischberger". Thema war der EU-Austritt Großbritanniens.

Von Storch eröffnet die Sendung mit einem Trommelwirbel: "Ich habe geweint vor Freude, dass wie erleben durften, dass es einen Weg aus der EU hinaus gibt."

Warum wir uns über den kommenden Brexit derart freuen sollen, kann sie allerdings nicht glaubhaft erklären. Sie scheint den EU-Austritt der Briten vor allem aus politischen Gründen zu verteidigen - und gibt das auch indirekt zu. "Ich freue mich, dass die Briten entscheiden durften", sagt sie.

Von Storch hätte sich auch über ein "Nein" gefreut

Von der Seite schaltet sich der SPD-Politiker Doyhani ein: "Dann hätten sie sich auch freuen können, wenn sie hätten abstimmen können und zum Brexit ’Nein' gesagt hätten." "Richtig!", stimmt von Storch zu. Hauptsache Volksentscheid - über die Konsequenzen reden wir später.

Auch für Deutschland fordert die AfD-Politikerin ein Referendum über den Verbleib in der EU.

Der langjährige Brüssel-Korrespondent der ARD, Rolf-Dieter Krause, rät dagegen erstmal zu britischer Gelassenheit - um dann gleich ein düsteres Szenario der Zukunft Europas zu malen.

"Schaden wird der Brexit beiden - doch die Briten werden stärker leiden", sagt er. Krause hält es durchaus für möglich, dass es bei den Brexit-Verhandlungen zu keiner Einigung kommt.

Ein Problem sei, dass die Briten nämlich keine Experten für Handelspolitik mehr hätten. Die würden nun alle in Brüssel für die EU arbeiten und hätten kein Interesse daran, die Regelungen abzuwickeln, die sie selbst geschaffen haben.

"Schaden wird der Brexit beiden"

Jetzt befürchtet er großen Schaden für beide Seiten. So würde zum Beispiel BMW seine Minis in Großbritannien produzieren. Sollten wieder Zölle erhoben werden, würden sie die Fertigung in ihr Werk in Holland verlegen."Es droht ein großer Arbeitsplatzverlust." Das könne nicht im Interesse Europas sein.

Die Briten seien für Deutschland ein wichtiger Partner gewesen, weil sie stets für Freihandel waren. Krause erklärt: "Es gibt eine Mehrheit in Europa, die sehr für Protektionsmus ist." Hier habe Großbritannien immer seine Sperrminorität eingesetzt.

"Wenn es zu einer gegnerischen Dynamik kommt, legt die EU den Grundstein für die Zerstörung".

Das Problem: Erlaubt die EU den Briten die vielzitierte "Rosinenpickerei" und gesteht ihnen Freihandel ohne Zugeständnisse wie die Freizügigkeit von EU-Bürgern zu, werden auch andere Länder mit dem Austritt drohen.

Geht die EU aber auf Konfrontation zu den Briten, werden beide Seiten großen wirtschaftlichen Schaden nehmen - was ebenfalls den Zerfall der Union beschleunigen könnte.

"Für Großbritannien ist es schlecht und für Europa ist es schlecht"

Bayerns Finanzminister Söder bemerkt trocken, dass es für die Briten besser gewesen wäre, wenn sie ihre Interessen innerhalb der Europäischen Union durchgesetzt hätten, anstatt diese gleich zu verlassen.

"Das Land zerlegt sich ja selber", sagt der CSU-Mann mit Blick auf das geplante schottische Unabhängigkeitsreferendum. "Für Großbritannien ist es schlecht und für Europa ist es schlecht."

"Ich freu mich darüber, dass wir festgestellt haben, dass Freihandel wichtig ist", sagt AfD-Frau von Storch. Sie fordert, bei den kommenden Verhandlungen den Freihandel nicht mit politischen Forderungen wie der Quotenzuweisung von Migranten oder Arbeitnehmerfreizügigkeit verquicken, "sonst wird die EU zerfallen."

Die Grüne Marieluise Beck widerspricht ihr. "Sie teilen unsere Vorstellung nicht, dass Europa mehr ist als ein Austausch von Waren!", wirft sie der AfD-Frau vor.

Leider sehen die Briten das offenbar genauso wie von Storch.

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(lp)